Archiv für die Kategorie „Plunderstücke“

Situationskomik

Montag, 25. März 2013

Ein Tag in der Toskana-Therme bringt merkwürdige Momente mit sich. Da sitzt man bis zum Hals in einem Whirlpool-Kochtopf im Kreis mit lauter älteren Leuten. Bärtige Gesichter und wild bewachsene Nacken: links von mir ein einzelner Mann, rechts von mir ein stummes Paar. Alle schauen mit hängenden Wangen in die Mitte. Das Wasser sprudelt wie wild und brandet Tropfen in die regungslosen Gesichter. Dampf steigt auf. Da kommt mir das Bild der Japan-Makaken in den Sinn. Die Schnee-Affen sitzen in den eiskalten Bergen von Honshu im warmen Thermalwasser und starren genauso in die Landschaft, während der Schnee im Haupthaar gefriert. Ich kriege den Lachanfall meines Lebens. Weil das Wasser so laut brodelt, ist mein Gegacker nicht zu hören. Mein lachverzerrtes Gesicht dagegen ist deutlich sichtbar. Ich muss so sehr lachen, dass auch meine Begleitung angesteckt wird, obwohl sie von meinen Assoziationen nichts weiß. Wir sitzen noch mehr bebend als vom Whirlwasser ohnehin schon durch geschüttelt und lachen und lachen. Die Makaken neben uns tun so, als wäre nichts passiert. Irgendwann sehen sich die beiden gegenüber sitzenden Männer  an. An dem Blick lässt sich beim besten Willen nicht ablesen, was sie von der Situation halten.

P.S. Ein bisschen Dr. Klöbner und Herr Müller-Lüderscheid und eine Ente, die endlich zu Wasser gelassen werden soll, stecken auch in dieser Situation. Hihi, was für ein Spaß.

Schon wieder?

Donnerstag, 28. Februar 2013

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Gute alte Zeiten

Donnerstag, 21. Februar 2013

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Ich gehöre ja zur Generation, die jahrelang von Musikkassetten begleitet worden ist. Zur Jugendweihe mit 14 Jahren schlug das Fieber meistens zu. Denn da bekam man in der Regel seinen ersten Kassettenrekorder geschenkt und die ersten Kassetten. Eine Kassette kostete damals ca. 20 Ostmark und war ein begehrtes Objekt.

Ich bekam mit 14 den Westrekorder meiner Großmutter vermacht und eine kostbare Westkassette. Ganze Abende hing ich vor dem Radio, um bei der Hitparade des “Feindsenders” NDR ein paar begehrte Fetzen zu ergattern. Immer wieder überspielte ich diese eine Kassette. Grauenhaft unsaubere Übergänge reihten sich aneinander. Erst brüllte Franky goes to Hollywood “Rage heart”, dann flöteten mittendrin Bananarama “Robert de Niro is waiting in…” und a-ha flehten “Take on me”.  Zwischendurch hörte man das Leiern, wenn ich den Aufnahmeknopf zu langsam herunter gedrückt hatte. Das war egal, Hauptsache, man hatte den Refrain drauf. Dann spielte ich meiner Großmutter mit leuchtenden Augen das Duett von Pierre Cosso und Bonnie Bianco aus “La Boum” vor und rief heiser: “Hörst du es, sie singen ‘Judith’!” Haben sie natürlich nicht gesungen, sonder “you did”, aber ich hatte ja kein Englisch in der Schule.

