Schlagwort-Archive: Auwald

Neulich im Auwald

Die kleine Hexe besaß ihr Häuschen mitten im dichten, dunklen Wald: P1050821Wenn die Hexe übermütig war, spielte sie Dornröschen und zauberte sich eine undurchdringliche Hecke vor das Küchenfenster: P1050804Aber eigentlich war die Hexe romantisch veranlagt: P1050812 Tagelang saß sie schmachtend auf der kleinen maroden Bank unter ihrem Lieblingsbaum und träumte von einem schönen, klugen Mann: P1050820 Vor lauter Träumerei ließ sie ihren Haushalt ein bisschen von der Leine. Aber eigentlich war Hausarbeit nichts für die Hexe, sie hatte ganz andere Ambitionen. P1050813 Am liebsten schlief sie unter freiem Himmel: P1050833Aber eines Tages war damit Schluss. Da tauchte nämlich ein Lindwurm auf. Der gab mächtig an mit seinen vielen Beinen: P1050828 Das ließ die Hexe kalt, sie war zufrieden mit ihren zwei Beinen. Aber manchmal wurde ihr die Warterei doch zu lang. Schwere Stimmungen plagten sie. Mitunter wurde sie so wütend, dass sie mit genau einem ihrer zwei Beine ihren Geräteschuppen in die Seitenlage beförderte: P1050831Doch eines Tages war etwas anders. Da prangte plötzlich ein Blutfleck auf der Wand - sehr gruslig: P1050834 Der Blutfleck war vom Froschkönig. Der war in der Nacht zuvor hier gelandet - böse Zungen behaupten, eine Prinzessin hätte ihn mit der Hand geworfen, ganz weit ins Nirgendwo hinein - aber gelandet war er nun hier, bei der Hexe. Und es war ein netter Froschkönig. P1050838 Er war geradewegs durch den Dachstuhl geplumpst. Dabei hatte er sich verletzt und den Blutfleck verursacht. P1050847"Schwamm drüber", sagte die kleine Hexe, lächelte still, machte den Blutfleck weg und heizte den Ofen an.

Neuigkeiten von der Zwergenburg

Letztens bin ich mal wieder an meinem Weihnachtsgruß hier vorbei gekommen und schaut, die Zwergenburg ist mittlerweile ganz schön gewachsen: P1040959Bei näherem Betrachten war dann auch schnell klar, dass sich hier ein Cache verbirgt - ich sach natürlich nicht, wo sich dieses Kleinod befindet, bin ja kein Spielverderber! Aber nette Details gibt es hier zu entdecken, auch wenn ich sie lausig fotografiert habe, tut mir leid: P1040958P1040963     P1040962 P1040964P1040965  

Mumienbotanik

Manchmal komme ich mir nichts dir nichts zu neuen Wörtern. Oft werden Sie von wahren Auskennern einfach so nebenbei fallen gelassen, wie in diesem Fall: Mumienbotanik. Dieses Wort habe ich von einem Biologen gelernt. Und was bedeutet es? Wenn man es weiß, ist es logisch. Mumienbotanik, das ist zum Beispiel das trockene Gestrüpp, dass im Winter aus dem Schnee heraus guckt. Und das finde ich ja wunderschön. Die Mumienbotanik ist auch einer der Gründe, weshalb ich mich jedes Jahr aufs Neue in den Herbst verliebe... ahhh, Regen, Nebel, schwere Stimmungen, nasse Erde, dampfendes Restgrün, bunte Farben u.s.w. Im Sommer tragen Bäume und Sträucher schwer an Laubwerk. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden. Aber unterm Strich - mal ehrlich - ist dann alles einfach nur grün. Da geht noch was! Im Herbst dagegen fallen alle Blätter runter. Sie polstern den Fußweg, während Bäume und Sträucher ihre zauberhaften Strukturen entblößen. Da kommt quasi die Essenz der Natur zum Vorschein. Es sieht alles so grafisch aus, die ausschweifenden Verästelungen, die bizarr-vertrockneten Samenstände. Also hab ich mal etwas Mumienbotanik im Lieblingsauwald gesammelt:

P1040710Eine wahre Formenpracht:

P1040711 P1040712 P1040713Und am Ende habe ich alles mit künstlichem Schnee aus dem Modelleisenbahnladen besprüht und nu stehts da und sieht schön aus: P1040716  

