Der Mops

Für mich sehen Möpse alle gleich aus. Gestern aber habe ich einen Mops auf der Straße wieder erkannt. Meine erste Begegnung mit ihm trug sich im Sommer 2014 zu. Da stand ich auf der Wiese auf unserem Spielplatz und sah einen Mops. Er rannte. Er rannte direkt auf mich zu. Ich dachte: kann ja nicht sein. Aber er rannte weiter und voll mit seiner Mopsschnauze gegen meine Wade. Das ergab so ein schmatzendes Geräusch. Ich dachte: Geht’s noch?! Dann hieß es: Sorry, aber der Mops ist blind. Er tobte blind auf der ganzen, riesigen Wiese umher und touchierte nicht nur meine Wade.

Gestern also gehe ich die Straße entlang, hinter mir der Mops mit seinem Herrchen. Und dieser Mops, na ja, er bewegte sich merkwürdig und war kurz davor, wieder meine Wade zu rammen. Und da fiel mir die erste Begegnung wieder ein, und ich fragte: „Tschuldigung, ist das DER blinde Mops?“ Er war es. Sein Herrchen freut sich, dass sein Mops schon bekannt ist. Der Mops ist sehr freundlich, das muss ich sagen. Ich habe ihm gesagt, es macht mir gar nichts, wenn mit seiner nassen Schnauze auch weiterhin gegen meine Waden rennt. Das ist schon in Ordnung.

Das Waffel-Ornament als Schmuck in der Architektur

Immer praktisch. Immer lecker. Immer griffbereit.

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Nachtrag – zwei Tage später: Die Waffel-Ornamentik ist dynamisch, sie verändert sich. Es handelt sich sozusagen um ein organisch-urbanes Element:

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Kleinkrieg in der Südvorstadt

Als ich vor ein paar Tagen zu meiner Laufrunde aufbrach, entdeckte ich an einer Baustelle einen Kontainer, auf den hatte jemand Folgendes gesprayt: “Das ganze Haus am besten hier rein!” Da hatte wohl jemand die ganzen weißen viereckigen Klötze satt, die an jeder noch freien Ecke aus dem Boden sprießen. Jede einzelne Freifläche der Südvorstadt, wild bewuchert und unbegehbar oder einfach nur zum Nichtstun einladend, wird mit Ein- und Mehrfamilieneigenheimklötzen zugekleistert. Ich gönne jedem seine vier Wände, aber braucht eine Stadt nicht auch ein paar Unflächen? Unbebaut, ungenutzt, ziellos und ganz ohne Zweck – einfach ein Ort, an dem man stehen bleiben kann und nichts tun muss.

Ich fand den Kommentar auf dem Kontainer witzig und wollte ihn beim nächsten Mal fotografieren – nämlich heute. Aber der Kontainer war anscheinend sofort ausgewechselt worden. Ein Niegelnagerneuer stand da. Aber auch an dem hatte jemand kommentiert:

P1050968Da muss wohl jetzt noch mal ein neuer Kontainer ran, denn Aufschriften scheinen nicht willkommen zu sein. Und das ist ein Verhalten, das ich merkwürdig finde: dieses mir irgendwie widerwärtige, emsige, sofortige Wegputzen von Grafittis. Ich kann schon verstehen, dass Hausbesitzer nicht freudestrahlend schreien: Juchhu, wir sind getaggt! Aber irgendwie muss man doch auch die Kirche im Dorf lassen können.

Denn folgendes beobachte ich seit Monaten: An einer Straßenecke wurde ein Haus saniert mit einem eingezäunten Parkplatz daneben. Das Haus erstrahlte picobello neu und klar, waren bald darauf Tags auf die einladend freie Wand am Parkplatz gesprayt. Sofort wurde alles wieder übertüncht. Und das geht jetzt seit Monaten so: sprayen, malern, sprayen, malern. Dieses Gebaren empfinde ich als überflüssig und spornt nun beide Fronten zu Hartleibigkeit an. Anstatt es bei dem einen Tag zu belassen, wurde inzwischen auch die hölzerne Haustür besprayt. Dann wieder frei gekratzt, wieder getaggt… Inzwischen sieht sie richtig schäbig aus, obwohl sie erst ein Jahr alt ist. Was ist die nächste Stufe? Wird dieser Platz bald videoüberwacht oder von Wachleuten gesichert? .

