Kategorie-Archiv: Junges Gemüse

Noch einmal Buchstabler

Und jetzt kommt das “große Werk” meiner aktuellen Buchstabler-Kinder. Diese Geschichte steckt voller Lebensweisheit! Aufmerksame Leser werden wieder den kunstvoll gebauten Dialog in der Geschichte bemerken und die tollen Metaphern, die wir in der Werkstatt ertüftelten. Los geht’ s:

Leo und die Jaguarfrauen

 In einem großen geheimnisvollen Dschungel lebte einmal ein Jaguarjunge namens Leo. Sein Zuhause war eine gemütliche Höhle. Leo hatte hier alles ganz kuschlig eingerichtet. Im Dschungel wuchsen nämlich viele Kakaobohnenbäume. Die kleinen, braunen Kakaobohnen hatten ein kleines Fell als Schale. Weil Leo für sein Leben gern Kakaobohnen knabberte, hatte er jede Menge kleine Kakaobohnenfelle gesammelt. Er hatte sich aus einem Stöckchen eine Nadel gebaut und mit ihr die vielen kleinen Felle zusammengenäht, so dass die ganze Höhle mit herrlich weichen Kakaobohnenfellteppichen ausgelegt war.

Weiterlesen

Hosentaschengeschichten

Zur Zeit führe ich in einem Leipziger Kindergarten wieder mal einen meiner Buchstabler-Kurse durch. Nähere Infos dazu hier. Das letzte Mal kam ich mit präparierten Hosentaschen und wir dachten uns kleine Hosentaschengeschichten aus. Aufhänger der Geschichte sind die Dinge aus meiner Hosentasche. Dieses Buch hat mich inspiriert, diese Art Geschichten zu erfinden. Folgende zwei Geschichten haben mir die kleinen Buchstabler anhand der Dinge auf den Fotos quasi in die Hand diktiert:

Es war einmal ein Schlüssel, der dachte: „Ach, wenn ich doch nur etwas zu Essen hätte!“ Er ging in den Wald und kam bald an ein geheimnisvolles Haus. Der Schlüssel ging hinein, da stand ein Teller auf dem Tisch und auf dem lag eine Zitrone. Das war etwas Magisches! Er nahm beides mit nach Hause, machte es sich gemütlich und aß die Zitrone. Dann wurde er müde und bekam Bauchschmerzen. Weil der Teller magisch war, lag am nächsten Tag wieder eine Zitrone da. Und am nächsten Tag wieder und so fort. Irgendwann dachte der Schlüssel: „Oh, wie langweilig, immer nur Zitrone!“ Eines Tages legte er einen Apfel drauf und da hatte er jeden Tag einen Apfel. Dieser magische Teller war ein Glück.

Ein kleiner Mann wollte Fahrrad fahren, aber die Kette seines Fahrrads war locker. Außerdem war sein Fahrrad viel zu groß für ihn. Er lief so vor sich hin und fand plötzlich einen Knopf. Er setzte sich auf den Knopf und dachte: „Der ist super als Sitz, da kann ich mir was überlegen!“ Ihm fiel auf, dass der Knopf genauso groß war wie ein Fahrradreifen, der zu ihm passte. Er wickelte die Fahrradkette um den Knopf und fuhr los.

Herr Schlönskes Logik

An einem gemütlichen Nachmittag: Wir fahren so dahin und nichts zu sprechen war unser Sinn. Doch dann beginnen die Kinder wieder zu klugscheißen, weil sie einfach zu viele Bücher und Zeitungen konsumieren.

“Weißt du, ohne Zunge kann man nicht sprechen”, wirft der kleine Herr Schlönske siegessicher in die Runde.

“Wissen wir”, sagen wir. Trotzdem probieren wir es alle aus. Wir halten unsere Zungen mit eisernem Binzettengriff fest und lallen irgendwelchen Kauderwelsch. Immer diese Assoziationsketten, denn wir erinnern uns plötzlich daran, als der damals noch viel jüngere Herr Urz seine Zunge an ein vereistes Geländer gehalten hatte. Wir sagen unisono zu Herrn Schlönske:

“Halte niemals deine Zunge an etwas Vereistes! Niemals.”

Herr Schlönske grinst. Er weiß schon wieder was:

“Es ist die Zunge, mit der wir schmecken. Jawohl!”