Blicke von Bänken

Drüben bei Jochen hab ich die neue Serie entdeckt: "Blicke von Bänken". Das hab ich auch mal ausprobiert, ganz bewusst. Beim Sitzen auf einer Bank befindet man sich ja in einer guten Ausgangsposition: Man sieht den anderen zu. Ein bisschen wie Theater, noch dazu kostenlos. Ich habe eine Bank im städtischen Auwald gewählt, weil ich da grad unterwegs war. Und tatsächlich ist mir gleich was aufgefallen: Diese Bank befand sich in von Hochstimmung gefluteter Atmosphäre: P1040427P1040424 Der Blick nach vorn wie nach oben war weit, hell, blau und grün. Und diese Weite lässt offenbahr Gefühle zu.     P1040429P1040431 Denn um diese Bank herum fanden sich Spuren von Liebe. Man sieht es an den hinterlassenen Herzchen.  

Und auch die Bank von schräg gegenüber - einfach nur positiv.

P1040430Komisch nur, dass ich da ganz allein war. Alle anderen fuhren nur ihr Kinder und Fahrradhelme spazieren. Wahrscheinlich muss man auf dieser Bank vor allem sich selber mögen.

Verhaltenstraining

Joggen im Auwald kann bedeuten, zwei Seelen auf einmal glücklich zu machen. Die erste Glückliche ist die Joggerin (ich). Die zweite glückliche Seele ist womöglich ein wildfremder Hund. Wenn sich Jogger und Hunde richtig aufeinander einstellen, können beide nur gewinnen. Viele Hundebesitzer sind im Wald unterwegs. Wenn sie von weitem einen Jogger sehen, bleiben sie stehen und bedeuten ihrem Hund, sich hinzusetzen. Das passiert anscheinend nur, um die Sicherheit der Rennenden zu wahren, denn so mancher Vierbeiner verspürt mitunter große Lust, sich zwischen verschlammte Joggerbeine zu stürzen und jegliche Bewegungsabsichten mit einem Biss zu zerstören. Der Hund muss sich also setzen und wenn er das gut macht, fasst Herrchen oder Frauchen in die Jackentasche, zückt ein Leckerli und befördert dies in den bereits geöffneten Schlund des Hundes. Mittlerweile ist der Jogger vorbei gerannt und Hund und Besitzer gehen brav weiter. Genauso habe ich es unlängst wieder beobachtet. Als ich aber Hund und Besitzer auf der Rennrunde das zweite Mal an diesem Tag begegne, passiert Folgendes: Der Hund sieht mich, setzt sich automatisch hin, guckt sein Herrchen an und reißt sein Maul auf. Denn Jogger von vorn heißt - so hat er gelernt: Leckerli aus der Jackentasche. Der Hundebesitzer muss sich fügen. Gern geschehen, denke ich und renne weiter.

Blogparade: Lieblingsort Leipzig

Adelina vom Blog "Leipzig Lieben" veranstaltet eine Blogparade. Es geht - natürlich - um Leipzig. Sie fragt nach den Lieblingsorten der Leipziger - bitte hier entlang. Da kommt man ins Grübeln. Sofort dachte ich erst: Das Grassimuseum mit dem verschlafenen Friedhöfchen.

Hinter diesem wunderschönen Tor ist der Friedhof:

P1000456 Und vor dem schönen Tor gehts links und rechts hinein in den Museenkomplex: Völkerkunde, Angewandte Kunst und Musikinstrumente. Da kann man Stunden drin verbringen. Allein der Art Deko-Bau mit dieser artifiziellen Ananas auf dem Dach: hier gucken und die frisch sanierten Josef Albers-Fenster: hier gucken. Aber dann dachte ich: Lieblingsort, das ist doch was anderes. Ein Lieblingsort ist einer, den man freiwillig so oft wie möglich aufsucht. Komischerweise verbinde ich mit Lieblingsort Einsamkeit. Einsamkeit in ihrer positiven Auslegung: Meinen Lieblingsort suche ich auf, wenn ich allein sein will. Das ist ein Ort, an dem man seine eigenen Gedanken besser ertragen kann. Und da muss ich sagen - obwohl ich ein Stadtkind bin - das ist für mich der Auwald. Von Wasser durchädert, verwildert, krautig, moosig, gefährdet - ich bin ca. zwei Mal in der Woche dort. Wie gut, dass er in zehn Minuten erreichbar ist. Ich könnte hier so viele Auwald-Bilder einstellen, aber die Schönheit, die ich da sehe, stellt sich vermutlich nicht für andere Augen her. Also beschränke ich mich auf eine Stelle: Es ist der Krötentümpel, über den ich hier schon berichtet habe.

