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Herr Wosche in China

Vor ein paar Jahren erschien eine Geschichte von mir in der GECKO - Die Bilderbuchzeitschrift. Jetzt ist sie in China verlegt wurden. Da weiß man mal, wie sein Name auf chinesisch geschrieben wird. Der Titel heißt in der deutschen Ausgabe "Herr Wosche". In dem chinesischen Buch wurde er übersetzt mit "Herr Kreuzundquer" oder "Herr Raufundrunter" oder so ähnlich. Herr Wosche hat nämlich ein Problem mit der Koordination seiner Gliedmaßen. P1070125

Und noch einmal in eigener Sache:

Heute, am 15. August, 14:00 Uhr, hat Bayern 2 mein erstes Kinderhörspiel gesendet. Es heißt "Weltverbesserer" und eine der Rollen spricht ChrisTine Urspruch, bekannt als "Sams" und "Alberich" aus dem Münsteraner Tatort. Sie macht das phänomenal, ich freu mich wie verrückt! Hier gehts zur Sendung Und hier ist der Podcast

Das Leben im Park

Fundstück: eine hellblau-salbeifarbene Vogeleihälfte, Fundort: Abtnaundorfer Park Leipzig Seit dem Entstehen des Parks um 1750 herum, brechen hier die Vogeleier auseinander. Sag ich mal. Sei es, weil die Küken gewaltsam dem Leben entrissen werden oder sie höchstselbst dem Leben entgegen zu fliegen bereit sind. Gelebtes Leben steckt auch in diesem Schatten einer Figur aus Drahtgewebe der Künstlerin Franziska Möbius: Ich zitiere von der Seite www.stadt-land-kunst.org: "Durch das halbtransparente Material werden sie (die Figuren aus Drahtgewebe) zur Erscheinung, zur Ahnung davon, wie viele Menschen schon in diesem Park lustwandelten. Dazu gehörte auch Clara Schumann, die am 12. September 1840 Robert Schumann in der Schönefelder Dorfkirche geheiratet hatte." Clara Schumann heiratete ihren Robert gegen den Willen ihres Vaters. Wie oft ging sie wohl (die Schumanns lebten vier Jahre in Leipzig) durch den Park, fand dabei eine ebensolche Eierschale, hob sie auf und bewegte sie mit ihren langen, schmalen Klavierfingern hin und her und verfluchte dabei innerlich den strengen Übervater, der sie von Kindesbeinen an kontrolliert und getriezt hatte. Vielleicht stand sie an dem Teich und trat ihrem Vater in Gedanken in den Hintern. Vielleicht rannte sie übermütig mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Christian Andersen über die Wiesen und machte sich mit ihnen über dilettantische Musiker lustig. Hier dachte sie wahrscheinlich über die Verse von Shakespeare oder Goethe nach, die sie nun endlich - der Herrschaft des Vaters entronnen - lesen durfte. Und hier haderte sie mit sich, weil in der Ehe mit Robert einiges auch nicht so lief, wie sie sich das vorgestellt hatte. Und heute rennen wir hier rum. Treten anderen Leuten gedanklich in den Hintern, manchmal auch uns selbst. Denken über Gelesenes nach, planen Geschriebenes. Ich danke dem Kreuzer für diesen Spazier-Tipp.                             Dr. Traugott Thomasius hatte den Park in Abtnaundorf um 1750 herum als Rittergutspark angelegt. Ab 1789 gelangte das Rittergut in den Besitz der Familie Frege, die dem Park bis etwa 1920 immer wieder bebauten und veränderten. Sie hatten viel zu tun, denn z. B. wurden große Teile des Parks während der Völkerschlacht zerstört. Völlig kaputt ging dieses schöne Fleckchen unter der Naziherrschaft und während des Zweiten Weltkriegs. Einige Elemente der ursprünglichen Parkgestaltung haben es bis heute geschafft, so der Teich mit Insel und Tempel, ein Säulenstumpf am Teich, ein Gedenkstein im Wald, eine Bogenbrücke über die Parthe und die Kastanienallee.

