Richtiges Kino

Es kommt immer mal wieder vor, dass mich jemand ins Somerkino entführen will. Da sage ich „Nein“! Ich lehne Sommerkino ab. Was ist denn das für ein Kino, in dem man Sonnenuntergänge beobachten kann, und ich meine nicht etwa einen Sonnenuntergang im Film! Was ist das für ein Kino, wo nebenan die Autos vorbeiknattern und die Vögel vor der Leinwand hin- und herfliegen? Wo man die Anwohner aus den Fenstern kreischen hört und die Nachbarn am Grill über ihre blöden Autos debattieren! Das ist doch viel zu viel Realität!

Ein Kino muss dunkel sein. Im Kino gibt es nur den Film und das Publikum. Es ist dunkel, alle sind leise und es ist eng – ok, nicht schön, gehört aber so, weil viele Leute den Film gucken wollen. Muss man durch. Weil es dunkel ist, kann man auch heulen. Ich mag nämlich auch keine lustigen Filme. Ich liebe traurige Filme, denn da steckt viel mehr Wahrheit drin. Und wenn ich dann aus einem traurigen Film aus dem kleinen, dunklen, engen Kino herauskomme, ist es draußen auch dunkel. Dann kann man verheult und schniefend nach einer Zigarette in der Tasche suchen, die sich vielleicht dort noch irgendwo versteckt. Und dann ist alles wieder gut. Das funktioniert im Sommerkino einfach nicht.

Lützschena-Taumel

Nicht nur Himmelfahrt/Männertag bietet sich für eine Landpartie an. Ingrid und ich haben uns letztens wieder in Richtung Lützschena geschraubt. Aber zuerst haben wir uns natürlich ordentlich einen angetrunken, damit wir auf voll

P1060283waren, und zwar 1a. Mit drei acht im Turm sind wir dann zur alten Sternburg-Brauerei getaumelt, aber die war irgendwie nich mehr in Betrieb:

P1060288Dafür haben wir merkwürdige Gesichter dort entdeckt. Oder lag das an unserem Pegel?

P1060290Der absolte Gipfel sind die Giebel von Lützschena:

P1060294Aufmerksamen Betrachtern wird nicht entgangen sein, das in dem unteren Bullauge Richard Wagner steht. Der war auch nicht mehr nüchtern.

Dann sind wir in die Gartenstadt von Lützschena getorkelt. Die Reformarchitektur von ca. 1910 sollte Stadt und Land angenehm miteinander verbinden. Sehr schön. Hicks. Es gibt aber auch noch frühere Siedlungszeugnisse in der Umgebung zu sehen, frühe Asphaltzeit würde ich sagen:

P1060301Die Gartenstadt war damals sicher noch lauschiger. Vielleicht lag es an unserem Rausch, der uns den Blick vernebelte, aber die Häuschen haben doch sehr unter den Modernisierungsmaßnahmen gelitten. In vielen Häusern sind zum Beispiel Haustüren eingebaut, die in ihrem Design an die auf fetzig getrimmten Pullover der DDR-Jugendmode erinnern, die am Ende doch einfach nur hässlich waren, weil aus unmöglichem Material und mit schaurigem Muster. Nur, wenn man nach oben schaut, sieht es noch ein bisschen nett aus:

P1060322P1060324Die Anwohner betrachteten uns denn auch mit gekräuselten Lippen. Es gefiel ihnen gar nicht, dass zwei trunkene Frauen in ihre Vorgärten atmeten und dann wollten sie auch noch wissen, wofür die Fotos wären, die wir machten. Nur dem kleinen Faun am Jungfernbrunnen war alles egal. Er versuchte verzweifelt, seiner Panflöte Töne zu entlocken, Publikum hatte er nicht:

P1060315Da brauchten wir dringend innere Erhöhung, die wir im Bismarckturm fanden:

P1060304Wir stiegen auf die erste Plattform und da mussten wir uns ganz schön festhalten. Und wir fragten uns, was Otto wohl von dieser pragmatischen Formation gehalten hätte. Ist ja eigentlich schön, wenn man alles beisammen hat:

