Archiv für die Kategorie „Menü des Tages“

Die Bühne des Lebens

Mittwoch, 15. Mai 2013

Ein Ausflug zur Freiluftbühne in der Provinz ist anders. Man steht neben Annika, Tommi und Pippi, während Garderobieren falsche Beine hinter die Bühne schleppen. Der dienstälteste Statist, der in dem Hinterteil eines Pferdekostüms steckt, erzählt die merkwürdigsten Geschichten – er ist bekannt dafür, seit Jahrzehnten. Dass er z. B. die beste Freundin von Helga Hahnemann war und damals ihre Grabrede hielt. Dass er öfter Auftritte in Paris hatte und noch in derselben Nacht zu seinen Statistenaufgaben zurückfliegen musste. Natürlich hat er bei Gret Palucca studiert – trotz seiner Gewichtsprobleme. Er ist ein berühmter Mann, das haben nur noch nicht alle gemerkt.

Auch auf dem Rückweg im Zug schlurft ein Typ herein, dessen Geist offensichtlich in weite Gefilde zu mäandern weiß. Er wackelt die ganze Zeit mit dem Kopf und guckt ins Leere.

„Haben Sie gewusst, dass die meisten Kinderschänder Deutschlands aus Schkeuditz stammen?“ – „Wie bitte?“ Alle Fahrgäste rutschen tiefer in die Bank. Die Aussage steht im Abteil und niemand fängt sie auf. Die beiden jungen Leute, die sich hinter mir über ihre internationalen Sprachcamps austauschen und an die der Einwurf gerichtet war, reden sich raus: Da solle man lieber noch mal recherchieren. Als die beiden im Gespräch schließlich den Wannsee erwähnen, ruft der verwirrte Mann:

„Wannsee! Das gefällt mir! Leipzig, Halle – das gefällt mir nicht.“

Selten werden Meinungen so klar benannt. Als der Schaffner umständlich eine online-gekaufte Fahrkarte kontrolliert, faselt er etwas vom teuer gewordenen DHL-Porto.

Jeder muss in seiner eigenen Welt leben. Irgendwann.

Wir bestiegen an diesem Tag todesmutig die Seilbahn und schwebten sanft, aber verkrampft nach unten schauend, über den Harz:

P1040072

Verhaltenstraining

Montag, 8. April 2013

Joggen im Auwald kann bedeuten, zwei Seelen auf einmal glücklich zu machen. Die erste Glückliche ist die Joggerin (ich). Die zweite glückliche Seele ist womöglich ein wildfremder Hund. Wenn sich Jogger und Hunde richtig aufeinander einstellen, können beide nur gewinnen.

Viele Hundebesitzer sind im Wald unterwegs. Wenn sie von weitem einen Jogger sehen, bleiben sie stehen und bedeuten ihrem Hund, sich hinzusetzen. Das passiert anscheinend nur, um die Sicherheit der Rennenden zu wahren, denn so mancher Vierbeiner verspürt mitunter große Lust, sich zwischen verschlammte Joggerbeine zu stürzen und jegliche Bewegungsabsichten mit einem Biss zu zerstören. Der Hund muss sich also setzen und wenn er das gut macht, fasst Herrchen oder Frauchen in die Jackentasche, zückt ein Leckerli und befördert dies in den bereits geöffneten Schlund des Hundes. Mittlerweile ist der Jogger vorbei gerannt und Hund und Besitzer gehen brav weiter.

Genauso habe ich es unlängst wieder beobachtet. Als ich aber Hund und Besitzer auf der Rennrunde das zweite Mal an diesem Tag begegne, passiert Folgendes: Der Hund sieht mich, setzt sich automatisch hin, guckt sein Herrchen an und reißt sein Maul auf. Denn Jogger von vorn heißt – so hat er gelernt: Leckerli aus der Jackentasche. Der Hundebesitzer muss sich fügen. Gern geschehen, denke ich und renne weiter.

Nur mal so gesehen: Alte Holzbrücke

Mittwoch, 3. April 2013

Da die Wetterlage jede Stadterkundung zunichte macht, heute eine kleine Impression vom thüringischen Rande. Wer den Film “Die Brücken am Fluss” gesehen hat und um die heftigen Emotionen zwischen Clint Eastwood und Meryl Streep weiß, kennt auch diese überdachte Holzbrücke aus dem Film, bei der alles begann. Eastwood will sie für einen Bildband fotografieren.

