Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 1

21. Januar 2012

Immer im eigenen Stadtteil versauern, ist doof. Deshalb lautet einer der Vorsätze für 2012: Flanieren, und zwar in fremden Stadtteilen. Die Bürgersteige sollen durch unsere Sohlen schreien!

So machte sich unsere flanierwillige Dreiermeute auf in den Leipziger Osten, mit dessen Ruf es ja nicht zum Besten steht. Nun erst recht. Unser Trip war saublöd geplant, denn es gab kalten nassen Schneeregen von oben im 45-Grad-Winkel direkt ins Gesicht und in jede Lücke, die unsere Schals frei ließen. In diesem Dilemma kippte uns die Straßenbahn Nummer 8 auf die Eisenbahnstraße und wir versuchten, wenigstens für eine Stunde das Beste daraus zu machen. Land und Leute zu treffen war natürlich vergebens, denn bei diesem Wetter waren nur Verrückte wie wir unterwegs. Trotzdem, auf dem harten Weg zum Torgauer Platz gab es zwischen ca. 30 Dönerläden und erstaunlich vielen grünen Ecken ein paar Entdeckungen, auf welche die Südvorstadt wohl noch lange warten muss:

So z. B. der Laden des freundlichsten Verkäufers der Stadt (ehrlich!): Hier waren mindestens 20 verschiedene Biersorten in den Regalen nach Marke geordnet und als nach vorn ausladendes Dreieck gestellt. Großartig anzusehen. Ein Mekka für Kronkorkensammler, wie Herr Urz und Herr Schlönske welche sind. Jede einzelne Zahnpastatube wurde hier liebevoll mit achtsamen Abstand drapiert.

Sehr zu empfehlen ist der Eisenbahnladen auf der Eisenbahnstraße. Im Schaufenster steht eine Modelleisenbahnlandschaft… der pure Wahnsinn. Wir haben erst nach fünf Minuten Daraufstarren die etwa 0,5 cm großen Schimpansen entdeckt, die sich an einer Brücke entlang hangelten. Sogar der Tod leibhaftig stand auf einem der grünen Hügel. Geht hin und schauts euch an!

Und jetzt noch ein paar Momente:

Die optimale Bank für alle, die allein bleiben wollen. Wo gibt es schon so viel Individualismus?

Auffällig: Liebevoller Umgang mit leeren Bierflaschen.

Hier wurde nicht etwa Holi (indisches Frühlingsfest der Farben) gefeiert, hier hat sich ein Hauswandverschönerer mit der Farbe verkalkuliert.

Ein Aldi mit einer berrückenden Fassade. Einkaufen mit Stil.

Kunst!

Noch mal Kunst!

Irgendwie auch Kunst.

Der Potsdamer Platz des Leipziger Ostens!

Wenn das Wetter sich bessert, wird der Osten intensiver unter die Lupe genommen.

Wie man Dänisch lernt!

19. Januar 2012

Manchmal bekomme ich aufmunternde Post, die zu meinem Profil passt. So sagt man doch heute? Ich will nämlich auch mal Dänisch lernen. Also wirklich. Nicht nur Hape-Kerkeling-Dänisch. Mit der folgenden Anleitung scheint es zu funktionieren:

Neue Rechtschreibung

Erster Schritt: Wegfall der Großschreibung.
einer sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

zweiter schritt: wegfall der dehnungen und schärfungen.
dise masname eliminiert schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdoplung hat onehin nimand kapirt.

driter schrit: v und ph ersezt durch f / z und sch ersezt durch s. das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und sesmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden.

firter srit: q, c und ch ersest durch k / j und y ersest durch i / pf ersest durch f. est sind son seks bukstaben ausgesaltet, di sulseit kan sofort von nein auf swei iare ferkürst werden, anstat aktsig prosent rektsreibunterikt könen nüslikere fäker wi fisik, kemi, reknen mer geflegt werden.

fünfter srit: wegfal fon ä, ö und ü seiken.
ales uberflusige ist iest ausgemerst, di ortografi wider slikt und einfak, naturlik benotigt es einige seit, bis dise fereinfakung uberal riktik ferdaut ist, fileikt sasungsweise ein bis swei iare.
anslisend durfte als nakstes sil di fereinfakung der nok swirigeren und unsinigeren gramatik anfisirt werden.

….und siehe da, nach fünf Schritten können wir Dänisch. Prima!

