Noch wegen neues Jahr und so

Das war mal ein kleiner Buchladen in meinem Kiez. Hat lange durchgehalten. Dann gings nicht mehr. Jetzt steht er leer und wartet. Vielleicht kommt noch ne Bäckerkette, noch ein Handyladen oder… Was mir aber jetzt erst aufgefallen ist: die metallene Verzierung vor dem Schaufenster. Ich überlege, ob ich nachts heimlich die Enden der unfertigen Brezeln mit einer Kneifzange zusammendrücke, so dass sie sich in lauter kleine Herzen verwandeln. Herzen bedeuten dann Glück und Liebe, davon kann mein Kiez ne Menge vertragen, zum Beispiel oben im Flüchtlingsheim, aber natürlich nicht nur da. Ich wünsche euch allen ein neues gutes Jahr mit Tschitschi, PomPom und noch besseren Dingen.

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Uwes Mama

Komme ich ahnungslos in die Küche einer Freundin – und wer steht da auf dem Küchentisch? Uwes Mama! Ich habe sie gefunden. Uwe lebt schon seit Jahren bei uns, auf unserem Küchentisch in einem kleinen Eierbecher, das ist er. Jetzt muss ich sehen, wie ich für die beiden Schweine eine Familienzusammenführung organisiere. Das wird sicher sehr bewegend. Ich soll jedoch von Uwe ausrichten, er möchte keine Presse. Es soll eine kleine, private Veranstaltung werden. Ihr habt Verständnis, nicht wahr? Und das ist Uwes Mama, voll elegant, voll gepflegt. Und wie ähnlich sich die beiden sind.

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MEIN König

Unsere kleine gut gelaunte Runde schwappt in ein unbekanntes thailändisches Restaurant – unbekannt, weil wir uns in Regensburg befinden. In dem Restaurant läuft Rockmusik aus den 70er Jahren. Die Wände sind tapeziert mit Mike Jagger, den Doors, Jimi Hendrix und mit einem asiatischen Saxophonspieler. Den kennt keiner von uns.

Wir fragen die Dame, die uns bedient. Kaum ist die Frage ausgesprochen, geht ein Ruck durch die kleine Frau, ihr Gesicht wird ernst, und feierlich sagt sie: „Das ist MEIN König.“ – und entfernt sich prompt. Wir sind platt. Tatsächlich handelt es sich um den Mann auf dem Bild um König Bhumibol von Thailand (1927 geboren), der leidenschaftlicher Saxophonspieler ist.

Später kommt sie noch einmal an unseren Tisch, jetzt nicht mehr so feierlich und bekräftigt, dass wir wissen müssen, dass ihr König ein guter König sei: „Alle Menschen aus Thailand lieben ihn.“ Die Musik, die im Restaurant läuft, verdanken wir aber dem Geschmack ihres Chefs. Der sagt immer zu ihr: „Vergiss nicht, meine Musik zu spielen.“ Der Chef wird sich über unseren Kommentar freuen, beteuert sie.

Wie Blumen heißen

1826 eröffnete der erste deutsche Dahlienzüchter Christian Deegen dank eines Lottogewinns in Bad Köstritz die erste Dahliengärtnerei. Feine Sache! Heute bekommen die Dahlien-Sorten bezaubernde bis dämliche Namen von ihren Herrchen und Frauchen. Sei ihnen gegönnt. Ich glaube, Blumen züchten ist etwas Spezielles, da darf man auch mal über die Strenge schlagen. Aber der Name gleich links unten ist nun völlig daneben.

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Oktobember

Ist man eigentlich offiziell alt, wenn man Herbstimpressionen postet? Aber vielleicht nicht, wenn man diese während eines ca. 20 km-langen Fußmarsches eingesammelt hat. Doch, doch, die Waden schnattern heute noch.

P1060618Forscher nehmen an, dass die Gebrüder Grimm die Settings zu ihren Märchen im Bennewitzer Forst fanden.

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P1060613Möglicherweise erblickest du – werte/r Blogleser/in – in der Ferne Aschenbrödel mit ihrem Schimmel Nikolaus…

P1060623 Im Wachstumsprozess einer Kohlrübe steckt viel Schönes. Wenn es eine ist.

P1060625Da wird selbst dem Himmel blümerant.