Vor drei Tagen wurde wieder an der Wand getagt – wollte ich heute festhalten, aber es ist schon wieder geweißelt:

P1050969Vielleicht sollte ich mal was draufschreiben: Leute, macht euch mal locker. Es gibt echt schlimmere Probleme.

Man mag Tags nicht besonders schön finden, aber in einer Stadt hinterlassen nun mal alle ihre Spuren. Andere fahren stinkige Autos, schmeißen Müll überall hin oder belästigen MitstädterInnen mit geistigem Müll. Das muss man dann auch hinnehmen. Und wieder andere stopfen die Kacke ihrer Hunde in kleine Plastiktüten und hängen diese auf die Zweige der Büsche am Wegesrand. Das finde ich viel schlimmer. Und das nimmt übrigens massiv zu und ist auch eine Entwicklung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann: Wieso macht sich jemand die Arbeit und stopft Exkremente in Tütchen und lässt dann die Tütchen überall liegen, sogar im Wald. Die Kacke wär schon längst verschwunden, in der Tüte aber bleibt sie dort ewig liegen. Häh??? Ich versteh euch alle nicht.

Aber ich will ja nun auch nicht zur Meckererin verkommen. Deswegen noch dieses hier, das mag ich, ist noch ein DDR-Relikt, gepaart mit neuen Tags. Sieht doch zusammen nicht schlecht aus:

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Plutsche

Sie war unglaublich flauschig, hatte riesige, sanfte Augen und ein kleines Gewichtsproblem. Deshalb nannten wir sie “Plutsche”. Ihr “Herrchen” hatte auch schon panisch auf ihrem Halsband gewarnt: “Diese Katze hat ein Zuhause, bitte nicht füttern.” Daran hielten wir uns, sie besuchte uns trotzdem gern. Es begann damit, dass sie unglaublich lange auf unserer Balkonbank schlief. Manchmal kam sie auch rein und tat so, als wäre sie wie von Geisterhand auf unserer Couch gelandet. Unser Kater Freddy akzeptierte das irgendwie – sonst duldet er keine andere Fellfresse neben sich. Als es kalt wurde, schlief sie immer noch tagsüber auf unserem Balkon, deshalb baute ich ihr ein Häuschen, was sie zu schätzen wusste. Sie hatte eben ein gemütliches Wesen. Gestern wurde sie in unserer kleinen, stillen Straße direkt vor unserer Haustür überfahren. Irgendein Raser nahm sie frontal. Plutsche rannte gleich in unseren Hof. Dort fiel sie einfach um und starb. Jetzt isse weg und das Häuschen bleibt leer:

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Jahreswechselblues

Es ist wieder vollbracht. Tschüssi 2014, Hallo 2015. Die Straßen versinken in Müll. In meiner Straße geliert im Moment die größte Kotzlache der Stadt. Silvester-Diven hatten ihren Auftritt, nun sind entweder alle Hoffnungen begraben oder es läuft… Die Warnungen vor Schäden lauern gleich nebenan.

Ich wünsche allen ein gutes, neues Jahr. Und wenn ich es sage, meine ich alle. ALLE. Bitte!

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Auch das ist Weihnachten

Mitten in der Woche, morgens 9 Uhr, der Markt ist menschenleer: Eine Kita-Gruppe steht auf der kleinen Bühne des Hallenser Weihnachtsmarktes, merkwürdig heraus geputzt. Die Kinder tragen Papierservietten mit Lochmuster auf den Köpfen, die Servietten hängen mit allen vier Ecken uninspiriert am Kopf herunter, das erinnert ein bisschen an die Großmutter von Rotkäppchen.

Neben den Kindern produziert sich ein unterkühlter Weihnachtsmann, der sie altersgerecht begrüßt mit: “Schön, dass ihr so zahlreich erschienen seid”. Vor der Bühne stehen nur Eltern (wie gesagt, sonst menschenleer) mit superauflösenden Fotoapparaten. Kameras thronen auf Stativen. Tablets werden in die Luft gehalten. So singen die Kinder frierend im Blitzlichtgewitter. Die Eltern knipsen wie die Weltmeister und hauchen sich zwischendurch in die kalten Hände. Dann ist alles ganz schnell vorbei. Auch das ist Weihnachten.