Herr Wosche in China

Vor ein paar Jahren erschien eine Geschichte von mir in der GECKO – Die Bilderbuchzeitschrift. Jetzt ist sie in China verlegt wurden. Da weiß man mal, wie sein Name auf chinesisch geschrieben wird. Der Titel heißt in der deutschen Ausgabe „Herr Wosche“. In dem chinesischen Buch wurde er übersetzt mit „Herr Kreuzundquer“ oder „Herr Raufundrunter“ oder so ähnlich. Herr Wosche hat nämlich ein Problem mit der Koordination seiner Gliedmaßen.

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„Mutterflammenlichtblau“

In der Alten Nationalgalerie in Berlin habe ich ein neues Wort gelernt: Mutterflammenlichtblau. So nannte August Kopisch die Farbe, mit der malte. Er hatte auch noch Chrysograsbrillantfeuergrün auf der Palette. Die Farben brauchte zum Beispiel, um die Blaue Grotte auf Capri zu malen, die er gemeinsam mit zwei anderen Freunden entdeckte! Die Entdeckung der Blauen Grotte gilt als Endpunkt der Romantik, Novalis hatte wohl noch von ihr geträumt, Kopisch fand sie einfach so.

Der Herr Kopisch war ein interessanter Typ, seine Bilder sind ein bisschen wie auf Droge. Und dichten konnte er auch – sein Nachname war mir daher geläufig. Als ich Kind war, erzählte mir meine Großmutter Börries Freiherr von Münchhausens Geschichte vom „alizarinblauen Zwergenkind“, in der ein ausgebüchster Zwerg ein Bad in einem Tintenfass nimmt. Es heißt dort:

Da kommt doch diese Nacht / Ein kleinwinzig Zwergenkind / Aus dem Bücherspind / Hinter Kopischs Gedichten hervor / Und krebselt an meinem Schreibtisch empor… und so weiter.

Komisch, Kopisch, kenne ich!

Zeitreise

Bei einem Ausflug in die Dübener HeideP1070076
landeten wir auf einem Bauernhof, der
aus den 80er-Jahren der DDR übrig
geblieben war. Ich glaube, diese Bad-
verkleidung (rechts) klebte früher in den
D-Zügen. Sehr pragmatisch auch die
Handtuchhaken in dem „Sprelacart“.

 

 

Auch Deko-Objekte gab es in den Bungalows zu entdecken. Die Person links ist übrigens eine
Sparbüchse, für das rechte Dingsbums weiß ich keinen Namen. Eine Froschteichampel?

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P1070066Im benachbarten Bad Schmiedeberg bewies die örtliche Fleischermeisterin Mut zur ausgefallenen Schaufenstergestaltung. Wahrscheinlich kaufen die Bad Schmiedeberger ihr Fleisch hier mit hochrotem Kopf ein:

P1070078Klare Sache:

P1070088Niemand weiß, wer Kurt am Ende ist. Laut Suchmaschine gab es in Chemnitz einen Architekten namens Curt am Ende, der ist in den 1970er-Jahren verstorben. Dieser Kurt am Ende aber ist auf dem Bad Schmiedeberger Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs aufgelistet. Näheres weiß man nicht zu Herrn am Ende.

P1070089Und wir wurden am Ende beinahe Zeugen einer Entbindung. Der Hühnchennachwuchs plumpst gleich auf die mütterlichen Füße. Haben wir dann aber doch nicht gesehen, das Huhn zog sich zurück.

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Vorfall

P1070007Dieses Armband habe ich vor einer Ewigkeit von einer Freundin bekommen. Sie kaufte es damals auf dem historischen Markt in Aleppo und brachte es mir mit. Heute liegt dieser Markt in Trümmern, wie eigentlich ganz Aleppo. Letzten Sommer fiel mir das Armband wieder in die Hände. Ich legte es an und dachte, ich trage es so lange, bis es von selber vom Arm fällt. Vielleicht passiert dann etwas Gutes… Am Wochenende war es so weit. Das Armband ist kaputt gegangen und fiel herunter. Liebes Universum, ich hoffe, du hast genau mitgehört …

Neues Jahr und so

Das war mal ein kleiner Buchladen in meinem Kiez. Hat lange durchgehalten. Dann gings nicht mehr. Jetzt steht er leer und wartet. Vielleicht kommt noch ne Bäckerkette, noch ein Handyladen oder… Was mir aber jetzt erst aufgefallen ist: die metallene Verzierung vor dem Schaufenster. Ich überlege, ob ich nachts heimlich die Enden der unfertigen Brezeln mit einer Kneifzange zusammendrücke, so dass sie sich in lauter kleine Herzen verwandeln. Herzen bedeuten dann Glück und Liebe, davon kann mein Kiez ne Menge vertragen, zum Beispiel oben im Flüchtlingsheim, aber natürlich nicht nur da. Ich wünsche euch allen ein neues gutes Jahr mit Tschitschi, PomPom und noch besseren Dingen.

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Uwes Mama

Komme ich ahnungslos in die Küche einer Freundin – und wer steht da auf dem Küchentisch? Uwes Mama! Ich habe sie gefunden. Uwe lebt schon seit Jahren bei uns, auf unserem Küchentisch in einem kleinen Eierbecher, das ist er. Jetzt muss ich sehen, wie ich für die beiden Schweine eine Familienzusammenführung organisiere. Das wird sicher sehr bewegend. Ich soll jedoch von Uwe ausrichten, er möchte keine Presse. Es soll eine kleine, private Veranstaltung werden. Ihr habt Verständnis, nicht wahr? Und das ist Uwes Mama, voll elegant, voll gepflegt. Und wie ähnlich sich die beiden sind.

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MEIN König

Unsere kleine gut gelaunte Runde schwappt in ein unbekanntes thailändisches Restaurant – unbekannt, weil wir uns in Regensburg befinden. In dem Restaurant läuft Rockmusik aus den 70er Jahren. Die Wände sind tapeziert mit Mike Jagger, den Doors, Jimi Hendrix und mit einem asiatischen Saxophonspieler. Den kennt keiner von uns.

Wir fragen die Dame, die uns bedient. Kaum ist die Frage ausgesprochen, geht ein Ruck durch die kleine Frau, ihr Gesicht wird ernst, und feierlich sagt sie: „Das ist MEIN König.“ – und entfernt sich prompt. Wir sind platt. Tatsächlich handelt es sich um den Mann auf dem Bild um König Bhumibol von Thailand (1927 geboren), der leidenschaftlicher Saxophonspieler ist.

Später kommt sie noch einmal an unseren Tisch, jetzt nicht mehr so feierlich und bekräftigt, dass wir wissen müssen, dass ihr König ein guter König sei: „Alle Menschen aus Thailand lieben ihn.“ Die Musik, die im Restaurant läuft, verdanken wir aber dem Geschmack ihres Chefs. Der sagt immer zu ihr: „Vergiss nicht, meine Musik zu spielen.“ Der Chef wird sich über unseren Kommentar freuen, beteuert sie.