Wenn Streep und Clintwood geahnt hätten, dass genauso eine seltene Brücke im beschaulichen Wünschendorf in Thüringen steht und immer noch benutzt wird! Ja, ja!

Der erste Bau dieser Brücke unterhalb des Veitsberges stand im 13. Jahrhundert. Die heutige Konstruktion stammt aus dem Jahr 1786. 72 Meter lang und 4,70 Meter breit thront sie über der Elster und hält selbst den Autoverkehr mühelos aus. Ansonsten ist sie ein echtes Schmuckstück. Und das ist sie – von außen:

P1030944

Und so sieht sie von innen aus:

P1030923

Zwei kleine Details – eine eingesponnene, nette Lampe und der Blick durchs Spundloch, raus auf die Elster und Umgebung.:

P1030949P1030948

 

 

 

 

 

 

 

Fazit: sehr lauschig. Wer selbst zur “Brücke am Fluss” will, kann sich außerdem in unmittelbarer Nähe beschauen: die Veitskirche – die älteste Kirche Thüringens, den Märchenwald, die Gondelstation und Klosterruinen. Runde Sache für einen Ausflug. Fehlt nur noch der Frühling…

Nächtliches Taxigeplauder

Montag, 18. März 2013

Nachts unterwegs nach Hause von der rauschenden UV-Lesung im Rahmen der Buchmesse. Es fühlt sich an wie die kälteste Nacht des Jahres. Logischerweise hechte ich auf das erste Taxi zu, das am Horizont leuchtet. Taxi hält an, Tür geht auf, Taxifahrer bestürzt: “Ich nicht kann, gerade eben Auftrag angenommen.” – “Ach so”, sag ich. – Sagt er: “Nehm ich dich mit bis Ende Straße, guckst du, ob neues kommt.” – Ich: “Echt!?”

Im Taxi. Der Taxifahrer erzählt, dass er einmal einen Gast abholen musste, der im “Immer gut leben” war. (Anmerkung: Er meinte das: “Noch besser leben”) “Was ist das für Name”, denkt er laut. “Immer gut leben, funktioniert nicht, jedenfalls nich mit Glück. O. k., wir sind gesund und alles, aber Glück… nicht immer da. Wenn Glück kommt, muss man festhalten, weil sonst dauert Jahre, bis Glück kommt.” – “Doof ist nur, dass man nicht immer weiß, ob es jetzt das Glück ist, was man festhalten soll”, gebe ich zu bedenken. Als ich aussteige, wünsche ich ihm viel Glück.

Nach fünf Minuten Fußmarsch auf verharschten, spiegelglatten Wegen, kommt das nächste Taxi. Diesmal ein älterer Herr. Im Radio läuft ein Schlager. In dem Lied geht es um Liebe. Irgendjemand will anfangen zu lieben oder immer noch lieben, wenn der Winter vorbei ist. Der Taxifahrer und ich gucken uns an. DA BRAUCHT MAN DIESEN WINTER GEDULD, sind wir uns einig. Ich kenne mich mit den Assoziationsketten der Taxifahrer nicht aus, aber sofort kommt er auf Japaner zu sprechen. Japaner seien sehr geduldig: “Die ham die Ruhe wech.” Und wieder ein Assoziationssprung. “Japaner essen Kugelfische. Lebend. Da weiß der Kugelfisch noch nicht, dass er stirbt, da wird er schon gegessen. Aber irgendwann erwischt es einen. Weil die sind ja giftig.” Das sagt der Taxifahrer ganz ohne Häme. So ist das eben, essen und gegessen werden, töten und getötet werden. Und zwischendurch warten wir, ob das Glück vorbei kommt.

 

Momentaufnahme

Dienstag, 22. Januar 2013

Spätabends im dunklen Zimmer an der warmen Heizung lehnend, sieht man draußen in der schneeweißen Kälte die Hundeomas vorbei trappeln. Mit gebeugtem Rücken, die Hundeleine ums Handgelenk gewickelt, schiebt eine ihre Füße mühsam vorwärts. Rauchwölkchen entfliehen dem hoch geklappten Mantelkragen. Geduldig wartet sie, bis der Hund zu Ende geschnobert und sein Geschäft erledigt hat. Mit ein paar unerwartet geschickten Fußgriffen versteckt die Hundeoma ohne mit der Wimper zu zucken – geradezu eiskalt – den Kackhaufen unterm Schnee. Sie beobachtet alles, was in ihrem Gesichtsfeld liegt. Sie guckt nicht freundlich. Da kommt ihr ein junges Paar entgegen, es geht vorbei und der eine streift sie, nur wenig. Plötzlich bleibt das Paar stehen, dreht sich um. Beide schauen die Hundeoma an, gehen dann schnell weiter. Die Hundeoma starrt ihnen mit schief geneigtem Kopf lange hinterher. Den kurzen Wortwechsel konnte ich nicht hören. Aber es schien etwas vorgefallen zu sein. Ob diese Begegnung im Sommer lauter gewesen wäre?