Eine neue Buchstabler-Geschichte

Und wieder ist eine Buchstabler-Werkstatt im Kindergarten "Familiengarten" zu Ende gegangen. Mit Frida, Diana, David, Julius, Matteo, Tim, Tillman und Raphael hatte ich vergnügliche Nachmittage. Wir stellten fest, was für ein schönes Wort KAKAO ist. Wir erfanden die Wörter VIBIZILLI, was etwas Langes, Roten und Scharfes bezeichnet und HALLOPULOPE, was ein neuartiger Willkommensgruß ist. Natürlich haben wir uns auch eine Geschichte ausgedacht, heraus gekommen ist eine ganz wilde und verblüffende Odyssee: Die unechte Schatzkarte – eine verwirbelte Geschichte Es war einmal ein Piratenschiff. Auf dem hatte Kapitän Palifrima das Kommando über 50 Piraten. Und so sah der Palifrima aus: Auf seinem Kopf saß eine Mütze, auf der ein Anker und ein Totenkopf zu sehen war. Im Gesicht trug Palifrima einen langen Bart und seine Hosen waren kaputt. Das kam übrigens von dem Seewetter, denn wenn es oft stürmt und regnet, gehen Hosen schnell kaputt. Sie werden nass und nässer und dabei immer lang und länger und irgendwann tritt man drauf und sie zerreißen. Palifrimas bester Freund war der Blauwal Otili, das größte Tier, das im Ozean schwamm. Eines Tages schenkte Otili Palifrima eine Schatzkarte, die er im Meer gefunden hatte. Darauf war eine Insel eingezeichnet, die bestand nur aus einem runden, hohen Felsen. Ganz unten im Felsen, direkt auf dem Meeresboden, war ein Schatz versteckt. Palifrima nahm Kurs auf die Insel, um den Schatz zu heben. Aber was Palifrima nicht wusste: Die Schatzkarte war nicht echt. Sie war nur gemalt und ausgedacht – von Julia und Finn. Julia und Finn wohnten in einem kleinen Haus auf der Spitze einer Steilküste, an deren Fußende direkt das wilde Meer tobte. Bei einem Sturm war die Schatzkarte vom Küchentisch durch das offene Fenster hinaus aufs Meer geflattert, wo sie Otili fand und Palifrima brachte. Julia und Finn hatten natürlich gemerkt, dass ihre Schatzkarte plötzlich weg war, konnten sich das aber nicht erklären. So kochten sie sich einen Pudding und wuschen hinterher gemeinsam das Geschirr ab. Als sie die Dreckbrühe vom Abwasch aus dem Fenster heraus ins Meer schütteten, hörten sie plötzlich ein Furcht erregendes Geräusch. Otili war gerade unter der Klippe entlang geschwommen, als er die olle Puddingbrühe auf den Kopf bekam. „Seid ihr verrückt geworden?“, fragte Otili empört. Er hatte von weitem den Felsen der Steilküste gesehen und gedacht, es würde sich um die geheimnisvolle Schatzinsel von der Karte handeln. Dank der Abwaschbrühe wusste er nun, dass es der Felsen war, auf dem Julia und Finn wohnten. Die beiden entschuldigten sich bei Otili und fragten bei der Gelegenheit gleich nach, ob er vielleicht ihre Schatzkarte auf dem Meer gesehen habe. „Die Schatzkarte“, rief Otili! „Na klar, die habe ich Palifrima gegeben.“ „Wer ist Palifrima“, fragten Julia und Finn? „Na eben Palifirma“, sagte der Wal. „Den kennt man doch!“ Die beiden Freunde fragten Otili, ob er sie zu Palifrima bringen könnte. Er forderte sie auf, in sein Maul zu krabbeln. Im Bauch des Wals war es sehr gemütlich. Es gab einen Fernseher, alte Sessel und alte Boote. Übrigens, wenn man aus diesem großen Walbauch wieder raus wollte, musste man eine lange Alge wie ein Lasso schwingen, so dass sich die Schlinge an einem Zahn des Wals festmachte. Dann konnte man an der Alge wieder rausklettern. Als Otili mit Julia und Finn bei Kapitän Palifrima ankam, beichteten die Kinder dem Piraten, dass die Schatzkarte gar nicht echt ist. Palifrima war sauer. „Mensch!