P1060311Na ja, wir ließen es dann gut sein und schliefen in der Landschaft unseren Rausch aus. Es gehört unbedingt zu einem Ausflug, dass man seine Spuren hinterlässt:

P1060325

 

Mein neues Radio-Feature

Seit ich nach Leipzig gezogen bin, wohne ich in der Nähe der Karl-Liebknecht-Straße, mal weiter oben, mal weiter unten. Jetzt durfte ich für MDR FIGARO ein Radio-Feature über diese Straße machen, die schon ein bisschen in die Jahre gekommen und abgehalftert ist, aber dennoch irgendwie charmant.

Hier lässt sich das Feature nachhören:

http://www.mdr.de/mdr-figaro/hoerspiel/feature/adolf-suedknecht-strasse102.html

P1060275

The creepy Hand

Jemand hat mir eine aus Papier gefaltete Hand in den Briefkasten geworfen. Was soll mir das sagen? Was soll ich dazu sagen? Ich finde sie gruslig. Davon abgesehen fasziniert mich auch die filigrane Art der Faltung, die wie skelettiert aussieht.

P1060041 P1060043Die Hand streckt also ihre knochigen Finger nach meiner Post aus. Sie wird enttäuscht sein! Ich bekomme fast nur Rechnungen, andere formale Briefe, langweilige Werbung und hin und wieder Postkarten. Deren Inhalt teile ich gern, sind es doch meist Nachrichten von glücklichen Menschen an schönen Plätzen.

Wie soll ich jetzt mit dem bleichen Händchen verfahren? Gebe ich ihr einen Platz in meiner Spezialitätensammlung oder nehme ich den Wunsch des/der Händefalters/in ernst und lege sie zurück in den Briefkasten? Dort begrabbelt sie dann meine Post. Einsamer Job.

Eigentlich könnte ich manchmal eine dritte, zusätzliche, Hand gebrauchen. Die Frage ist nur, ob sie sich mit meinen anderen Händen versteht und nicht hinten einreißt, was vorne geschaffen wurde.  Das werden wir alles sehen – vorerst willkommen, kleine, bleiche, knochige Hand, ich reich dir meine.

Der Mops

Für mich sehen Möpse alle gleich aus. Gestern aber habe ich einen Mops auf der Straße wieder erkannt. Meine erste Begegnung mit ihm trug sich im Sommer 2014 zu. Da stand ich auf der Wiese auf unserem Spielplatz und sah einen Mops. Er rannte. Er rannte direkt auf mich zu. Ich dachte: kann ja nicht sein. Aber er rannte weiter und voll mit seiner Mopsschnauze gegen meine Wade. Das ergab so ein schmatzendes Geräusch. Ich dachte: Geht’s noch?! Dann hieß es: Sorry, aber der Mops ist blind. Er tobte blind auf der ganzen, riesigen Wiese umher und touchierte nicht nur meine Wade.

Gestern also gehe ich die Straße entlang, hinter mir der Mops mit seinem Herrchen. Und dieser Mops, na ja, er bewegte sich merkwürdig und war kurz davor, wieder meine Wade zu rammen. Und da fiel mir die erste Begegnung wieder ein, und ich fragte: „Tschuldigung, ist das DER blinde Mops?“ Er war es. Sein Herrchen freut sich, dass sein Mops schon bekannt ist. Der Mops ist sehr freundlich, das muss ich sagen. Ich habe ihm gesagt, es macht mir gar nichts, wenn mit seiner nassen Schnauze auch weiterhin gegen meine Waden rennt. Das ist schon in Ordnung.

Das Waffel-Ornament als Schmuck in der Architektur

Immer praktisch. Immer lecker. Immer griffbereit.

P1050973

P1050972

———————————————————————————————————————-

Nachtrag – zwei Tage später: Die Waffel-Ornamentik ist dynamisch, sie verändert sich. Es handelt sich sozusagen um ein organisch-urbanes Element:

P1050974