Ein Quantensprung war dann die Zeit, als man nicht mehr Kassette sagte, sondern ganz lässig: Tape. Und Mix-Tapes waren ganz großes Kino:

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In meiner eingestaubten Kassetten-Kiste fanden sich noch ein paar Exemplare mit klangvollen Namen wie “Juli-Tape” oder ganz unmissverständlich: “Dieses & Jenes”! Kultstatus genießen die Tapes namens “Zündspulenheizer”, Teil 2 fehlt übrigens. Der Name Zündspulenheizer war an den legendären Leipziger Club der frühen 90er Jahre angelehnt: die “Zündspule”. Nächtelang hatten wir uns dort die Seele aus dem Leib getanzt. Eine großartige Zeit! Im Freundeskreis kursierten außerdem noch Geschöpfe namens “Coole Scheiße” und “Musik für Freunde”. Und wie habt ihr eure Mix-Babies so getauft?

Reklame

Sonntag, 17. Februar 2013

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Alte Schriftreste an Häuserecken – früher florierte hier sicher einmal ein Laden. Ich liebe es, wenn solche Spuren selbst nach der Sanierung stehen bleiben. Sieht wunderschön aus.

Wie einfach früher die Aufmerksamkeit zu erringen war. Allein der Hinweis, dass es hier Kaffee, Kakao und Tee in groß und klein gab, hatte Käufer angezogen, bzw. informiert.

Heute muss da schon ein bisschen mehr kommen. Kaffee sollte am besten im Angebot sein, aus dem Hochland stammen, raffiniert veredelt und mit seltenen Bohnen versetzt sein und natürlich das Qualitätsversprechen des Herstellers erfüllen. Auch wenn es vielleicht gar nicht stimmt. Am Ende ist der beste Kaffee, den man kriegen kann, kompetenter Kaffee :-) .

Unser Schatz

Donnerstag, 7. Februar 2013

Die Ferienzeit eignet sich bestens, alte Schätze hervor zu kramen. So haben wir unter anderem mal geschaut, was die Bierdeckelsammlung macht. Um gleich der Frage vorzugreifen: Ja, Herr Urz und Herr Schlönske sagen Bierdeckel zu Kronkorken, denn es sind ja Deckel, weil sie die Flasche verschließen. Ist doch logisch.

Und das ist unser Schatz, alles was die Leipziger Straßen so hergaben (Klick aufs Bild und es wird größer):

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Und jetzt mal in das Herz des rechten Deckel-Kreises hinein gezoomt: Seht ihr diesen einzigartigen Deckel mit dem Äffchen? (Klick aufs Bild und es wird größer) Was für eine Flasche muss das gewesen sein, die so einen Deckel hatte?! Gefunden hat ihn Ingrid, die ein rastloses Engagament in unsere illustren Sammlung steckt:

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Und wenn man so seinen Bierdeckelschatz durchsieht, entdeckt man mittendrin noch einen anderen Fund: wundervollste Knöpfe. Wie die da hinien geraten sind? Keine Ahnung.

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Vor allem der Knopf mit der Storchenfamilie:

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Die Entscheidung, was mit dem Schatz geschieht, steht noch aus. Eine Anregung hatte ich ja mal hier gepostet. Wäre zu überlegen.

Schon mal bemerkt?

Samstag, 26. Januar 2013

Jeden Tag kommt jemand und steckt schwarze Vögel auf die kahlen Bäume, damit der Blick aus dem Fenster nicht so ins Leere irrt. Schön wäre es gewesen, bunte Vögel dafür zu nehmen, aber dafür war bestimmt nicht genug Geld da.

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Noch ein schwarzer Vogel, dem das Baum-Schmücken jedoch völlig fern liegt, weil er sich beim Anpirschen im weltbestem Versteck wähnt:

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Dem Grau-Schwarz da draußen könnte mal wieder etwas Bewegung gut tun.

Die Raumerweiterungshalle

Dienstag, 11. Dezember 2012

War ich letztens in Gera. Guck ich dort aus dem Fenster. Denke, dieses Gebäude, dem Abriss geweiht, erinnert mich an dieses Ziehharmonika-Ding. Das hieß früher in der DDR Raumerweiterungshalle – gibt es hier zu bestaunen. Die auf dem Foto ist glaube ich keine richtige Raumerweiterungshalle.