Herr Wosche in der Gecko

Donnerstag, 3. Januar 2013

Endlich ist so weit: Mein “Herr Wosche” – der es bei dem Gecko-Autorenwettbewerb auf den 2. Platz schaffte – ist nun veröffentlicht worden! Dass ein Illustrator Bilder zu meinem Text beisteuert, erlebe ich zum ersten Mal. Ist merkwürdig, wenn man das Heft aufschlägt und seine Geschichte mit Bildern sieht – als wäre es ganz selbstverständlich, schon immer da gewesen. Ich finde, Christoph Kirsch hat Herrn Wosche und auch den Riesen wunderbar getroffen. Demnächst kann man auf der Website von Gecko sicher in das neue Heft hineinblättern.

P1030773

Die aktuelle Ausgabe von Gecko kann man im Internet bestellen – hier – oder in ausgesuchten Buchhandlungen kaufen. Ich möchte ausdrücklich Werbung machen für diese Kinderzeitschrift ganz ohne Werbung. In jeder Ausgabe sind 3 liebevoll bebilderte Geschichten von renommierten sowie unbekannten Autoinnen und tolle Sachen wie Wortsport, Fremdwörter, ein Experiment, ein Suchbild und vieles mehr.

Winter – wenigstens hier im Blog:

Freitag, 21. Dezember 2012

P1030670

Graureiher mit Ente:

P1030678

Kreisrunde Löcher:

P1030664

Weite:

Schnee 4

Bepudertes Licht:

P1030662

Liebe Leserinnen und Leser! Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest. Einfach nur schön, weil mehr als schön geht ja nicht. Das neue Jahr aber soll fulminant werden. Es wird Neuigkeiten geben und Veränderungen, das liegt in der Luft. Das muss einfach so sein! Ich wünsche euch ein gutes Jahr. Und gut – das ist eigentlich noch besser als schön.

Pia Ziefle ist mein Blogwichtel

Montag, 26. November 2012

Texttreff Blogwichteln 2011

Vorweihnachtszeit ist auch Blogwichtelzeit. Letztes Jahr bewichtelte mich Annette Lindstädt mit einer Ode an den sächsischen Dialekt. Das geschah im Rahmen der Texttreff-Blogwichtelaktion. Auch dieses Jahr bebloggen sich die wortstarken Frauen gegenseitig. Die Beiträge kann man auf dem TT-Blog verfolgen, der steht in meiner Blogroll.

In diesem Jahr freue ich mich besonders über den Wichtel, der mir per Los zugeteilt wurde. Es ist die Schriftstellerin Pia Ziefle, deren unglaublich schön erzähltes Romandebut “Suna” ich im März  hier besprochen habe. Pia hat einen Moment beschrieben, der in einem wunderbaren Wort gipfelt:

 
Augenklavier

“Kommst du”, sagt das Kind,
und legt sich die Regenhose über den Arm,
denn das ist Vorschrift im Kindergarten,
Regenhose bei Regen, und auch bei Sonnenschein,
denn es könnte ja Regen geben.

Zumindest “in Reichweite haben”
sagt das Kind,
“in Reichweite” klingt doch nicht schlecht.
Für den Fall dass, sagt man hier,
und das ist ein vollständiger Satz,
ist das eigentlich Süd-Deutsch?

“Kommst du”, sagt das Kind
und schiebt die Brotdose in den Kindergartenrucksack,
die Brotdose nie neben den Tee,
der noch warm ist
und das Brot bis zur Vesperzeit handwarm werden lässt,
so dass das (verbotene) Nutella davonfließt
und (erlaubte) Gurke so labberig wird.

“Ich komm gleich”, sage ich aus dem Bad,
den Ventilator übertönend,
und denke mir dabei,
der war aber schonmal leiser,
muss ich nachher bei den Stadtwerken vorbeigehen,
die sind bei uns zuständig
für die Ventilatoren in den Badezimmern und Gästetoiletten
der Reihenhäuser unserer Straße.

“Was machst du da drin?”, fragt das Kind,
und klopft an die offenstehende Tür,
weil es so gern “Herein!” hören will
und sowieso bei jeder Gelegenheit anfängt zu spielen.

“Herein!”, sage ich,
und es klingt etwas verzerrt,
weil ich versuche,
mich unfallfrei rasch zu schminken,
obwohl ich die Jacke schon anhabe,
die dick ist, weil draußen nur noch 2 Grad sind.

“Oh”, sagt das Kind,
als ich fertig bin und vorsichtig in den Spiegel blinzle,
“oh, bist du fertig mit dem Augenklavier?”

“Augenglasur!” sagt da das Kind,
als ich es ungläubig anschaue,
und ja! da wird mir klar, was es meint, natürlich,
Augenklavier, das ist Wimperntusche,
denn Tusche
wie Glasur
wie Klavier -
und geklimpert
wird schließlich mit beidem.

Pia Ziefle

Gestalten

Samstag, 13. Oktober 2012

Ein Tag mit 150% November, aschgrau und Regen. Ein durchnässter, verwirrt aussehender Mann springt in letzter Sekunde, bevor sich die Türen schließen, in die Bahn. Mit dem Stoffbeutel zwischen den Knien gurrt er leise “Huppeneihui, huppeneihui, huppeneihui”. Huppeneihuis Ruf erschallt oft entlang der Karl-Liebknecht-Straße. Ich erlebe Huppeneihui meist fröhlich und laut. An diesem Regentag aber hatte es offensichtlich auch ihm die Stimmung verhagelt. Huppeneihui ist einer der Gestalten, deren Geist Schiffbruch erlitten hat. Seitdem ist er am Schwimmen und sucht ein Ufer.

Wen ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe, ist die geschminkte Frau mit der Perücke. Ich glaube, sie ist (war?) sehr traurig. Angetrunken und extrem stark geschminkt, wankte sie früher oft an den Straßenbahnhaltestellen entlang und schimpfte, meistens auf Männer. Sie weinte und ballte ihre Fäuste drohend in die Luft, sagte Dinge wie: “Ihr werdet schon sehen” oder “Scheiß Kerle”. In der Zeit, als ich in einem Lokal auf der Karli kellnerte, hatte sie eines Tages offenbar Probleme mit anderen Bewohnern bekommen. Sie stand weinend vor der Tür, stammelte angstvoll wirres Zeug und rannte dann weg. Als ihre Verfolger kamen, haben wir sie in die falsche Richtung geschickt.

Wer immer regelmäßig ins Lokal kam, war Mohscher. Weißhaarig und immer ordentlich gekleidet, und auch ziemlich verwirrt. Bei uns bekam er stets ein großes Glas Wasser mit Eiswürfeln und Zitrone. Mohscher hatte manchmal den Schalk im Nacken. Einmal schleppte er eine alte Fotografie bei sich. Darauf war eine Gruppe Frauen abgebildet. Wir mussten zeigen, welche die Schönste ist. “Aber wirklich die Allerschönste”, betonte Mohscher. Es war ihm ernst. Zum Glück war die Aufgabe nicht so schwer, man konnte gut sehen, wer auf dem Bild eine echte Schönheit war. In welcher Beziehung Mohscher zu der Schönen stand, hat er uns nicht verraten. Den besten Auftritt hatte Mohscher, als ich einmal mit meiner Großmutter, die mich in Leipzig besuchte, die Karli entlang spazierte. Mohscher kam zu uns und erklärte, er sei mit mir verheiratet. Meine Großmutter lächelte, schüttelte sanft den Kopf und erwiderte, sie denke, dass sei nicht wahr. Mohscher hatte wie ein Honigkuchenpferd gegrinst. Zwischendurch habe ich ihn lange nicht gesehen, aber vor etwa einem Jahr marschierte er zackigen Schrittes die Straße entlang. Er sah aus wie immer.

Marschierenderweise kennen aufmerksame Stadtgänger vor allem den “General”. Vollbärtig, mit irrem Blick und mit einer eigentümlichen Gangart, an welcher die Jungs von Monty Python ihre helle Freude gehabt hätten, gehört er zu den Gestalten, die am häufigsten auf der Karli hin und her flanieren. Der General grüßt meist freundlich und ist dem Bierchen stark zugetan. Er freut sich, wenn man ihm dann und wann eines spendiert. Wie Mohscher ist der General immer der Jahreszeit entsprechend angezogen, sauber und stinkt nicht. Ich denke daher, dass er ein Heim hat, wohin er abends zurück kehrt.