A bissel Cat-Content…

13. Januar 2012

… braucht man schon… hin und wieder. Hier mit Tulpen und einem Hauch Paul Newman:

Schaufenster, die fünfte

12. Januar 2012

Is wirklich wahr: Seit fast einem Jahr nun habe ich nicht mehr über das kleine Schaufenster aus der Hardenbergstraße berichtet. Das lag schlicht daran, dass sich dort nicht viel getan hat – einen einsamen Plastikpudel wollte ich meinen Lesern nicht zumuten. Zur Zeit aber gibt es wieder was zu sehen, diesmal sehr gnomwichteligwaldschratig:

Inzwischen habe ich dem Alternativ-Schaufenster eine eigene Kategorie (siehe nebenan im Menü) gewidmet. Ich finde, ein unabhängiges Schaufenster ist vom gleichen Schlag wie eingestrickte Fahrradständer (Guerilla-Stricken) – und daher unersetzlich für ein Stadtbild.

Im Hause Text-Burger reift außerdem eine Idee heran: Herr Urz und ich planen eine Installtion (!), die wir genau in diesem Schaufenster ausstellen wollen. Ha! Aber bis dahin braucht es noch ne Weile.

Weihnachten ist gelaufen

9. Januar 2012

Wer es immer noch nicht glaubt: Hier ist der Beweis. Die Weihnachtsmarktweihnachtsbaumfreude, die Kinderaugen zum Leuchten bringen soll und Hunden das Wasserlassen im urbanen Raum erleichtert, wurde geschreddert. Dann können wir ja jetzt weitermachen. Hat jemand schon ne Idee?

Buchstaben

5. Januar 2012

So oft schreibe ich über Wörter, dabei verdienen Buchstaben genauso viel Aufmerksamkeit. Ich mag Buchstaben, sie sind so vielseitig. Ein B z. B. gibt ein wirklich schickes Gürtel-Model ab. Ein T ist ein Paradies für Hängepflanzen. Und habt ihr schon mal bemerkt, was für Leidenschaft in einem X steckt? Da tanzen Mann und Frau Tango und gerade will er sie umkippen, um sie zu küssen.

Außer mir mögen noch viele andere Leute Buchstaben. Hier gibt’ s einen Typo-Abrisskalender – jeden Tag einen neue Schrift – très chic. Hier kann man alte Buchstaben kaufen, z. B. Lettern, Buchstaben aus Leuchtreclameschildern etc. Und hier in dem Buchstabenmuseum werden die Buchstaben bewahrt. Falls mal welche abhanden kommen und es auch in der Sesamstraße nicht mehr heißt: “Hey du!” – “Wer, ich?” – “Geeenau! Pssst, willst du ein G kaufen?”

Ein neues Jahr

29. Dezember 2011

Nach Weihnachten folgt Silvester, da gibt’ s nichts zu rütteln. Was denkt ihr? Wird 2012 die Welt untergehen? Es rasseln ja derzeit genügend Säbel. Nehmt ihr euch etwas für das neue Jahr vor? Ich will 2012 mehr ins Theater, ich möchte mehr verreisen, Tanzparties organisieren und mehr schreiben. Mal sehen, wie viel ich davon umsetze. Ansonsten finde ich, bin ich schon ganz schön fleißig :-) Das soll auch so bleiben. Nur nicht nachlassen, Judith.

Diesen Rat an mich muss ich auch auf meinen Blog beziehen. Ich glaube, manchmal ist der ganze Kram hier etwas langweilig… An dieser Stelle möchte ich einmal – und das habe ich noch nie getan – ein paar Blogempfehlungen aussprechen. Nur wenige aus meiner großen Blogleseliste, bei denen ich besonders gern vorbei schaue:

Anders anziehen – Den Blog kennt wahrscheinlich sowieso jeder. Aber seit über einem Jahr freue ich mich jedes Mal wie verrückt, auf diese Seite zu gehen und zu schauen, wen Smilla wieder auf der Straße angesprochen hat! Manchmal sind die Geschichten so bewegend, dass ich heulen muss.

Denkding – Pia Ziefle berichtet hier in einem sehr eigenen Stil und vor allem sehr oft über das Internet und seine Chancen. Wenn das Denkding eines nicht ist, dann gedankenlos. Außerdem kommt im Januar Frau Ziefles Debütroman heraus, auf den ich sehr gespannt bin.

