Ein Ausflug zur Freiluftbühne in der Provinz ist anders. Man steht neben Annika, Tommi und Pippi, während Garderobieren falsche Beine hinter die Bühne schleppen. Der dienstälteste Statist, der in dem Hinterteil eines Pferdekostüms steckt, erzählt die merkwürdigsten Geschichten – er ist bekannt dafür, seit Jahrzehnten. Dass er z. B. die beste Freundin von Helga Hahnemann war und damals ihre Grabrede hielt. Dass er öfter Auftritte in Paris hatte und noch in derselben Nacht zu seinen Statistenaufgaben zurückfliegen musste. Natürlich hat er bei Gret Palucca studiert – trotz seiner Gewichtsprobleme. Er ist ein berühmter Mann, das haben nur noch nicht alle gemerkt.
Auch auf dem Rückweg im Zug schlurft ein Typ herein, dessen Geist offensichtlich in weite Gefilde zu mäandern weiß. Er wackelt die ganze Zeit mit dem Kopf und guckt ins Leere.
„Haben Sie gewusst, dass die meisten Kinderschänder Deutschlands aus Schkeuditz stammen?“ – „Wie bitte?“ Alle Fahrgäste rutschen tiefer in die Bank. Die Aussage steht im Abteil und niemand fängt sie auf. Die beiden jungen Leute, die sich hinter mir über ihre internationalen Sprachcamps austauschen und an die der Einwurf gerichtet war, reden sich raus: Da solle man lieber noch mal recherchieren. Als die beiden im Gespräch schließlich den Wannsee erwähnen, ruft der verwirrte Mann:
„Wannsee! Das gefällt mir! Leipzig, Halle – das gefällt mir nicht.“
Selten werden Meinungen so klar benannt. Als der Schaffner umständlich eine online-gekaufte Fahrkarte kontrolliert, faselt er etwas vom teuer gewordenen DHL-Porto.
Jeder muss in seiner eigenen Welt leben. Irgendwann.
Wir bestiegen an diesem Tag todesmutig die Seilbahn und schwebten sanft, aber verkrampft nach unten schauend, über den Harz:

































