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Das Waffel-Ornament als Schmuck in der Architektur

Immer praktisch. Immer lecker. Immer griffbereit. P1050973 P1050972 ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Nachtrag - zwei Tage später: Die Waffel-Ornamentik ist dynamisch, sie verändert sich. Es handelt sich sozusagen um ein organisch-urbanes Element: P1050974

Prag

Bei Klick aufs Bild, wirds groß!

P1040326 P1040325 P1040319 P1040318 P1040315 P1040313 Eine Reise nach Prag wird mit unerwarteten Erlebnissen belohnt. Auf dem Heimweg ins Czech-Inn: Das internationale Folklorefestival. Großartig, wie sich Männer und Frauen gegenseitig auf der Bühne herumschwenken.  

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P1040300 P1040299 P1040338 P1040330 P1040345 P1040334 In Prag läuft man ständig mit dem Blick nach oben. Kronkorken für die Sammlung findet man eh schwer, da das Müll-Wegwerfen unter Strafe steht. Auch Alkohol-Genuss und die Zigarette an der Bushaltestelle sind in Prag verboten. Aber Häuser gibt es hier, unglaublich. Die Fassaden glotzen einen unverhohlen an.

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          Fassaden zum Luft-Anhalten, Aussicht mit Gänsehaut, Wäsche über Madonnenbild - alles erreichbar über die U-Bahn: Es dauert 2-3 Minuten, bis man unten ankommt, nix für Leute mit Höhenangst.

Brigitte

Hoyerswerda, der 21. Juli 2013: Ein kleiner Menschenstrom zieht zu dem neu angelegten Park zwischen den hier so unvermeidlichen Neubaublöcken: Ein Denkmal für Brigitte Reimann wird heute enthüllt, es wäre ihr 80. Geburtstatg gewesen. Mit einem "Rolli" wäre sie nicht hierher gekommen, mutmaßen die Redner, das wäre nicht ihr Stil gewesen. P1040227 Brigitte Reimann, die acht Jahre in Hoyerswerda gelebt, gearbeitet, geschrieben, geliebt und geplant hat, die hier den Bitterfelder Weg beschritt - sie hatte sich gnadenlos eingemischt und damals viel für Hoyerswerda, die sozialistische Stadt, erreicht. Sie wollte auch einen "Platz zum Küssen". Das soll jetzt dieser Park mit ihrem Denkmal sein, jetzt wird es enthüllt: P1040237 Alle sind da, ihr Bruder Ulrich, ihre beste Freundin Irmgard Weinhofen, bemühte Menschen aus Literatur, Politik und von der Sparkasse. Und natürlich der Künstler Thomas Reimann, das ist sein Werk: P1040244 P1040246 "Die große Liegende" ist chic geworden. Erst denke ich, man kann in Brigittes Schoß Platz nehmen, aber es ist ihr Zopf, der sich an ihrem Schenkel entlang ergießt und unten in ein Wasserbecken mündet. Man kann Platz nehmen bei Brigitte, sich entspannt hinlegen, in den Himmel starren und alles gut sein lassen. Es finden mehrere Leute auf ihrem Denkmal Platz, es ist kommunikativ, das hätte ihr sicher gefallen. Trotzdem bleibt dieser Ort irgendwie unwirklich. Die Veranstaltung, zwar festlich, aber auch ein bisschen unpassend - so auch die Blasmusik für Frau Reimann. Hässliche, überladene Blumensträuße werden gereicht. Es ist leer im Park, was vielleicht auch an der glühenden Hitze des Tages liegt. Dabei sind im Park kleine, flache Wasserbecken, die zumindest den Füßen Kühle spenden. Auf ihrem Grund sind Buchstaben eingelassen: Zitate der Schriftstellerin: P1040226 Die Fenster in den umliegenden Neubaublöcken bleiben während der Enthüllung weitestgehend geschlossen. Keiner kommt zum Küssen runter. Später, als zwei Kinder die nieder gelegten Blumen umher werfen, erklären wir ihnen, weshalb die da liegen. Sie schauen erst uns mit großen Augen an, dann die "große Liegende". Ob sie jemals etwas von Brigitte Reimann lesen werden? Wir haben gelesen und meine Freundin hat für das Denkmal gespendet und steht sogar mit ihrem Namen darauf: P1040241 Nach der Enthüllung besuchen wir das Haus, in dem sie gewohnt hat. Wir gucken uns Hoyerswerda an, eine Stadt mit echt speziellem Charme. Früher entstand hier das Wohnungsparadies für die Menschen der DDR, in "Franziska Linkerhand" ist es beschrieben. An die 70.000 zog es hier her, jetzt lebt nur noch die Hälfte hier.