Northend – Ich kenne mich mit Fußball überhaupt nicht aus – was ein Abseits ist, begreife ich nie. Das Fußball aber irgendwie eine große Idee birgt, das spürt man bei Northend: Hier gibt es unvergleichliche Impressionen und manchmal kann man fast ein bisschen Angst bekommen. Für das Fußball-EM-Jahr eine willkommene Abwechslung.

Fahrbier – ist ein ÖPNV-Blog. Hier geht es um Fortbewegung und zwar in New York. Eine U-Bahn ist ja fast so etwas wie eine Parallelwelt… Ob wir mit dem City-Tunnel hier bald mitreden können? :-)

Heldenstadt – Unverzichtbarer, täglicher Rundumschlag mit Nachrichten und Links aus Leipzig. Braucht man einfach, wenn man hier wohnt!!!

Berlinessa – noch mal New York, das ist Zufall. Aber die Unbeschwertheit von Berlinessa ist kein Zufall, die ist echt und macht einfach Spaß.

Tofubratwurst – hat keinen Blog, aber einen beeindruckenden Flickr-Account. Wer Urban Exploration mag, findet hier ein Paradies. Aber die Tofubratwurst fängt nicht nur Lost Places gekonnt ein, sondern macht auch faszinierende Porträts von Menschen am Rand der Gesellschaft. Wirklich!

Zum Jahreswechsel grüße ich euch mit ein paar aktuellen Impressionen aus dem Leipziger Auwald. Ist er nicht wunderschön? Wahrscheinlich kannte Peter Jackson den Leipziger Auwald noch nicht, als es für den Dreh von “Herr der Ringe” extra nach Neuseeland reiste. Ts, dabei liegt das Gute so nah.

Ich wünsche euch ein phantastisches neues Jahr!!! Aber so was von!

Frohe Weihnachten

24. Dezember 2011

Liebe Alle, die sich hierher verirren: Ich wünsche euch ein gesegnetes Fest und ein 2012, das echt knorke ist! Was Weihnachten bedeutet, muss ja jeder für sich selbst herausfinden. Es hat was, dieses Weihnachten. Ich merke schon wieder seit etwas zwei Tage, dass ich milde werde :-) Weihnachten ist positiv. Es ist Freude, Neuanfang und auch Traurigkeit. Letzteres kann man deutlich in mancher Weihnachtsmusik hören. Ich schenke euch heute eine Strophe aus einem meiner Lieblingsweihnachtslieder “Wie soll ich dich empfangen”, weil sie so schön und tief ist:

Ich lag in schweren Banden,

du kommst und machst mich los;

ich stand in Spott und Schanden,

du kommst und machst mich groß

und hebst mich hoch zu Ehren

und schenkst mir großes Gut,

das sich nicht lässt verzehren,

wie irdisch Reichtum tut.

Eine neue Buchstabler-Geschichte

20. Dezember 2011

Und wieder ist eine Buchstabler-Werkstatt im Kindergarten “Familiengarten” zu Ende gegangen. Mit Frida, Diana, David, Julius, Matteo, Tim, Tillman und Raphael hatte ich vergnügliche Nachmittage. Wir stellten fest, was für ein schönes Wort KAKAO ist. Wir erfanden die Wörter VIBIZILLI, was etwas Langes, Roten und Scharfes bezeichnet und HALLOPULOPE, was ein neuartiger Willkommensgruß ist.
Natürlich haben wir uns auch eine Geschichte ausgedacht, heraus gekommen ist eine ganz wilde und verblüffende Odyssee:

Die unechte Schatzkarte – eine verwirbelte Geschichte

Es war einmal ein Piratenschiff. Auf dem hatte Kapitän Palifrima das Kommando über 50 Piraten. Und so sah der Palifrima aus: Auf seinem Kopf saß eine Mütze, auf der ein Anker und ein Totenkopf zu sehen war. Im Gesicht trug Palifrima einen langen Bart und seine Hosen waren kaputt. Das kam übrigens von dem Seewetter, denn wenn es oft stürmt und regnet, gehen Hosen schnell kaputt. Sie werden nass und nässer und dabei immer lang und länger und irgendwann tritt man drauf und sie zerreißen.