“Wissen wir”, sagen wir. “Das sind die Geschmacksknospen.”

Dann erscheint ein Geistesblitz auf Herr Schlönskes Gesicht und er schreit es seinem Bruder nebensich fast ins Gesicht:

“Wenn du keine Zunge mehr hast, kannst du sogar Brokkoli essen!”

Die verschiedenen Etagen des Geschmacks

Eine der bittersten Lektionen des Großwerdens ist die Einsicht über Schein und Design. Das musste auch der kleine Herr Schlönske letztens bitter erfahren.

Zu den größten Perversionen kapitalistischer Einkaufskultur gehört die meterlange Joghurtstraße in der Kühltheke (neben Wurstaufschnitt mit Gesicht). Zu den größten Vergnügen kleiner Jungen aber gehört die freie Wahl – genau hier. Und weil letztens ein schöner Tag war, durfte sich Herr Schlönske einen Joghurt aussuchen. Der blitzbunte Becher, mit einer dicken Schicht Schokostreusel als “Topping” prahlend, entlockte am Ende nur ein müdes Lächeln. Herr Schlönskes bittere Einsicht: “Der schmeckt nur obenrum.” Wir beließen es dabei. Alles andere stößt nach-hinten-raus nur bitter auf.

“Erzählen ist die Schwester des Vorlesens”

Hierbei handelt es sich womöglich um die erste praktisch angewendete Rezension. Nachdem ich “Und was passiert dann?” von Andrea Behnke ausgelesen hatte, sagte ich zu Herrn Schlönske (angeregt durch das Kapitel “Rucksack- und Taschengeschichten”, denn bei uns werden grundsätzlich viele Dinge von der Straße aufgehoben und in Taschen verstaut): Das erste Ding, was du heute findest, wird der Held der Geschichte, die wir uns ausdenken. Herr Schlönske brachte wenig später diesen unglaublich gewundenen Draht nach Hause, der in unserem Schaufenster - hier – gut rein gepasst hätte:

Und jetzt die Geschichte dazu: Das ist der Kleiderbügel Fratziputz. Eines Tages wurde er von seinem Kumpel zum Quatschkopf gebracht: Er schaukelte so sehr hin und her, dass er aus dem Kleiderschrank heraus purzelte. Da lag Fratziputz also auf dem Fußboden und fühlte sich einsam und nutzlos. Da kam eine Oma ins Zimmer und trat auf den Kleiderbügel. “Aua!”, rief Fratziputz, aber Menschen können die Kleiderbügelsprache nicht verstehen und so ging die Oma wieder hinaus. Aber: Sie hatte vergessen, das Fenster zu schließen. So hörte draußen ein Spatz Fratziputzens Jammern und flog ins Zimmer. Fratziputz sang: “Der Spatz, der Spatz, der süße Fratz, der braucht doch keine Gabel…” Nach einer kleinen Unterhaltung bat Fratziputz den Spatz, ihn und alle seine Kleiderbügel-Kumpel in sein Nest zu tragen. Der Spatz wohnte in einem besonders großen Nest, wie man sich denken kann. Der Spatz tat dies und so saßen die Spatzenfamilie und die Kleiderbügelbande gemütlich zusammen im Nest und dachten sich zusammen eine neue Geschichte aus, nämlich diese:

Es war einmal ein Riese, der wollte die Spatzen essen. Ein Leopard kam von hinten und wollte den Riesen aufhalten. Da pupste der Riese den Leoparden weg. Der Riese hatte schreckliche Bauchschmerzen und musste deshalb pupsen. Der Riese setzte sich hin. Ihm war der Appetit auf Spatzen vergangen.

XXX

Vorrangig ist “Und was passiert dann? – Geschichten erfinden mit Kindern” als Anleitung für den Fabulieralltag im Kindergarten gedacht. Aber es funktioniert genauso gut zu Hause. Da ich keine Kindergärtnerin bin, könnt ihr mir das guten Gewissens glauben. Wer sich das Buch zulegt, dem widerfährt Gutes. Denn wo bekommt man heutzutage schon alles komplett serviert? Andrea Behnke liefert Anleitung und Ideen genauso wie Zuspruch und Motivation. Ausgehend von der Feststellung, dass jeder erzählen kann, betont die erfahrene Journalistin und Autorin für Kinder-, Jugend- und Bildungsmedien den vielfachen Wert, den das gemeinsame Erzählen in die Familien bringt. Zuhören, Konzentration, Vorstellungskraft, Sinnesschärfung, Improvisationsfähigkeit, Empathie, Mitdenken, Ausdrucksweise, Strategiefindung, das Erkennen von Erzählstrukturen – all diese wirklich wichtigen Fähigkeiten entwickeln sich durch das Erzählen von ganz allein.

30 Übungen sind im Buch beschrieben, die jedem einsilbigen Zeitgenossen die Zunge lösen werden. Die Erzählsession könnte zum Warmwerden auf einem imaginärem orientalischen Markt beginnen und unter Einbeziehung sämtlicher realer Küchenutensilien in eine Theatervorstellung münden. Anregung gibt es genug: Kamishabai-Papiertheater, Märchen-gegen-den-Strich-bürsten, Was-wäre-wenn-Geschichten, Quatschnamen-Geschichten, autobiographische Geschichten mit alten Fotos und Spielzeugen… Und wenn es an einer Stelle nicht mehr weiter geht, dann steht nur die eine Frage im Raum: “Und was passiert dann?” Und die Geschichte wird weiter sprudeln. Egal, auf welche Erzählvariante die Entscheidung fällt, alle Erzählteilnehmer begeben sich auf eine gemeinsame Ebene und das verbindet. Dabei entsteht eine eigene Geschichte, ein Schatz.

Andrea Behnke hat ihren Erzähler-Fundus wunderbar einfach angeordnet. Jede Anleitung ist etwa ein bis zwei Seiten lang. Dazu gibt es einen Infokasten, in dem sämtliche empfohlenen Angaben zu Alter, Gruppengröße, Ort, Material, Vorbereitung und die einzelnen Erzählschritte zusammengefasst sind. Zusätzlich verbreiten knuffige Illustrationen eine positive Grundstimmung beim Blättern. Das Buch ist handlich und im Ernstfall sofort einsatzbereit, z. B. bei Kindergeburtstagen oder an langweiligen Sonntagen.

Andrea Behnke: “Und was passiert dann? – Geschichten erfinden mit Kindern”, Verlag Herder GmbH, 2012

Kommt’ n Hase zum Bäcker…

… oder warum lachen die Leipziger Fahrgäste im Bus, Linie 89 nicht über Kinderwitze?

Wir befinden uns momentan im Stadium der Kinderwitze. Das ist so was Ähnliches wie die Pubertät. Wenn Kinder Witze erzählen, dann gleich 20 Stück hintereinander. Jeden Tag. Jeden Tag dieselben Witze. Und witzig sind sie überhaupt nicht. Dabei folgen Kinder instinktiv ihrem Rampensau-Modus: Kommt eine Person von außerhalb dazu, beginnen sie auf der Stelle Witze zu erzählen und hören nicht mehr auf. Es funktioniert aber auch im Kreis der Familie am Abendbrottisch, auf dem Nachhauseweg, beim Blog-Schreiben… Kinderwitze, vor allem welche mit Fritzchen, sind wahre Kosmopoliten.

Neulich: Herr Schlönske und ich sitzen im Bus, uns gegenüber ein älterer Herr. Herr Schlönske schaut ihn direkt an, winkt mit den Augen und legt los: “Kommt’ n Hase zum Bäcker…” Der alte Herr guckt den kleinen Herrn Schlönske entsetzt an. Beim zweiten “Hattu Möhren”, wendet sich der Herr ab und stiert hinaus auf die Straße. Als der Witz an die Stelle kommt, wo der Hase neben Frau Merkel hängt, herrscht eisiges Schweigen im Bus. Doch es geht weiter: “Gehen zwei Tomaten über die Straße…”, “Was ist weiß und rennt durch den Wald?…”, “Fliegen zwei Möhren durch die Luft…” Herr Schlönske gibt alles und erntet: Nichts.

Es gibt ja gewisse Vorurteile. Haben die Deutschen Humor? Können sie über komische Situationen lachen oder nur über Andere? Mögen die Deutschen keine Kinderwitze, weil diese nicht das Ergebnis einer ernsthaften geistigen Arbeit sind? Kann man diese Fragen überhaupt auf die Leipziger in der Buslinie 89 anwenden?

Es ist eine der großen Herausforderungen des Lebens, sich auch beim drölfzigsten “Kommt’ n Hase zum Bäcker” vor Lachen rumzukugeln… Ach, kennt ihr eigentlich den: “Sagt ne Frau beim Bäcker: “Rumkugeln möcht ich!”

Eine neue Buchstabler-Geschichte

Und wieder ist eine Buchstabler-Werkstatt im Kindergarten “Familiengarten” zu Ende gegangen. Mit Frida, Diana, David, Julius, Matteo, Tim, Tillman und Raphael hatte ich vergnügliche Nachmittage. Wir stellten fest, was für ein schönes Wort KAKAO ist. Wir erfanden die Wörter VIBIZILLI, was etwas Langes, Roten und Scharfes bezeichnet und HALLOPULOPE, was ein neuartiger Willkommensgruß ist.
Natürlich haben wir uns auch eine Geschichte ausgedacht, heraus gekommen ist eine ganz wilde und verblüffende Odyssee:

Die unechte Schatzkarte – eine verwirbelte Geschichte

Es war einmal ein Piratenschiff. Auf dem hatte Kapitän Palifrima das Kommando über 50 Piraten. Und so sah der Palifrima aus: Auf seinem Kopf saß eine Mütze, auf der ein Anker und ein Totenkopf zu sehen war. Im Gesicht trug Palifrima einen langen Bart und seine Hosen waren kaputt. Das kam übrigens von dem Seewetter, denn wenn es oft stürmt und regnet, gehen Hosen schnell kaputt. Sie werden nass und nässer und dabei immer lang und länger und irgendwann tritt man drauf und sie zerreißen.

Palifrimas bester Freund war der Blauwal Otili, das größte Tier, das im Ozean schwamm. Eines Tages schenkte Otili Palifrima eine Schatzkarte, die er im Meer gefunden hatte. Darauf war eine Insel eingezeichnet, die bestand nur aus einem runden, hohen Felsen. Ganz unten im Felsen, direkt auf dem Meeresboden, war ein Schatz versteckt. Palifrima nahm Kurs auf die Insel, um den Schatz zu heben. Aber was Palifrima nicht wusste: Die Schatzkarte war nicht echt. Sie war nur gemalt und ausgedacht – von Julia und Finn.

Julia und Finn wohnten in einem kleinen Haus auf der Spitze einer Steilküste, an deren Fußende direkt das wilde Meer tobte. Bei einem Sturm war die Schatzkarte vom Küchentisch durch das offene Fenster hinaus aufs Meer geflattert, wo sie Otili fand und Palifrima brachte. Julia und Finn hatten natürlich gemerkt, dass ihre Schatzkarte plötzlich weg war, konnten sich das aber nicht erklären. So kochten sie sich einen Pudding und wuschen hinterher gemeinsam das Geschirr ab. Als sie die Dreckbrühe vom Abwasch aus dem Fenster heraus ins Meer schütteten, hörten sie plötzlich ein Furcht erregendes Geräusch. Otili war gerade unter der Klippe entlang geschwommen, als er die olle Puddingbrühe auf den Kopf bekam.

„Seid ihr verrückt geworden?“, fragte Otili empört. Er hatte von weitem den Felsen der Steilküste gesehen und gedacht, es würde sich um die geheimnisvolle Schatzinsel von der Karte handeln. Dank der Abwaschbrühe wusste er nun, dass es der Felsen war, auf dem Julia und Finn wohnten. Die beiden entschuldigten sich bei Otili und fragten bei der Gelegenheit gleich nach, ob er vielleicht ihre Schatzkarte auf dem Meer gesehen habe.

„Die Schatzkarte“, rief Otili! „Na klar, die habe ich Palifrima gegeben.“

„Wer ist Palifrima“, fragten Julia und Finn?

„Na eben Palifirma“, sagte der Wal. „Den kennt man doch!“

Die beiden Freunde fragten Otili, ob er sie zu Palifrima bringen könnte. Er forderte sie auf, in sein Maul zu krabbeln. Im Bauch des Wals war es sehr gemütlich. Es gab einen Fernseher, alte Sessel und alte Boote. Übrigens, wenn man aus diesem großen Walbauch wieder raus wollte, musste man eine lange Alge wie ein Lasso schwingen, so dass sich die Schlinge an einem Zahn des Wals festmachte. Dann konnte man an der Alge wieder rausklettern.

Als Otili mit Julia und Finn bei Kapitän Palifrima ankam, beichteten die Kinder dem Piraten, dass die Schatzkarte gar nicht echt ist. Palifrima war sauer.

„Mensch!“, brüllte er und haute vor Wut so sehr auf den Tisch, dass dieser zerbrach. Aber die Wut dauerte nicht lange, denn Julia und Finn hatten auf der Reise im Bauch des Wals, hinter einem alten Sofa, noch eine andere Schatzkarte gefunden. Darauf war ein Vulkan eingezeichnet, in dem der Schatz versteckt sein sollte. Auf der Stelle segelten Palifrima, Otili, Julia und Finn zu diesem Vulkan.

Wie gut, dass sie so viele waren, denn der Schatz wurde von drei finsteren Gesellen bewacht: von einem Troll, einem Roboter und einem Drachen. Den Troll besiegten die Freunde mit Messern und Feuerpfeilen. Für den Roboter bauten sie aus einem Stückchen Holz und einer Batterie eine Fernbedienung, mit der sie ihn einfach abschalteten. Den Drachen schließlich legten sie herein. Sie erzählten ihm, dass im Meer noch ein viel größerer Schatz verborgen lag und so verließ der Drache den Vulkan, um den anderen, größeren Schatz zu suchen. Die Freunde hatten freie Bahn. Vor Freude stimmten sie ein Liedchen an:

Wir haben gescheuert

Und auch mal gefeuert.

Roboter schalten wir einfach aus

Und gehen danach nach Haus.

Den Troll schießen wir um

Und dann ist er krumm.

Den Drachen haben wir rein gelegt

Jetzt ist die Schatzinsel leer gefegt.

Aber nun holen wir unsern schönen Schatz

Und für alle gibt’s einen dicken Schmatz!

Dann schauten unsere Freunde auf ihre Schatzkarte: Der Schatz lag direkt im Vulkan. Also musste dieser erst einmal gelöscht werden – natürlich mit Meerwasser. Die 50 Piraten von Palifrima bildeten eine Eimerkette und auch Otili leitete mit Hilfe eines Schlauchs, der auf die Fontäne auf seinem Rücken gestülpt war, Wasser in den Vulkan. Bald war der Vulkan gelöscht und Palifrima, Julia und Finn stiegen hinunter. Aber, was war das??? Die Freunde waren nicht wenig erstaunt, als sie lauter Zwerge entdeckten. Tatsächlich lebten in diesem Vulkan 200 Zwerge, die sehr wasserscheu waren und in der Hitze des Vulkans die schärfsten Schwerter der Welt schmiedeten. Dazu benötigten sie allerdings das ganze Gold und Silber aus den Schatzkisten.

Das mussten Palifrima, Otili, Julia und Finn erstmal verdauen: Alles war umsonst gewesen! Kein Schatz wartete auf sie! Aber plötzlich wussten sie, dass es gar nicht mehr auf einen Schatz ankam. Das, was sie gefunden hatten, war ja auch so etwas wie ein Schatz. Die Zwerge baten die Freunde, ihren Vulkan wieder zu trocknen, damit sie weiter leben und ihre Schwerter schmieden konnten. Mit vereinten Kräften pumpten sie das ganze Wasser wieder aus dem Vulkan und eröffneten gemeinsam mit den Zwergen eine Zwergenschule. Im Vulkan konnte man fortan viele Sachen lernen: Häuser bauen, Schwerter schmieden und natürlich auch rechnen, schreiben und lesen.

Nachdem Palifrima, Julia und Finn in der Zwergenschule schreiben und lesen gelernt hatten, schickten sie den Kindern im benachbarten Dorf – dass durch eine Brücke mit dem Vulkan verbunden war – einen Brief. Sie sollten wissen, dass sie jetzt eine tolle Schule hatten, wo sie alles lernen konnten. Dann verabschiedeten sich Julia und Finn von Palifrima und hüpften in den Bauch von Otili, damit dieser sie wieder nach Hause bringen konnte.

In Zukunft besuchten Julia und Finn den Piratenkapitän und sein Schiff 20 Mal im Jahr. Jedes Mal wurden sie dabei von Otili abgeholt und zurück gebracht. Sie brachten Palifrima immer Schokolade, kleine Geschenke und eine Torte mit. Darüber freute sich Palifrima – besonders, wenn er sich beim Schatz-Heben und Plündern mal wieder verletzt hatte. Einmal hatte er sogar eine Schussverletzung in der Schulter und musste sehr lange das Bett hüten. Da war ihm ein Besuch von seinen kleinen Freunden natürlich sehr willkommen. Ein Topf Hühnersuppe wurde gekocht und ein Fest vorbereitet, zu dem natürlich auch die 50 Piraten und die Zwerge aus dem Vulkan eingeladen waren. Diese kamen mit dem Unterwasserzug angereist. Bei jedem Fest, das übrigens immer im Bauch des Wals stattfand, merkten Julia, Finn, Palifrima und Otili, dass es schön ist, wenn man neue Freunde findet. Im Team kann man viel mehr Sachen unternehmen. Und ganz allein würde eine Schatzsuche ja auch überhaupt keinen Spaß machen.

Kindertagesstätten-Stigma

Das wohlmeinende Elternteil betritt den Kindergarten. Man spürt die große Erwartung, die es in seinen Sprössling setzt. Das Elternteil möchte angemessen begrüßt werden, die lieben Kleinen aber lärmen lustig. Bis einer das heischende Elternteil erspäht. Es petzt lauthals, damit es auch alle hören, zeigt zusätzlich mit dem Finger auf den Betroffenen:

“Du bist abgeholt!!!”

In der nächsten Sekunde wenden sich alle Kinder von dem “Abgeholten” ab. Da ist nichts zu machen, vorbei der Zauber. Enttäuscht trottet es herbei. Eltern können so viel kaputt machen. Männo. Wann habt ihr euch das letzte Mal so richtig “abgeholt” gefühlt?

Schwarze Schafe, irgendwie

Ich beschäftige mich zur Zeit mit Übungen zum Thema: Wie man mit Vorschulkindern das Lesen und Schreiben vorbereitet. Praktisch ist es, wenn man da einen kleinen Herrn Schlönske als Versuchskaninchen daheim hat.

Ich:  “Hör genau hin, ich sag dir jetzt drei Wörter. Aber eines passt nicht dazu: zahm – Zahn – Zähne. Welches Wort gehört da nicht hin?”

Herr Schlönske schreit grinsend: “Tomate!!!”

Voll neidisch

Herr Schlönske, sein Freund W. und ich stehen vor einem Friseurladen und warten. Durch das Fenster sehen wir eine Omi, deren silberfarbenes Haar fürsorglich auf Röllchen gewickelt ist. Sie sitzt vor einem großen Spiegel, über den sie uns sehen kann und scheint darüber nicht sehr erfreut. Es gibt zwei Sorten Omis. Die Einen finden jedes Kind süß und suchen in ihrem Beutel gleich nach Bonbons, und die Anderen fühlen sich automatisch bedroht, wenn Kinder in der Nähe sind. Denn die machen Sachen, die es früher nicht gegeben hat.  Nervös dreht sich die Omi im Friseurstuhl hin und her.

“Wie sieht die denn aus!”, ruft Herr Schlönske.

“Die Omi bekommt Locken”, erwidere ich. “Wenn man die Dinger da raus macht, ist der ganze Kopf voller Löckchen.”

Herr Schlönskes Mund bleibt offen. Völlig baff betrachtet er die Omi nun mit anderen Augen.

Ich setze noch eins drauf. “Locken machen, das können nämlich nur Friseure.”

Nun meldet sich W. zu Wort. “Mein Papa ist Friseur!”, ruft er.

Und das stimmt auch noch. Da hatte ich gar nicht dran gedacht.  “Ja”, gebe ich unumwunden zu. “W.’s Papa ist ein Friseur. Der macht Locken auf den Kopf. Der kann das!”

Herr Schlönskes Gesicht trübt sich ein. Mit allem verfügbaren Trotz behauptet er: “Mein Papa ist auch Friseur.”

Aber das ist gelogen. Wir wissen es alle und wenden uns wieder stumm der Omi zu. Sie dreht sich immer noch mit dem Stuhl hin und her. Ob sie manchmal an uns denken wird, wenn sie vor dem Spiegel ihre Löckchen kämmt?