“, brüllte er und haute vor Wut so sehr auf den Tisch, dass dieser zerbrach. Aber die Wut dauerte nicht lange, denn Julia und Finn hatten auf der Reise im Bauch des Wals, hinter einem alten Sofa, noch eine andere Schatzkarte gefunden. Darauf war ein Vulkan eingezeichnet, in dem der Schatz versteckt sein sollte. Auf der Stelle segelten Palifrima, Otili, Julia und Finn zu diesem Vulkan. Wie gut, dass sie so viele waren, denn der Schatz wurde von drei finsteren Gesellen bewacht: von einem Troll, einem Roboter und einem Drachen. Den Troll besiegten die Freunde mit Messern und Feuerpfeilen. Für den Roboter bauten sie aus einem Stückchen Holz und einer Batterie eine Fernbedienung, mit der sie ihn einfach abschalteten. Den Drachen schließlich legten sie herein. Sie erzählten ihm, dass im Meer noch ein viel größerer Schatz verborgen lag und so verließ der Drache den Vulkan, um den anderen, größeren Schatz zu suchen. Die Freunde hatten freie Bahn. Vor Freude stimmten sie ein Liedchen an: Wir haben gescheuert Und auch mal gefeuert. Roboter schalten wir einfach aus Und gehen danach nach Haus. Den Troll schießen wir um Und dann ist er krumm. Den Drachen haben wir rein gelegt Jetzt ist die Schatzinsel leer gefegt. Aber nun holen wir unsern schönen Schatz Und für alle gibt’s einen dicken Schmatz! Dann schauten unsere Freunde auf ihre Schatzkarte: Der Schatz lag direkt im Vulkan. Also musste dieser erst einmal gelöscht werden – natürlich mit Meerwasser. Die 50 Piraten von Palifrima bildeten eine Eimerkette und auch Otili leitete mit Hilfe eines Schlauchs, der auf die Fontäne auf seinem Rücken gestülpt war, Wasser in den Vulkan. Bald war der Vulkan gelöscht und Palifrima, Julia und Finn stiegen hinunter. Aber, was war das??? Die Freunde waren nicht wenig erstaunt, als sie lauter Zwerge entdeckten. Tatsächlich lebten in diesem Vulkan 200 Zwerge, die sehr wasserscheu waren und in der Hitze des Vulkans die schärfsten Schwerter der Welt schmiedeten. Dazu benötigten sie allerdings das ganze Gold und Silber aus den Schatzkisten. Das mussten Palifrima, Otili, Julia und Finn erstmal verdauen: Alles war umsonst gewesen! Kein Schatz wartete auf sie! Aber plötzlich wussten sie, dass es gar nicht mehr auf einen Schatz ankam. Das, was sie gefunden hatten, war ja auch so etwas wie ein Schatz. Die Zwerge baten die Freunde, ihren Vulkan wieder zu trocknen, damit sie weiter leben und ihre Schwerter schmieden konnten. Mit vereinten Kräften pumpten sie das ganze Wasser wieder aus dem Vulkan und eröffneten gemeinsam mit den Zwergen eine Zwergenschule. Im Vulkan konnte man fortan viele Sachen lernen: Häuser bauen, Schwerter schmieden und natürlich auch rechnen, schreiben und lesen. Nachdem Palifrima, Julia und Finn in der Zwergenschule schreiben und lesen gelernt hatten, schickten sie den Kindern im benachbarten Dorf – dass durch eine Brücke mit dem Vulkan verbunden war – einen Brief. Sie sollten wissen, dass sie jetzt eine tolle Schule hatten, wo sie alles lernen konnten. Dann verabschiedeten sich Julia und Finn von Palifrima und hüpften in den Bauch von Otili, damit dieser sie wieder nach Hause bringen konnte. In Zukunft besuchten Julia und Finn den Piratenkapitän und sein Schiff 20 Mal im Jahr. Jedes Mal wurden sie dabei von Otili abgeholt und zurück gebracht. Sie brachten Palifrima immer Schokolade, kleine Geschenke und eine Torte mit. Darüber freute sich Palifrima - besonders, wenn er sich beim Schatz-Heben und Plündern mal wieder verletzt hatte. Einmal hatte er sogar eine Schussverletzung in der Schulter und musste sehr lange das Bett hüten. Da war ihm ein Besuch von seinen kleinen Freunden natürlich sehr willkommen. Ein Topf Hühnersuppe wurde gekocht und ein Fest vorbereitet, zu dem natürlich auch die 50 Piraten und die Zwerge aus dem Vulkan eingeladen waren. Diese kamen mit dem Unterwasserzug angereist. Bei jedem Fest, das übrigens immer im Bauch des Wals stattfand, merkten Julia, Finn, Palifrima und Otili, dass es schön ist, wenn man neue Freunde findet. Im Team kann man viel mehr Sachen unternehmen. Und ganz allein würde eine Schatzsuche ja auch überhaupt keinen Spaß machen.