Das ist die Stelle, einmal trübe im Spätherbst:

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Und einmal sonnig im Mittelherbst:

P1020048 Ich habe schön öfter über den Auwald geschrieben: hier und hier. Im Auwald nachdenken. Im Auwald rennen. Das möchte ich nicht mehr missen. Übrigens, wer etwas für den Auwald tun will - es gibt ja Sachen wie Abholzungen, merkwürdige Maßnahmen zum Hochwasserschutz, plötzlich auftauchende betonierte Pfade etc. - der wird einfach Mitglied im Ökolöwe e.V. Tut nicht weh und wirkt.

Ein neues Jahr

Nach Weihnachten folgt Silvester, da gibt' s nichts zu rütteln. Was denkt ihr? Wird 2012 die Welt untergehen? Es rasseln ja derzeit genügend Säbel. Nehmt ihr euch etwas für das neue Jahr vor? Ich will 2012 mehr ins Theater, ich möchte mehr verreisen, Tanzparties organisieren und mehr schreiben. Mal sehen, wie viel ich davon umsetze. Ansonsten finde ich, bin ich schon ganz schön fleißig 🙂 Das soll auch so bleiben. Nur nicht nachlassen, Judith. Diesen Rat an mich muss ich auch auf meinen Blog beziehen. Ich glaube, manchmal ist der ganze Kram hier etwas langweilig... An dieser Stelle möchte ich einmal - und das habe ich noch nie getan - ein paar Blogempfehlungen aussprechen. Nur wenige aus meiner großen Blogleseliste, bei denen ich besonders gern vorbei schaue: Anders anziehen - Den Blog kennt wahrscheinlich sowieso jeder. Aber seit über einem Jahr freue ich mich jedes Mal wie verrückt, auf diese Seite zu gehen und zu schauen, wen Smilla wieder auf der Straße angesprochen hat! Manchmal sind die Geschichten so bewegend, dass ich heulen muss. Denkding - Pia Ziefle berichtet hier in einem sehr eigenen Stil und vor allem sehr oft über das Internet und seine Chancen. Wenn das Denkding eines nicht ist, dann gedankenlos. Außerdem kommt im Januar Frau Ziefles Debütroman heraus, auf den ich sehr gespannt bin. Northend - Ich kenne mich mit Fußball überhaupt nicht aus - was ein Abseits ist, begreife ich nie. Das Fußball aber irgendwie eine große Idee birgt, das spürt man bei Northend: Hier gibt es unvergleichliche Impressionen und manchmal kann man fast ein bisschen Angst bekommen. Für das Fußball-EM-Jahr eine willkommene Abwechslung. Fahrbier - ist ein ÖPNV-Blog. Hier geht es um Fortbewegung und zwar in New York. Eine U-Bahn ist ja fast so etwas wie eine Parallelwelt... Ob wir mit dem City-Tunnel hier bald mitreden können? 🙂 Heldenstadt - Unverzichtbarer, täglicher Rundumschlag mit Nachrichten und Links aus Leipzig. Braucht man einfach, wenn man hier wohnt!!! Berlinessa - noch mal New York, das ist Zufall. Aber die Unbeschwertheit von Berlinessa ist kein Zufall, die ist echt und macht einfach Spaß. Tofubratwurst - hat keinen Blog, aber einen beeindruckenden Flickr-Account. Wer Urban Exploration mag, findet hier ein Paradies. Aber die Tofubratwurst fängt nicht nur Lost Places gekonnt ein, sondern macht auch faszinierende Porträts von Menschen am Rand der Gesellschaft. Wirklich! Zum Jahreswechsel grüße ich euch mit ein paar aktuellen Impressionen aus dem Leipziger Auwald. Ist er nicht wunderschön? Wahrscheinlich kannte Peter Jackson den Leipziger Auwald noch nicht, als es für den Dreh von "Herr der Ringe" extra nach Neuseeland reiste. Ts, dabei liegt das Gute so nah. Ich wünsche euch ein phantastisches neues Jahr!!! Aber so was von!