In Ermangelung an Raum wurde früher einfach die Raumerweiterungshalle an den gewünschten Ort transportiert und wie ein Teleskop ausgezogen. Fertig war der Kiosk, Konsum oder die Kantine. Praktisch. Mit einer Raumerweiterungshalle könnte man ruckizucki Brachen, Plätze und Baulücken mit Leben füllen. Man könnte überall Weihnachtsfeiern ausrichten, Theater spielen, Vorträge halten, kleine Ausstellungen zeigen und Menschen einen Raum bieten, die selber keinen haben.

Aber wahrscheinlich würde es immer Leute geben, die diese charmanten Raumerweiterungshallen mit samt ihren Inhalt zerstören. Als eine dieser Hallen vor ein paar Jahren in Plagwitz, hinterm Jahrhundertfeld stand, war ich einmal dort und lauschte einem Vortrag. Wenig später wurde sie durch Brandstiftung zerstört. So ist das.

Gefunden!

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Knorrige Bäume auf dem Darß: Auf dem Weg zum Steilufer schimmert es blau im Baumstamm. Nanu?

Vorsichtig reinfassen. Könnte ja sein, dass man vom Darßtiger in die Hand gezwickt wird.

Na, was ist denn das? Hat da jemand seine Frühstücksdose vergessen?

Nein, es ist ein durch geknallter Schatz!

Mit einem Logbuch? Ha, jetzt klingelt’ s. Es ist Cache! Es ist ein Cache.

Liebe Geo-Cacher, da haben wir doch glatt euren Cache gefunden, ganz ohne GPS-Gerät.

Ich liebe Kisten mit Schenkware

Dienstag, 23. Oktober 2012

Kisten ziehen mich magisch an. Vor allem jene Kisten, die auf den Gehwegen stehen mit Zetteln dran wie: “Zum Mitnehmen” oder “Geschenkt” oder “Nehmt, was ihr kriegen könnt”. Da findet man witzige Vasen, Teller, Becher, Tünnef und Bücher. Meinen Sommerurlaub habe ich nur mit Büchern aus solchen Kisten verbracht: “Das sterbende Tier” von Philip Roth, ein Buch von Birgit Vanderbeke, weiß nicht mehr wie das hieß, es hatte mir nicht so sehr gefallen, da hab ich es im Urlaub gelassen und ein kleines Büchlein von Gerald Durrell. Der britische autodidaktische Autor und Zoologe zog 1933 mit seiner Familie nach Korfu, da war er 10 Jahre alt. Er hat witzige Bücher über Korfu, seine unkonventionelle Familie und über Tiere geschrieben. Kannte ich bis zu meinem Kistenfund noch nicht.

Übrigens habe ich schon einmal über Bücher aus der Kiste geschrieben, aus der Rosinenkiste, das war aber etwas anderes, hier entlang, wen es interessiert.

In meiner Straße gibt es ein Haus, deren Bewohner dem absoluten Ordnungswahn verfallen sein müssen. Vielleicht ist auch einer der Mieter für immer nach Australien gezogen oder so und muss seine Wohnung auflösen. Jedenfalls stehen da ständig Kisten mit Schenkware vor dem Haus. Wenn ich dann vom Joggen aus dem Wald komme, kann ich gleich ein paar Bücher mitnehmen. Hier habe ich auch ein ganz besonderes Buch gefunden:

Auf deutsch ist das Buch mit diesem Titel erschienen: “Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone”. Christopher, 15, ist Autist und lebt in seiner eigenen Welt. Er mag Zahlen, Ordnung und Einsamkeit. Am liebsten würde Christopher ganz allein irgendwo im Weltraum herumschweben oder ganz tief im Meer. Vielleicht im Marianengraben, weil da so gut wie niemand hinkommt. Der Marianengraben ist mit einer Maximaltiefe von 11.034 Metern die tiefste Stelle im Pazifischen Ozean. An solchen Orten würde Christopher glücklich sein. Dort wäre er z. B. vor lästigem Körperkontakt gefeit.