Dennoch, es gibt charmante Ecken. Ein Kiosk aus früheren Tagen - so sahen die Dinger doch zu DDR-Zeiten aus, oder?

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Ein klassischer Großstadt-Blumenkübel, der besänftigt erhitzte Gemüter:

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Kunst am Bau. So war das früher üblich. Damit wurden die Neubauten aufgepeppt:

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Noch einmal ehemalige Kunst am Bau, jetzt freistehend auf der Wiese:

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Der gute alte Wäscheplatz mit Original-Wäschestangen:

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Die Fenster bekamen früher zu Aufbruchzeiten ein Gitter verpasst, aber ein schönes:

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Es steht auch echte Kunst in Hoyerswerda mitten in der Stadt:

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Der Lausitzer macht keine großen Worte, wenn es ums Essen geht:

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 Das hätte Brigitte Reimann gefallen: Ein liebevoll verschlossenes Schraubglas steht vor dem Neubaublock und dient als Aschenbecher: P1040259

Denn sie hatte geraucht wie ein Schlot und trank gern Wodka. Und das tun wir auch an ihrem Ehrentag - trotz 30 Grad, so viel Zeit muss sein:

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  Auf dich, Brigitte! Schade, dass du so früh sterben musstest.

Nur mal so gesehen: Alte Holzbrücke

Da die Wetterlage jede Stadterkundung zunichte macht, heute eine kleine Impression vom thüringischen Rande. Wer den Film "Die Brücken am Fluss" gesehen hat und um die heftigen Emotionen zwischen Clint Eastwood und Meryl Streep weiß, kennt auch diese überdachte Holzbrücke aus dem Film, bei der alles begann. Eastwood will sie für einen Bildband fotografieren. Wenn Streep und Clintwood geahnt hätten, dass genauso eine seltene Brücke im beschaulichen Wünschendorf in Thüringen steht und immer noch benutzt wird! Ja, ja! Der erste Bau dieser Brücke unterhalb des Veitsberges stand im 13. Jahrhundert. Die heutige Konstruktion stammt aus dem Jahr 1786. 72 Meter lang und 4,70 Meter breit thront sie über der Elster und hält selbst den Autoverkehr mühelos aus. Ansonsten ist sie ein echtes Schmuckstück. Und das ist sie - von außen: P1030944 Und so sieht sie von innen aus: P1030923 Zwei kleine Details - eine eingesponnene, nette Lampe und der Blick durchs Spundloch, raus auf die Elster und Umgebung.: P1030949P1030948               Fazit: sehr lauschig. Wer selbst zur "Brücke am Fluss" will, kann sich außerdem in unmittelbarer Nähe beschauen: die Veitskirche - die älteste Kirche Thüringens, den Märchenwald, die Gondelstation und Klosterruinen. Runde Sache für einen Ausflug. Fehlt nur noch der Frühling...

Die Raumerweiterungshalle

War ich letztens in Gera. Guck ich dort aus dem Fenster. Denke, dieses Gebäude, dem Abriss geweiht, erinnert mich an dieses Ziehharmonika-Ding. Das hieß früher in der DDR Raumerweiterungshalle - gibt es hier zu bestaunen. Die auf dem Foto ist glaube ich keine richtige Raumerweiterungshalle. In Ermangelung an Raum wurde früher einfach die Raumerweiterungshalle an den gewünschten Ort transportiert und wie ein Teleskop ausgezogen. Fertig war der Kiosk, Konsum oder die Kantine. Praktisch. Mit einer Raumerweiterungshalle könnte man ruckizucki Brachen, Plätze und Baulücken mit Leben füllen. Man könnte überall Weihnachtsfeiern ausrichten, Theater spielen, Vorträge halten, kleine Ausstellungen zeigen und Menschen einen Raum bieten, die selber keinen haben. Aber wahrscheinlich würde es immer Leute geben, die diese charmanten Raumerweiterungshallen mit samt ihren Inhalt zerstören. Als eine dieser Hallen vor ein paar Jahren in Plagwitz, hinterm Jahrhundertfeld stand, war ich einmal dort und lauschte einem Vortrag. Wenig später wurde sie durch Brandstiftung zerstört. So ist das.