P1060628Die Informationstafel ist sprachlos, aber nicht ohne Botschaft.

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Ein Hoch auf die Fleecedecke

Die Fleecedecke hat unschöne Seiten. Erstens, sie müffelt. Eine Fleecedecke scheint sich immer den erstbesten – selbst nur temporär – auftretenden Müffelgeruch zu adoptieren und für immer zu behalten. Deswegen riechen Fleecedecken nie gut. Außerdem sind sie oft elektrisch geladen und entlassen die eben noch eingewickelte Person – ganz sicher mit einer Portion Häme – in die Außenwelt, wo diese dann bei der ersten Berührung einer Türklinke eine gescheuert kriegt. Außerdem knöteln Fleecedecken und…

Aber he! Wer wird denn mit all den schlechten Eigenschaften beginnen? Wo an einer Fleecedecke doch auch viel Schönes dran ist! Sie ist warm. Sie ist nicht aufbrausend. Sie trocknet im Vorbeigehen. Aber das Schönste: Sie kann den Sommer in den Herbst hinüberretten. Indem sie biertrinkende Menschen auf Freisitzen vor dem Wetterumschwung bewahrt. Eingewickelt wie ein Michelin-Monster, unter den Achseln fest fixiert, steigt einem die von unten wallende Hitze bis zur Nase und: Es ist warm, Tendenz steigend. Auch wenn die erste herbstliche Nachtkälte kommt und sich der Tau auf die Fahrradsättel legt – in der Fleecedecke existiert man im Parallelwetter. Und ganz ohne Krach.

Ein Preis! Ein Preis!

Mein Radio-Feature „Industrieruinen: Faszination und Wehmut“ wurde prämiert! Tatsächlich! Und zwar mit, tadaaaa: dem Journalistenpreis des Deutschen Preises für Denkmalschutz! Der „bunt getextete, mitreißend erzählte, aufregend produzierte Radiobeitrag“, schreibt das Nationalkomitee für Denkmalschutz, „spiegelt auf exemplarische Weise die Lebendigkeit ‚toter Denkmale‘ wider“.

Ich freue mich wie verrückt! Dankeschön!

Das Feature lässt sich hier nachhören: http://www.mdr.de/mdr-figaro/hoerspiel/feature/industrieruinen100.html

Katerleben

Sonntagnachmittag. Ich liege auf dem Balkon in lauer Atmosphäre. Alles ist fein. Da klingelt es an der Tür. Eine fremde Frau, aufgeregt:

„Wissen Sie, ob hier jemand eine schwarz-weiße Katze besitzt?“

„Klar“, sage ich. „Das ist meine.“

Die Frau wird noch aufgeregter.

„Die Katze liegt auf einer Mauer. Sie atmet NOCH, aber sie bewegt sich nicht. Gar nicht.“

Meine Laune sinkt von Null auf Hundert in den Keller. Freddy? Möglicherweise angefahren? Sofort gehe ich raus. Draußen steht noch der dazugehörige Mann zu der Frau mit einem kleinen Jungen auf dem Arm. Alle sind sehr besorgt.

Es ist tatsächlich Freddy, der da auf der Mauer liegt. Ich streichele ihn vorsichtig und frage, ob alles in Ordnug ist mit ihm.

Erst passiert nichts. Dann kommt Bewegung in den Fellhaufen. In Zeitlupe strecken sich staatliche Katerpfoten in die Luft, laaangsam, ganz laaangsam setzt er sich auf. Mehr Bewegung geht nicht. Aus schmalen Sehschlitzen schießt er uns genervte Blicke zu. Kann man denn hier nicht mehr ein nachmittagsschläfchen abhalten, sagen sie. Dann folgt ein unglaublich weites Gähnen, die Augen weiterhin auf Halb-Acht.

Ich bin zufrieden und sage: „Was Sie hier sehen, ist gepflegter Müßiggang.“

Mit diesen Worten drehe ich mich zu den Dreien um. Sie starren mich mit aufgerissenen Augen an. Sie sind fassungslos. Sie dachten, dieser Kater wäre halbtot. Sie hätten direkt vor seinem Gesicht geklatscht, und er hätte sich Null bewegt. Sie dachten wirklich, er hätte was.

Tja, denke ich, als ich lachend wieder reingehe: Von Katzen kann man lernen.