Palifrimas bester Freund war der Blauwal Otili, das größte Tier, das im Ozean schwamm. Eines Tages schenkte Otili Palifrima eine Schatzkarte, die er im Meer gefunden hatte. Darauf war eine Insel eingezeichnet, die bestand nur aus einem runden, hohen Felsen. Ganz unten im Felsen, direkt auf dem Meeresboden, war ein Schatz versteckt. Palifrima nahm Kurs auf die Insel, um den Schatz zu heben. Aber was Palifrima nicht wusste: Die Schatzkarte war nicht echt. Sie war nur gemalt und ausgedacht – von Julia und Finn.

Julia und Finn wohnten in einem kleinen Haus auf der Spitze einer Steilküste, an deren Fußende direkt das wilde Meer tobte. Bei einem Sturm war die Schatzkarte vom Küchentisch durch das offene Fenster hinaus aufs Meer geflattert, wo sie Otili fand und Palifrima brachte. Julia und Finn hatten natürlich gemerkt, dass ihre Schatzkarte plötzlich weg war, konnten sich das aber nicht erklären. So kochten sie sich einen Pudding und wuschen hinterher gemeinsam das Geschirr ab. Als sie die Dreckbrühe vom Abwasch aus dem Fenster heraus ins Meer schütteten, hörten sie plötzlich ein Furcht erregendes Geräusch. Otili war gerade unter der Klippe entlang geschwommen, als er die olle Puddingbrühe auf den Kopf bekam.

„Seid ihr verrückt geworden?“, fragte Otili empört. Er hatte von weitem den Felsen der Steilküste gesehen und gedacht, es würde sich um die geheimnisvolle Schatzinsel von der Karte handeln. Dank der Abwaschbrühe wusste er nun, dass es der Felsen war, auf dem Julia und Finn wohnten. Die beiden entschuldigten sich bei Otili und fragten bei der Gelegenheit gleich nach, ob er vielleicht ihre Schatzkarte auf dem Meer gesehen habe.

„Die Schatzkarte“, rief Otili! „Na klar, die habe ich Palifrima gegeben.“

„Wer ist Palifrima“, fragten Julia und Finn?

„Na eben Palifirma“, sagte der Wal. „Den kennt man doch!“

Die beiden Freunde fragten Otili, ob er sie zu Palifrima bringen könnte. Er forderte sie auf, in sein Maul zu krabbeln. Im Bauch des Wals war es sehr gemütlich. Es gab einen Fernseher, alte Sessel und alte Boote. Übrigens, wenn man aus diesem großen Walbauch wieder raus wollte, musste man eine lange Alge wie ein Lasso schwingen, so dass sich die Schlinge an einem Zahn des Wals festmachte. Dann konnte man an der Alge wieder rausklettern.

Als Otili mit Julia und Finn bei Kapitän Palifrima ankam, beichteten die Kinder dem Piraten, dass die Schatzkarte gar nicht echt ist. Palifrima war sauer.

„Mensch!“, brüllte er und haute vor Wut so sehr auf den Tisch, dass dieser zerbrach. Aber die Wut dauerte nicht lange, denn Julia und Finn hatten auf der Reise im Bauch des Wals, hinter einem alten Sofa, noch eine andere Schatzkarte gefunden. Darauf war ein Vulkan eingezeichnet, in dem der Schatz versteckt sein sollte. Auf der Stelle segelten Palifrima, Otili, Julia und Finn zu diesem Vulkan.

Wie gut, dass sie so viele waren, denn der Schatz wurde von drei finsteren Gesellen bewacht: von einem Troll, einem Roboter und einem Drachen. Den Troll besiegten die Freunde mit Messern und Feuerpfeilen. Für den Roboter bauten sie aus einem Stückchen Holz und einer Batterie eine Fernbedienung, mit der sie ihn einfach abschalteten. Den Drachen schließlich legten sie herein. Sie erzählten ihm, dass im Meer noch ein viel größerer Schatz verborgen lag und so verließ der Drache den Vulkan, um den anderen, größeren Schatz zu suchen. Die Freunde hatten freie Bahn. Vor Freude stimmten sie ein Liedchen an:

Wir haben gescheuert

Und auch mal gefeuert.

Roboter schalten wir einfach aus

Und gehen danach nach Haus.

Den Troll schießen wir um

Und dann ist er krumm.

Den Drachen haben wir rein gelegt

Jetzt ist die Schatzinsel leer gefegt.

Aber nun holen wir unsern schönen Schatz

Und für alle gibt’s einen dicken Schmatz!