„Geschichten hinter vergessenen Mauern“

Der Leipziger Dok-Film "Geschichten hinter vergessenen Mauern" hatte am Wochenende Premiere: Im Sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe!!! Durch das Crowdfunding mit VisionBakery (siehe hier) konnten die Filmemacher um Enno Seifried ihren Film einem großen Publikum zeigen. Dass die Premiere schließlich in einem der Lost Places aus dem Film stattfand, haben 356 Unterstützer möglich gemacht. Ich denke, mindestens die Hälfte des Publikums waren Geocacher. Vor mir trugen die Zuschauer Jacken mit Aufschriften wie "Lost Places" oder "Rottenplaces" - die kannten sich aus und schmachten leere Fabriken nicht nur aus dem vorbeifahrenden Regionalexpress an - wie ich. Während des Films murmelte es in den Reihen kennerhaft: "Ach, das ist in der xxx-Straße.", "Das wird bald saniert.", "Da war ich auch schon.", "Da hab ich mal den xxx getroffen." Letztens meinte jemand: Ruinen fotografiert ja heutzutage jeder. Mag sein, dass die Faszination an dem vielleicht größten Leerstand jahrhundertealter Industriearchitektur um sich greift. Aber irgendwas muss dran sein. In dem Film wurden Zeitzeugen, Investoren, Visionäre und Politiker interviewt. Und jeder beteuerte seine Wehmut. Aber es gibt verschiedene Wehmüte. Die ehemaligen Mitarbeiter des alten Astoria-Hotels, die immer noch in breit angelegten Astorianer-Treffen zusammen finden, wollen das "Früher" wieder haben. "Wenn das Astoria irgendwann wieder eröffnet, bin ich bei der ersten Silvester-Feier mit dabei", sagte eine der Ehemaligen. Ein früherer Koch erzählte von Potemkinschen Dörfern, die hier zu DDR-Zeiten für Funktionäre erbaut wurden. Die Fotografen, Geocacher, Musiker und Sprayer dagegen mögen ihre Lost Places, so wie sie sind, eben lost. Geht es darum, diese Orte wieder her zu stellen? In einer anschließenden Diskussion erzählt Ingrid, dass sie sich bei bei solchen Bildern immer vorstellen muss, wie es früher dort ausgesehen hat, als Leute dort gearbeitet haben. Das geht mir überhaupt nicht so. Ich will die Spuren der Zeit sehen. Was genau die Faszination an morbiden Gemäuern ausmacht, konnte ich noch nie auf den Punkt bringen. Einer der Fotografen im Film sagte: Für ihn sei es so eine Art Märchen, ein verwunschener Ort. In keinem Reiseführer zu finden. Geheimnisvoll. Illegal. Das gefällt mir. Der Film zeigt atemberaubende genauso wie traurige Einstellungen von Orten, die dem Untergang geweiht sind. Clemens Meyer hat einen großartigen Auftritt. Andreas Keller vom Centraltheater kriecht bis in den Waschraum des alten Postbahnhofs in Schönefeld, Rückenbürste und Seifenbeutel hängen noch da, die Gleise aber sind schon verschwunden. Natur greift um sich. Man sieht die Anfänge des leidigen City-Tunnels, der bereits 1913 in Teilen fertig gestellt wurde und unter Leipzig einsam herum steht, ungenutzt. Genauso wie die ehemaligen Lagerräume für Obst und Gemüse unter dem Bowlingcenter, die eher an Hannibal Lector erinnern, wie einer der Geocacher bemerkt. "Geschichten hinter vergessenen Mauern" ist ein toller Film. Ein paar kleine Kritikpunkte hätte ich trotzdem: Manchmal passt die Musik nicht zu den Bildern. Die Tonqualität mancher Gespräche lässt zu wünschen übrig. Die Erzählerin spricht zu schnell, die Textstruktur gefällt mir nicht. Der Film könnte ruhig eine Viertelstunde kürzer sein. Aber das ist meine Auffassung, sehen andere vielleicht nicht so. Ich bin froh, dass es diesen Film gibt. Und jetzt noch ein paar Bilder vom sowjetischen Pavillon: