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Fauler Sommernachmittag – weil er so selten ist

Die Sonne lacht, das Herze auch. Im Liegestuhl auf dem Balkon flezend driften die Gedanken einmal hoch an den blauen Himmel und zurück. Nebenan aus dem Arbeitszimmer schwingt Gabby Pahinui seine Ukulele und singt Ka Loke und Hi'Ilawe und Ka Mele Oku'U Pu'Uwai und verschluckt sich dabei andauernd. Seit dem Film "The Descendants" schwöre ich auf hawaiianische Musik zur Entspannung. Dabei genehmige ich mir flott die Kolumne von Stefan Schwarz im neuen Gastro-Kreuzer und muss kichern. Ich muss lauter kichern. "Warum lachst du", fragen Herr Urz und Herr Schlönske. - "Versteht ihr nicht", sage ich und lese weiter. Wieder muss ich lachen, diesmal noch lauter. "Zeig mal, warum lachst du", fragen sie wieder, diesmal fordernder. Sie wollen mitlachen. Aber ich kann und will ihnen nicht den Zusammenhang zwischen Kohl essen, draußen rauchen und Gruppenverhalten erklären. Nö. Aber, das ist ja gut am Lachen, dass man damit nicht allein bleibt. Allein lacht doch nur der Teufel. Seufzend lehne ich mich noch weiter in den Liegestuhl, wenn er alt ist, funktioniert das - wegen des ausgeleierten Gewebes. Es knäckert leise im Gebälk, der Himmel schwummert. Ich muss an eine Bekannte denken, die unlängst am Spielplatz ihr übrig gebliebenes Dienstbrot auspackte und mit der Entschuldigung hinein biss: "'Ich hab Hunger, muss mal meine Schicht-Knifte essen." Ha, ha, Knifte, was für ein Wort für eine geschmierte Stulle. Aber wenn sie so kompakt und schnurgerade geschnitten ist, passt es. Knifte. Aber das schönste Wort für eine Stulle, die am Tag nicht aufgegessen wurde und abends aus der Brotbüchse geholt wird, heißt HASENBROT. Ich weiß noch, wie zu Hause das Mädchen von unten immer Hasenbrot auf dem Hof bekam. Dann bog nämlich ihr Opa mit dem Fahrrad um die Ecke und der hatte seine Schicht-Stullen nie aufgegessen, denn immer holte er diese große Aluminium-Brotbüchse raus und da drin lag - noch mal in Butterpapier eingeschlagen - ein zusammen geklapptes Brot. Mit Leberkäse drauf. Und so sorgsam geschnitten und geschmiert, dass keine einzige Wurstecke hervorlugte. Was war ich neidisch. Ich glaube, ich muss mir erst einmal etwas zu Essen holen.

Balkonien kommt von oben

Was hier hängt, ist unser neuer Balkonfußboden. Noch schwebt er über der Straße, aber gleich fliegt er geradewegs über das Dach unseres Hauses und hinten wieder runter direkt vor unsere Balkontür. Und das hier ist der diensthabende Kran: So und nun ratet mal, wer hier den ganzen Tag, an dem die Balkonzementoschiböden durch die Luft gondelten, der Oberchef war? Der Kranfahrer natürlich! Erstens kam keiner an ihm vorbei, weil er sowieso die ganze Straße ausfüllte. Und selbstverständlich weil so ein Kran zu bewegen ja wohl eine der erstrebenswertesten Aufgaben auf der Welt ist. Ungefähr 50 Mütter und Väter wurden in unsere Straße gezerrt. Hilflos standen sie neben ihren Kindern, die vor Staunen leichte Schnappatmung bekamen. Unsere Balkons waren das Tagesgespräch im Kiez. Und sie haben mal wieder einen der vordersten Berufswünsche genährt. Jeder Mensch ist ein Kranführer. Hat das nicht Warhol gesagt?