Dann schauten unsere Freunde auf ihre Schatzkarte: Der Schatz lag direkt im Vulkan. Also musste dieser erst einmal gelöscht werden – natürlich mit Meerwasser. Die 50 Piraten von Palifrima bildeten eine Eimerkette und auch Otili leitete mit Hilfe eines Schlauchs, der auf die Fontäne auf seinem Rücken gestülpt war, Wasser in den Vulkan. Bald war der Vulkan gelöscht und Palifrima, Julia und Finn stiegen hinunter. Aber, was war das??? Die Freunde waren nicht wenig erstaunt, als sie lauter Zwerge entdeckten. Tatsächlich lebten in diesem Vulkan 200 Zwerge, die sehr wasserscheu waren und in der Hitze des Vulkans die schärfsten Schwerter der Welt schmiedeten. Dazu benötigten sie allerdings das ganze Gold und Silber aus den Schatzkisten.

Das mussten Palifrima, Otili, Julia und Finn erstmal verdauen: Alles war umsonst gewesen! Kein Schatz wartete auf sie! Aber plötzlich wussten sie, dass es gar nicht mehr auf einen Schatz ankam. Das, was sie gefunden hatten, war ja auch so etwas wie ein Schatz. Die Zwerge baten die Freunde, ihren Vulkan wieder zu trocknen, damit sie weiter leben und ihre Schwerter schmieden konnten. Mit vereinten Kräften pumpten sie das ganze Wasser wieder aus dem Vulkan und eröffneten gemeinsam mit den Zwergen eine Zwergenschule. Im Vulkan konnte man fortan viele Sachen lernen: Häuser bauen, Schwerter schmieden und natürlich auch rechnen, schreiben und lesen.

Nachdem Palifrima, Julia und Finn in der Zwergenschule schreiben und lesen gelernt hatten, schickten sie den Kindern im benachbarten Dorf – dass durch eine Brücke mit dem Vulkan verbunden war – einen Brief. Sie sollten wissen, dass sie jetzt eine tolle Schule hatten, wo sie alles lernen konnten. Dann verabschiedeten sich Julia und Finn von Palifrima und hüpften in den Bauch von Otili, damit dieser sie wieder nach Hause bringen konnte.

In Zukunft besuchten Julia und Finn den Piratenkapitän und sein Schiff 20 Mal im Jahr. Jedes Mal wurden sie dabei von Otili abgeholt und zurück gebracht. Sie brachten Palifrima immer Schokolade, kleine Geschenke und eine Torte mit. Darüber freute sich Palifrima – besonders, wenn er sich beim Schatz-Heben und Plündern mal wieder verletzt hatte. Einmal hatte er sogar eine Schussverletzung in der Schulter und musste sehr lange das Bett hüten. Da war ihm ein Besuch von seinen kleinen Freunden natürlich sehr willkommen. Ein Topf Hühnersuppe wurde gekocht und ein Fest vorbereitet, zu dem natürlich auch die 50 Piraten und die Zwerge aus dem Vulkan eingeladen waren. Diese kamen mit dem Unterwasserzug angereist. Bei jedem Fest, das übrigens immer im Bauch des Wals stattfand, merkten Julia, Finn, Palifrima und Otili, dass es schön ist, wenn man neue Freunde findet. Im Team kann man viel mehr Sachen unternehmen. Und ganz allein würde eine Schatzsuche ja auch überhaupt keinen Spaß machen.

Aufgeflatzt und hingebüpft: Jetzt kommt mein Blogwichtel

11. Dezember 2011

Hier habe ich ja bereits auf die Blogwichtelaktion des Texttreffs hingewiesen. Und heute ist es so weit, mein Blogwichtel hat mir ein Adventsgeschenk gemacht. Mit Wichtel Annette habe ich schon im Wendland (Texttreff-Insider) ein Gläschen geschnasselt und wichtige Gespräche über Positionierung und Corporate publishing geführt. Trotzdem wusste ich es nicht: Dass Annette schon mal in Leipzig gewohnt hat!!!! Annette, ehrlich. Ja, Leipzig, du bringst Leute zusammen, auch wenn du immer wieder ein bisschen schwierig bist und mir Sorgen bereitest. Aber Sorgenfalten weg gewischt, jetzt kommt Annettes Liebeserklärung an Klein-Paris:

Urst scheen!
Ich lese den Text-Burger nicht nur, aber auch deswegen gern, weil Judith aus und oft über Leipzig schreibt. Denn Leipzig himmle ich an, seit ich ein paar Jahre lang dort leben durfte. Es war eine spontane Liebe, die sich gleich beim Antrittsbesuch einstellte. Dann tasteten wir uns ran, und nach einem Jahr zog Leipzig und ich sank hin. Na gut, strenggenommen war der Umzug beruflich veranlasst. Aber er hätte auch nur aus Liebe geschehen können. Bestimmt!

Mittlerweile lebe ich schon seit einiger Zeit wieder im Südwesten, doch Leipzig ist und bleibt meine persönliche Wohlfühl-Stadt. Und das liegt nicht nur an ihrer architektonischen Schönheit, am Bärlauchduft im Auwald im Frühjahr, an der wochenlang geschlossenen Schneedecke im Winter und am Sommerglück an den Seen im Süden, an Kabarett und Musik, an dem vielen Platz, den man überall hat, und an seinen liebenswerten Bewohnern.

Nein, es liegt auch an der Sprache. Ja, ich höre Sie schon ausrufen: „Iiiih, Sächsisch!“ und bekenne trotzdem: Das Leipziger Sächsisch, das mag ich sehr. Nur Unwissende behaupten, Sächsisch sei schrecklich. Kann eine Sprache schrecklich sein, die eine so wunderbare Steigerungsform wie „urst“ hervorgebracht hat? Sätze wie „Das war urst lustig!“ vermisse ich in meiner derzeitigen Wahlheimat entsetzlich. Urst! Das klingt so entschieden, so bestimmt und entschlossen – dagegen kann ich mich einfach nicht wehren. Ein weiteres meiner sächsischen Lieblingsworte ist „Muzeln“ (mit langem U gesprochen), das ich viel entzückender als „Flusen“ finde. Selbst das bildhafte „Staubmäuse“ kann nicht dagegen anstinken. Muuuuzeln. Herrlich. Ich staubsauge nie unterm Bett, nur um täglich an dieses entzückende Wort denken zu dürfen.

Sehr schön finde ich auch diese Gruppe von Verben, die sich mit ihrer Kombination aus „i“ und „l“ in mein Herz geschlichen haben: „ningeln“ und „illern“ – das ist doch viel possierlicher als ihre standardsprachlichen Entsprechungen „jammern“ und „lugen“. Mein Favorit aus dieser Gruppe ist „biehbln“, das man gar nicht mit einem einzigen Ausdruck übersetzen kann, sondern umständlich umschreiben muss: eine komplizierte Arbeit verrichten, z. B. einen Knoten aufmachen oder etwas Winziges, das sich verklemmt hat, wieder entklemmen. Fummeln träfe es vielleicht noch am ehesten, aber das ist durch seine anderweitigen Konnotationen verdorben und kann daher die Mühsal, die mit solchen Tätigkeiten verbunden ist, niemals so vollendet wiedergeben wie „biehbln“: „Isch mussde den Gnodn uffbiehbln!“ Da schwitzt man doch schon beim Zuhören mit!

Gehen wir gleich in die Nachbarabteilung, zur Anatomie: Warum sollte man „Kopf“ sagen, wenn man das sanfte „Nischl“ nehmen kann? Auch viele weitere Körperteile sind auf Sächsisch nett benannt: „Gusche“, „Läffl“, „Flosse“ und „Laadschn“ – das ist doch viel gesprächiger als diese einsilbige „Mund“, „Ohr“, „Hand“ oder „Fuß“. Dabei ist es übrigens wichtig, auf eine weiche Aussprache zu achten – ohnehin die Grundvoraussetzung für den sächsischen Zungenschlag. Beispiel gefällig? Was ist ein schnödes „Ich gehe nach Hause“ gegen ein sanft genuscheltes „Isch mache heeme“? Überhaupt, dieses weiche Nuscheln! Einfach herrlich. Wenn man jemanden um Rat fragt und der murmelt ein sanftes „Weeß’sch ooch nüsch“, dann fühlt man sich doch gleich viel weniger frustriert als bei der zackig-hochdeutsch entgegenschleuderten Nichtauskunft.
Achtung, Selbstversuch: Sagen Sie mal „Weeß’sch ooch nüsch“ und gucken Sie dabei in den Spiegel. Na? Sehen Sie? Da muss man einen Kussmund machen, sonst geht’s gar nicht.
Zum Küssen, dieses Sächsisch! Sag ich doch.

Annette Lindstädt
www.worthauerei.de/blog

Vielen Dank, Annette.