Ich bin 2. Platz!!!

Es gibt eine feine Kinderzeitschrift: Gecko. Da diese Zeitschrift ihren 3. Geburtstag feiert, rief sie zu einem Jubiläumswettbewerb auf. Ich warf meine Geschichte "Herr Wosche" ins Rennen und bin doch tatsächlich auf dem 2. Platz gelandet und freu mich halbtot!!! Danke, Gecko! Hier gehts lang: www.gecko-kinderzeitschrift.de Eine Veröffentlichung in der Gecko wird wohl erst im nächsten Jahr realisiert werden. Einen passenden Illustrator hat die Redaktion aber schon ins Auge gefasst...  Jetzt heißt es warten, so subtil wie möglich.

„Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck

Der Gärtner schneidet die Büsche, gießt die Rosen, legt Drainagen unter Erde, um die Bäume besser zu bewässern. Im Herbst verbrennt er das überschüssige Laub. Er verbindet die Bäume, damit die Rehe nicht an der Rinde knabbern. Er tut, was im Frühling, Sommer, Herbst und Winter getan werden muss, Jahr ein, Jahr aus. Ein stetes Gedeihen und Vergehen auf dem Grundstück rund um das Haus am Märkischen Meer. Verlassen die Hausbesitzer im Winter ihre Sommerfrische, stellt der Gärtner das Wasser im Haus ab. Der Sommer kommt und geht, genauso wie die Besitzer des Grundstücks, des Hauses, des Badehauses, des Obstgartens. Kommen und gehen, aber niemals scheinen die Besitzer anzukommen. Ihre Schicksale sind geprägt von Träumen, Ängsten, Realitäten. Letztere ändern sich mit der Zeit: Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazizeit, Krieg, DDR, Wende… Die Menschen, deren Lebensgeschichten dieses Haus kreuzen, sind nie Sieger. Das Haus wird heimgesucht von Emporkömmlingen, es erduldet Straftaten, es hütet Geheimnisse. Das Haus ist ein Kleinod mitten in ergreifend schöner Natur und doch findet niemand hier den ewigen Frieden, niemand eine dauerhafte Heimat. Am Ende, wenn das Haus kaputt ist, muss auch der Leser Abschied nehmen von diesem Haus, von dem er inzwischen jedes Detail kennt. Das Haus ist ihm vertraut geworden, genauso wie seine Menschen. Zum Beispiel Klara, die nicht dazu kommt, das Grundstück in eine Ehe mitzubringen, weil sie vorher wahnsinnig wird. Oder der Architekt des Hauses, der zur Gruppe Albert Speer gehörte und dessen Frau früher eine Zirkusprinzessin werden wollte. Ein Rotarmist bohrt am Ende des Krieges mit nur einem Wort ein Loch in ihre Ewigkeit. Der Tuchfabrikant und seine Familie enden in den Gaskammern. Ein Ostdeutsches Schriftstellerehepaar arrangiert sich. Der heiß geliebte Kinderfreund wird später als Mann verschmäht. Die Unterpächter lieben das Segeln, nach all den Jahren im Gefängnis, weil die Flucht in jener Nacht missglückte. Noch tagelang gehen einem diese ganzen Schicksale im Kopf herum. Es ist ganz richtig im Klappentext zu "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck bemerkt: "Worin das Geheimnis dieses Romans besteht, woraus sich sein Glanz, seine Wucht und seine eminente Dramatik entfalten, ist schwer zu sagen." Die poetische Sprache, die eigene Atmosphäre der verschiedenen Kapitel, die psychologische Tiefe, die erst mit der Zeit hinter den Figuren hervortritt – all das berührt. Ich habe lange nicht mehr so ein beeindruckendes Buch gelesen.