Artikel-Schlagworte: „Bahnhof“

Bahnhofsgespräch

Donnerstag, 30. Juni 2011

Über den Inhalt seines Wäscheschrankes kann man schon mal ausgiebig reden. Folgendes Gespräch von zwei rüstigen Rentnerinnen auf dem Hallenser Bahnhof aufgeschnappt und so original wie möglich wieder gegeben:

- Mein rotes Bettlaken, weißte, dass für zweineunundneunzich, das färbt.

- Hat jefärbt?

- Ja, das warn Schönes, janz weich. Habich mich jefreut, als ich das für denne Preis jekriegt hab. Aber nu is mein janzes Unterbett rot. Das hat man nu von den Preis.

- Ich schlaf zur Zeit nur mit Bezuch. Wenns so warm ist, reicht das ja völlig.

- Ja, das haste Recht, das reicht ja völlich. Oder einfach  nur mit nem Laken zudecken.

- Ja.

- Weißte, ich hab son schönes, großes, einfünfundfuffzig ist das breit.

- Ach Jisela (Namen von der Redaktion geändert), das is doch nich einsfünfundfuffzich! Ein Laken ist höchstens neunzich breit.

- Ich meine, das ist…

- … höchstens ein Meter breit is son Laken.

- … ich meine doch, es is wirklich groß. Weißte, meine Matratze ist doch so hoch, un da krieg ich das noch locker drübber.

- Ach so.

- En schönes Laken is das, ganz weich und kuschlich, so richtich kuschlich.

- Sone weiche Bettwäsche hab ich och. Hab ich zur Elfriede (Namen von der Redaktion geändert) jesacht, das is so weich un kuschlich, jenau richtich fürn Winter.

- Ich hatte mal son weiches Nachthemd. Das hab ich nur einma angezogen. Was ich da drin jeschwitzt hab.

- War das aus dem Laden, wo wir ma zusammen de Laken jekooft ham?

- Nee. Aber de Laken ham übrigens jekrümelt, die warn nix.

- Kennste dieses rutschige Zeug?

- Sateng!

- (kichert) Da hattich ma Bettwäsche und Laken uffjezogen, da bich ich voll weg gejerutscht. (kichern beide) So was brauch ich nich.

- Nee, das brauchen wir nich.

Wartekunst

Dienstag, 10. August 2010

Wartend auf dem Bahnsteig entdeckte ich letztens genau vor meinen Füßen diese Installation. Da hat sich jemand die Mühe gemacht, dicht an dicht lauter unterschiedliche Flaschendeckel in den harten Fliesenzwischenraum zu rammen. Nun frage ich mich, wie dieses Werk zustande kam? Hat jemand zu Hause die Deckel gesammelt und ging regelmäßig auf diesen Bahnsteig, um sein Vorhaben Stück für Stück umzusetzen? War es ein unglücklicher Schluckspecht, der es liebte, von genau dieser Stelle aus die ein- und ausfahrenden Züge zu beobachten und dabei gedankenverloren sein Tagespensum an Bier hier zu verewigen? Oder war es gar ein trauriger, womöglich verlassener Mensch, der hier in beginnender Verwirrung auf jemand wartete, vergeblich, denn dieser Jemand trieb sich längst auf anderen Bahnhöfen herum?

Die Deckel sind abgetreten, womöglich handelt es sich um ein älteres Werk. Auf jeden Fall ist es unvollendet. Vielleicht sollte man das Erbe des ehemals Wartenden annehmen und das Muster zu Ende bringen. Vielleicht entdeckt man dabei ein Geheimnis, dass niemand je geahnt hätte…  am Bahnsteig 10?

Nie und Nirgends

Donnerstag, 1. Juli 2010

Diese Bahnanlagen hinter Glas entdeckte ich in Gera. Es handelt sich um den Ort NIERGENDWO. Wo Niergendwo dran steht, ist auch Niergendwo drin. Wer sich wundert, dem erklär ich’s gern: Niergendwo stammt von der Niere ab. Sieht man ja an der gleichen Silbe NIE, nich wahr. Doch, doch, das ist schon ganz richtig. Es geht in der Niere wie im Niergendwo um das Ausscheiden von Endprodukten. Bei der Niere ist das der Urin (nicht zu verwechseln mit dem Ruin) und an der Haltestelle Niergendwo sind das die Reisenden. Ist doch ganz klar. Wenn jemand noch Fragen hat zur Herleitung von schwierigen Rechtschreibungen – bitte, fragt mich! Einfach raus damit.