Archiv der Kategorie: Plunderstücke

„Mutterflammenlichtblau“

In der Alten Nationalgalerie in Berlin habe ich ein neues Wort gelernt: Mutterflammenlichtblau. So nannte August Kopisch die Farbe, mit der malte. Er hatte auch noch Chrysograsbrillantfeuergrün auf der Palette. Die Farben brauchte zum Beispiel, um die Blaue Grotte auf Capri zu malen, die er gemeinsam mit zwei anderen Freunden entdeckte! Die Entdeckung der Blauen Grotte gilt als Endpunkt der Romantik, Novalis hatte wohl noch von ihr geträumt, Kopisch fand sie einfach so. Der Herr Kopisch war ein interessanter Typ, seine Bilder sind ein bisschen wie auf Droge. Und dichten konnte er auch - sein Nachname war mir daher geläufig. Als ich Kind war, erzählte mir meine Großmutter Börries Freiherr von Münchhausens Geschichte vom "alizarinblauen Zwergenkind", in der ein ausgebüchster Zwerg ein Bad in einem Tintenfass nimmt. Es heißt dort: Da kommt doch diese Nacht / Ein kleinwinzig Zwergenkind / Aus dem Bücherspind / Hinter Kopischs Gedichten hervor / Und krebselt an meinem Schreibtisch empor... und so weiter. Komisch, Kopisch, kenne ich!

Ein Hoch auf die Fleecedecke

Die Fleecedecke hat unschöne Seiten. Erstens, sie müffelt. Eine Fleecedecke scheint sich immer den erstbesten – selbst nur temporär – auftretenden Müffelgeruch zu adoptieren und für immer zu behalten. Deswegen riechen Fleecedecken nie gut. Außerdem sind sie oft elektrisch geladen und entlassen die eben noch eingewickelte Person – ganz sicher mit einer Portion Häme – in die Außenwelt, wo diese dann bei der ersten Berührung einer Türklinke eine gescheuert kriegt. Außerdem knöteln Fleecedecken und… Aber he! Wer wird denn mit all den schlechten Eigenschaften beginnen? Wo an einer Fleecedecke doch auch viel Schönes dran ist! Sie ist warm. Sie ist nicht aufbrausend. Sie trocknet im Vorbeigehen. Aber das Schönste: Sie kann den Sommer in den Herbst hinüberretten. Indem sie biertrinkende Menschen auf Freisitzen vor dem Wetterumschwung bewahrt. Eingewickelt wie ein Michelin-Monster, unter den Achseln fest fixiert, steigt einem die von unten wallende Hitze bis zur Nase und: Es ist warm, Tendenz steigend. Auch wenn die erste herbstliche Nachtkälte kommt und sich der Tau auf die Fahrradsättel legt – in der Fleecedecke existiert man im Parallelwetter. Und ganz ohne Krach.

Der Mops

Für mich sehen Möpse alle gleich aus. Gestern aber habe ich einen Mops auf der Straße wieder erkannt. Meine erste Begegnung mit ihm trug sich im Sommer 2014 zu. Da stand ich auf der Wiese auf unserem Spielplatz und sah einen Mops. Er rannte. Er rannte direkt auf mich zu. Ich dachte: kann ja nicht sein. Aber er rannte weiter und voll mit seiner Mopsschnauze gegen meine Wade. Das ergab so ein schmatzendes Geräusch. Ich dachte: Geht’s noch?! Dann hieß es: Sorry, aber der Mops ist blind. Er tobte blind auf der ganzen, riesigen Wiese umher und touchierte nicht nur meine Wade. Gestern also gehe ich die Straße entlang, hinter mir der Mops mit seinem Herrchen. Und dieser Mops, na ja, er bewegte sich merkwürdig und war kurz davor, wieder meine Wade zu rammen. Und da fiel mir die erste Begegnung wieder ein, und ich fragte: „Tschuldigung, ist das DER blinde Mops?“ Er war es. Sein Herrchen freut sich, dass sein Mops schon bekannt ist. Der Mops ist sehr freundlich, das muss ich sagen. Ich habe ihm gesagt, es macht mir gar nichts, wenn mit seiner nassen Schnauze auch weiterhin gegen meine Waden rennt. Das ist schon in Ordnung.

Das Waffel-Ornament als Schmuck in der Architektur

Immer praktisch. Immer lecker. Immer griffbereit. P1050973 P1050972 ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Nachtrag - zwei Tage später: Die Waffel-Ornamentik ist dynamisch, sie verändert sich. Es handelt sich sozusagen um ein organisch-urbanes Element: P1050974