Eines Tages findet er den Hund der Nachbarin – mit einer Mistgabel erstochen. Christopher will heraus finden, was passiert ist, damit alles seine Ordnung hat. Seinem Vater gefällt das gar nicht, er sagt, man soll nicht in den Privatangelegenheiten anderer Leute herumschnüffeln. Ungerecht! Denn Christophers Vater ist Klempner und wenn er bei anderen Leuten zu Hause im Abfluss wühlt, kümmert er sich ganz intensiv um deren Angelegenheiten. Ich will an dieser Stelle betonen, dass es sich hier nicht um ein witziges Buch handelt. Im Gegenteil. Natürlich hat es Humor, aber es geht ganz schon zur Sache, wenn Christopher mit seinen “Ermittlungen” immer tiefer in die typischen Machenschaften der Erwachsenen dringt, deren Spielball er zum Teil war und ist. Dabei findet er Menschen sowieso ziemlich verwirrend. Wenn jemand eine Augenbraue hochzieht, kann das heißen, dass er Sex mit seinem Gegenüber haben will, aber auch genausogut, dass sein Gegenüber etwas Dummes gesagt hat. Menschen sind unberechenbar. Klarer dagegen sind die Regeln, die Christopher helfen, einen entspannten Tag zu haben. Zum Beispiel, dass sich verschiedene Sorten Essen auf dem Teller nicht berühren dürfen und das die Farben gelb und braun zu meiden sind. Wenn das alles klappt, können es supergute Tage sein. Aber es gibt eben auch schlechte Tage. In dem Buch erlebt Christopher ein paar der schlechtesten Tage in seinem jungen Leben. Und er wächst bewundernswert über sich hinaus.

Das Ganze ist so ehrlich, warmherzig und zum Teil auch ulkig geschrieben, dass man beim Lesen heulen muss und beim heulen wieder lächeln. Braucht jeder, finde ich. Die Altersempfehlung liegt übrigens bei 12-15 Jahren.

Viel Gewedel um Nichts

Montag, 24. September 2012

Heute möchte ich meine Leser von meiner Vielseitigkeit überzeugen :-) . Ich habe nicht nur eine Schwäche für zerfallene Häuser und Liegen-Gebliebenes, manchmal bin ich auch sehr praktisch veranlagt. Das kennt man: Wenn etwas praktisch ist, dann ist es richtig gut – diese Sachen genießen generationsübergreifend einen hohen Status. Nutzlose und sinnbefreite Dinge dagegen müssen bei ihren Besitzern erst den Schleichweg übers Herz suchen, um nicht gnadenlos weg geschmissen zu werden. Richtig ausgebufft aber finde ich Dinge, die zunächst superpraktisch daher kommen und sich erst später daneben benehmen.

Da kommt ein neuer Staubsauger ins Haus und in diesem Sauger findet sich ein zusätzlicher Staubwedel. Aha!

Aber dieser Wedel ist nicht irgendein Wedel. Er hat eine Kipp-Funktion. Wenn man unten drückt, krümmt sich oben der Wedel:

 

 

 

 

 

 

 

Nun mag sich die aufgeschlossene Hausfrau oder der aufgeschlossene Hausmann fragen, wozu das wohl gut sei? So habe ich mich zu einer kleinen Demonstration entschlossen:

 

 

 

 

 

 

 

Der Vorteil liegt ganz klar auf der Hand: In gerader Form angewendet wedelt der Wedel den Staub von den Büchern. In gekrümmter Form wedelt er auch. Wer das Nachsehen hat, ist die Handmuskulatur, denn diese verkrampft zusehens bei der häufigen Bedienung der Wedel-Kipp-Funktion. Aber staubfreie Bücher kriegt man eben nicht per Fingerschnips.