Löwenmut

2. September 2010

Kennt das Jemand? Vor ein paar Jahren ging ich so durch eine Buchhandlung. Plötzlich sprang mir ein Buch entgegen. Ich bekam kurz Schnappatmung und überlegte fieberhaft, warum mir dieses Cover so vertraut war. Das kenne ich, verdammt das kenne ich doch! Woher??? Neeee, das ist doch…. das ich doch…. das ist genau das Buch, was mir meine Großmutti immer vorgelesen hatte, als ich klein war. Der Glückliche Löwe!!! DER Glückliche Löwe. Zur Schnappatmung gesellen sich Schweißtropfen des Glücks und die Kaufentscheidung ist gefallen.

Flugs entnehme ich dem Buch, dass es sich um eine neu gestaltete Ausgabe handelt. Ursprünglich erschien das Buch hierzulande 1955 und erhielt den Ersten Deutschen Jugendliteraturpreis überhaupt. Das hat man ja als Kind nie geahnt. Dass ich dem Glücklichen Löwen noch einmal über den Weg laufe! Mir fallen die Fotos ein, die es von mir gibt. Auf denen sitze ich (etwa 4-jährig) wie ein Löwe brüllend auf dem roten Sofa meiner Großmutti. Damals ging das Spiel so: “Wie macht der Löwe?” Und ich: “Wahhhhhhhhhh!” Löwen hatten es mir seit diesem Buch angetan. Obwohl der Glückliche Löwe überhaupt nicht wahhhhh macht. Im Gegenteil, er ist immer freundlich, wenn er höflich gegrüßt wird. “Guten Tag, Glücklicher Löwe.” Das mag der alte Zausel hören. Alle mögen ihn und besuchen ihn im Stadtzoo. Merkwürdig nur, dass allen Stadtbewohnern die gute Kinderstube abhanden kommt, als der Glückliche Löwe die Gelegenheit für einen Spaziergang in der Stadt wahrnimmt. Niemand grüßt ihn. Alle rennen schreiend weg. “Ich merke schon, die Leute in dieser Stadt sind verrückt geworden”, denkt sich da der Glückliche Löwe und vermisst seine Freunde.

Solche Szenen hier machen außerdem richtig Spaß beim Vorlesen: “Oh la la! Schrie Madame Pinson und warf ihre Einkaufstasche mitsamt dem Gemüse dem Löwen ins Gesicht. Ha-a-a-a-tschiiiiii, nieste der Löwe.” Ich finde das köstlich. Madame Pinson ist die, die immer abends am Musikpavillon saß und strickte. Es gibt auch noch den Lehrer, Herr Dupont und natürlich Franz, des Wärters Sohn und bester Freund des Glücklichen Löwen. Franz allein hat das Zeug, höflich zum Glücklichen Löwen zu sein, auch wenn dieser auf Freigang ist. Was die Feuerwehr nicht schafft, macht er mit links.

Franz geleitet den Glücklichen Löwen in sein Gehege zurück. Franz: “Wollen wir miteinander in den Park zurückgehen?” – “Ja, das wollen wir”, sagte der Glückliche Löwe zufrieden. Und jetzt, ja jetzt winken sie alle dem Löwen, aber nur mit sicherem Abstand. Da hatten wohl einige Muffensausen.

Der Glückliche Löwe von Louise Fatio & Roger Duvoisin, neue Ausgabe 2004 KeRLE im Verlag Herder

Neue Schaufenster-Gestaltung gesichtet

30. August 2010

Vor einigen Wochen zeigte ich hier ein geschäftsloses Schaufenster, dass immer wieder von einer unsichtbaren kreativen Kraft neu gestaltet wird. Jetzt war wohl mal wieder Zeit für ein neues Motiv: Ein Frauenkopf auf einem unechten Buchsbaum-Würfel mit einem Häkeldeckchen aus Plastic im Hintergrund. Hm…??? Ich denke irgendwie an Guillotine, Heckengrenzen, trügerische Idylle, Tücken der Schönheit…

Großfamilie

30. August 2010

Herr Schlönske kommt herein, rollt aufgeregt mit den Augen und meint: “Ich wiege 80 Kilometer!”

Bücher aus der “Rosinenkiste”

27. August 2010

Letztens sah ich den Film “Die Eleganz der Madame Michel” – schöner Film und Anna Karenina spielte auch eine Rolle. Da hab ich mir vorgenommen, das Buch mal wieder zu lesen, denn das letzte Mal war ich dabei 17 Jahre gewesen. Bei einem Besuch bei Omi wurde ich auch gleich fündig: Eine schöne alte Schwarte von 1965. Ein Stück aus der “Rosinenkiste” merkte meine Mutter gleich an. Die steckte nämlich just 1965 in einer Buchhändlerlehre. Von Anna Karenina gab es für die ganze Stadt und Umland damals nur 4 Exemplare oder so, also viel zu wenig. Mangelware, wie so vieles in den Zeiten der DDR. Deshalb legte sich die Buchhandlung eine “Rosinenkiste” zu, in der die besonders schönen Schmeckerchen der Literatur verschwanden, aus der sich die Buchhändlerinnen dann bedienten – wie meine Mutter.