Das gilt wohl auch für den Schnorrer. Er steht meist in Nähe Volkhaus auf dem Gehweg und spricht jeden Vorbeikommenden an, ob er nicht zwei Euro für ihn habe. Mich hat er bestimmt schon 76 Mal gefragt. Früher tischte er immer noch die  Geschichte auf, ihm fehlten noch genau zwei Euro für ein Busticket. Ich habe ihm noch nie Geld gegeben, weil mir zwei Euro echt zuviel sind. Ich glaube auch nicht, dass er das Geld dringend braucht, denn wer auf das Betteln angewiesen ist, würde taktisch klüger vorgehen, vermute ich. Der Gesichtsausdruck des Schnorrers ist auf andere Weise verwirrt als z. B. das von Huppeneihui, irgendwie stumpfer und stupider.

Diese Gestalten gehören zum Stadtbild, sie bleiben sich treu. Niemand weiß, wie es bei ihnen angefangen hat. Man sieht nur das Ergebnis.

Übrigens, bei Tofubratwurst in meiner Blogroll gibt es eine Sammlung von Porträts von Gestalten und anderen Menschen, die an unterschiedlichen Rändern leben. Die “Street Porträts” sind großartige Aufnahmen, die unter die Haut gehen. Der General ist auch dabei.

Auflösung der Saftkralle

Montag, 1. Oktober 2012

In diesem Posting hier: http://text-burger.de/?p=1334 hatte ich den Begriff der “Saftkralle” versteckt und erwähnt, dass nicht mal Google ihn kennt. prochaine arret kommentierte dann mit “Google … Saftkralle … 1 Ergebnis (0,27 Sekunden) … … text-burger.de/?tag=saftkralle” und erbat sich mehr Infos über das Wundergerät. Und hier kommen sie:

Das ist die Saftkralle, die es schon/noch gibt. Peter vom Ökolöwe Umweltbund Leipzig e.V. besitzt sie seit ca. 15 Jahren. Damals hieß das Ding “Wasserkastenträger” und wurde durch den ADFC vertrieben. Die kleine Metallvorrichtung „krallt“ sich an die Gepäckständer von nahezu allen Fahrrädern und ermöglicht so mühelos den Transport von zwei oder sogar drei Flaschenkästen. Dummerweise wird diese Vorrichtung schon lange nicht mehr hergestellt. Dabei ist sie so praktisch! Peter transportiert mit ihr mühelos gleich 2-3 Kästen des Ökolöwen-Bio-Apfelsaftes (aus den Äpfeln der Ökolöwen-Streuwiesen in Leipzig) auf seinem Fahrrad. Die Kästen werden einfach links und rechts eingehängt wie auf diesem Bild:

Es müssen immer zwei Kästen transportiert werden, weil sonst das Gleichgewicht nicht hinhaut. Ich habs gleich geübt. Auch beim Be- und Entladen ist Sorgfalt gefragt. Aber dann funktioniert es problemlos.

Und was soll das Ganze, wenn es das Ding eh nicht mehr gibt, werdet ihr euch fragen? Tada!!! Peter hat gerade mit der Metallwerkstatt der Diakonie in Reudnitz Thonberg gesprochen. Die stellen jetzt erst einmal einen Prototypen her, denn Peter hat ne Menge Verbesserungsvorschläge für die Saftkralle eingeplant. Sie soll so konstruiert werden, dass sie auf dem Gepäckträger weiter nach hinten lagert. Dann kommt sie sich auch nicht mit ausladenden Fahrradsatteln in die Quere. Ebenso müssen die Haken an den Seiten verlängert werden, damit die Flaschenkästen auf dem Leipziger Kopfsteinpflaster nicht aus der Vorrichtung springen.

Bleibt nur noch die Sache mit dem Namen. Wird der Träger Saftkralle heißen? Eigentlich kann er ja viel mehr als Saft transportieren. Er hat auch ein Herz für Bier-, Wasser- oder Limokästen. Und er macht Menschen ohne Auto mobiler und damit glücklicher. Also macht die Saftkralle die Welt ein kleines Bisschen besser.

Hier fährt er, der Peter, dem Flaschenkästen-Fahrrad-Happy-End entgegen: