Fundstück: eine hellblau-salbeifarbene Vogeleihälfte, Fundort: Abtnaundorfer Park Leipzig
Seit dem Entstehen des Parks um 1750 herum, brechen hier die Vogeleier auseinander. Sag ich mal. Sei es, weil die Küken gewaltsam dem Leben entrissen werden oder sie höchstselbst dem Leben entgegen zu fliegen bereit sind.
Gelebtes Leben steckt auch in diesem Schatten einer Figur aus Drahtgewebe der Künstlerin Franziska Möbius:
Ich zitiere von der Seite www.stadt-land-kunst.org: “Durch das halbtransparente Material werden sie (die Figuren aus Drahtgewebe) zur Erscheinung, zur Ahnung davon, wie viele Menschen schon in diesem Park lustwandelten. Dazu gehörte auch Clara Schumann, die am 12. September 1840 Robert Schumann in der Schönefelder Dorfkirche geheiratet hatte.”
Clara Schumann heiratete ihren Robert gegen den Willen ihres Vaters. Wie oft ging sie wohl (die Schumanns lebten vier Jahre in Leipzig) durch den Park, fand dabei eine ebensolche Eierschale, hob sie auf und bewegte sie mit ihren langen, schmalen Klavierfingern hin und her und verfluchte dabei innerlich den strengen Übervater, der sie von Kindesbeinen an kontrolliert und getriezt hatte. Vielleicht stand sie an dem Teich und trat ihrem Vater in Gedanken in den Hintern. Vielleicht rannte sie übermütig mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Christian Andersen über die Wiesen und machte sich mit ihnen über dilettantische Musiker lustig. Hier dachte sie wahrscheinlich über die Verse von Shakespeare oder Goethe nach, die sie nun endlich – der Herrschaft des Vaters entronnen – lesen durfte. Und hier haderte sie mit sich, weil in der Ehe mit Robert einiges auch nicht so lief, wie sie sich das vorgestellt hatte.
Und heute rennen wir hier rum. Treten anderen Leuten gedanklich in den Hintern, manchmal auch uns selbst. Denken über Gelesenes nach, planen Geschriebenes. Ich danke dem Kreuzer für diesen Spazier-Tipp.
Dr. Traugott Thomasius hatte den Park in Abtnaundorf um 1750 herum als Rittergutspark angelegt. Ab 1789 gelangte das Rittergut in den Besitz der Familie Frege, die dem Park bis etwa 1920 immer wieder bebauten und veränderten. Sie hatten viel zu tun, denn z. B. wurden große Teile des Parks während der Völkerschlacht zerstört. Völlig kaputt ging dieses schöne Fleckchen unter der Naziherrschaft und während des Zweiten Weltkriegs. Einige Elemente der ursprünglichen Parkgestaltung haben es bis heute geschafft, so der Teich mit Insel und Tempel, ein Säulenstumpf am Teich, ein Gedenkstein im Wald, eine Bogenbrücke über die Parthe und die Kastanienallee.
Schlagworte: Abtnaundorf, Geschichte, Leipzig, Park, Vogelei






@prochaine: prust! Wie wärs mit “Gabi wartet im Park”, wie ging das gleich noch mal?
ach mist. schon nachdem ich die überschrift gelesen hatte, drängte sich unweigerlich dieses lied aus den achtzigern in meinen kopf … a walk in the park / a step in the dark … soll sich mal einer bei so’ner musik auf den text konzentrieren :/
die Figur aus Drahtgewebe mag ich. der Gedanke (die Ahnung) stellt sich durch diese Figur tatsächlich her, dass dort schon viele lustwandelten. schön schön. ich will da auch mal hin!
Sibylle danke!!!! Wir wussten es nicht und ich habs nirgendwo gefunden. Die Wiege des Rotkehlchens, so hübsch…
Rotkehlchenei!