Da besitze ich jetzt die Anna aus einer längst vergangenen Rosinenkiste – ist das nicht ein schönes Wort??? Und da zitiere ich gleich mal einen der berühmtesten Romananfänge dieser Welt:

“Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Art.”

Text-Burger im Interview

25. August 2010

Im Moment gibt es im Text-Burger keine neuen Rezepte. Das liegt auch daran, dass der Presserummel in der letzten Zeit ganz schön dolle war… hach. Ständig diese Interviewtermine! Ihr könnt es lesen auf querbeet-gelesen (siehe Blogroll): 5×5 Fragen an eine Texterin. Für weitere Interviews wendet euch bitte an mein Assistenten-Team. :-)

Bildung fort

20. August 2010

Wenn man sich fortbildet, ist das bis dahin erworbene Wissen dann weg???

Neulich in der Ex-Riesengärtnerei:

16. August 2010

Es gibt Orte, die entwickeln eine ganz eigene Ästhetik. Ich finde es jetzt schon traurig, wenn an die Stelle dieses verwesenden Gärtnerei-Paradieses fest umsäumte Einfamilienhäuser Einzug halten.

Tritt ein, bring Unordnung herein.

Während Hühnerdame Elvira (ganz hinten liegt sie) in der Fuchsfalle modert (sie hatte darin aber auch nichts zu suchen)…

… lässt Opa Schmidtchen die Krücken baumeln und begibt sich auf die Suche nach schwimmenden Gurken. Wo hatte er die nur zuletzt frei gelassen?

Ob sie hier im Rohr krepiert sind? Die Wege in der Gärtnerei-Kolchose sind unergründlich.

Antworten bekommt man vom Inventar hier nicht wirklich. Dafür volles Rohr Brombeeren. Meterhohe Hecken. Irgendwo hier muss auch ein Dornröschen schlafen…

Vielleicht hinter diesem Stacheldraht hier? Mal gucken, ob in der Küche gerade jemand geohrfeigt wird:

Nö. Hier ist auch niemand. Geben sich wohl alle der heiteren Kurzweil hin.

Nachts latschen hier heiße Katzen auf den Dächern herum oh la la und…

… in ramdösigen Ecken hockt die Gemeine Brüllspinne. Sie bringt ihre Opfer durch Anschreien aus dem Konzept. Bei der ist ganz klar:

mehr als nur eine Schraube locker! Die ist wohl mit dem Klammersack gepudert???!!! Oder mit dem:

Beutel voller Keiderbügel. Einer trägt noch die alte, liebevolle Umhäkelung. Wieso hat man früher Keiderbügel umhäkelt? Zuviel Zeit?

Der hiesige Bratmaxe hat auf jeden Fall zuviel Zeit – und das zur Grillsaison!

Ach nee! Hier sind ja die schwimmenden Gurken von Opa Schmidtchen. Und wo ist jetzt Opa Schmidtchen?

Hallo? Irgendjemand hier???

Blöder Regen…

12. August 2010

… dem zeig ich den Sommerstillleben-Finger!

Wartekunst

10. August 2010

Wartend auf dem Bahnsteig entdeckte ich letztens genau vor meinen Füßen diese Installation. Da hat sich jemand die Mühe gemacht, dicht an dicht lauter unterschiedliche Flaschendeckel in den harten Fliesenzwischenraum zu rammen. Nun frage ich mich, wie dieses Werk zustande kam? Hat jemand zu Hause die Deckel gesammelt und ging regelmäßig auf diesen Bahnsteig, um sein Vorhaben Stück für Stück umzusetzen? War es ein unglücklicher Schluckspecht, der es liebte, von genau dieser Stelle aus die ein- und ausfahrenden Züge zu beobachten und dabei gedankenverloren sein Tagespensum an Bier hier zu verewigen? Oder war es gar ein trauriger, womöglich verlassener Mensch, der hier in beginnender Verwirrung auf jemand wartete, vergeblich, denn dieser Jemand trieb sich längst auf anderen Bahnhöfen herum?

Die Deckel sind abgetreten, womöglich handelt es sich um ein älteres Werk. Auf jeden Fall ist es unvollendet. Vielleicht sollte man das Erbe des ehemals Wartenden annehmen und das Muster zu Ende bringen. Vielleicht entdeckt man dabei ein Geheimnis, dass niemand je geahnt hätte…  am Bahnsteig 10?

Still gestanden!

5. August 2010

Ein grimmiges Wort: ZUGANGSKONTROLLKARTE. Wer es ausspricht, kneift die Augen sofort zu schmalen Schlitzen zusammen. Nach dem Wort Zugangskontrollkarte muss unweigerlich das Verb “besitzen” stehen. Denn eine Zugangskontrollkarte muss man besitzen, die kann man sich nicht einfach so leihen. Das Merkwürdige daran: Mit einer Zugangskontrollkarte hat man zwar Zugang und Karte, nur nicht die Kontrolle. Aber alles kann man ja nicht haben.