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Flohmarkt

Wenn einem die Zeit zu hektisch wird, dann benutze man einen Flohmarkt. Hier tummelt sich ein Schlag von Mensch, der nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen ist. Und hier jubiliert die Vergangenheit: nicht nur in der Ware. Sammler sind ja irgendwie auch fossile Menschen. Es gibt die grimmigen Opas, die alte Abzeichen feilbieten, genauso wie die Flohmarkt-Leithirsche, die eine Menge Kohle mit alten Schränken machen wollen. Die Kommunikation auf dem Markt bewegt sich in unaufgeregten Formeln: "Das hatten wir früher ooch" rangiert ganz vorn, dicht gefolgt von: "Das fehlt heude! Das ham wir früher jedes Wochenende jemacht. Aber heude gibts da nisch mehr. Da fehlt was." Ach, ich geh gern auf den Flohmarkt. Man sieht dort viele nervige Menschen in einem anderen Umfeld. Man bekommt einen anderen Blick auf sie. Wenn sich die Zeiten ändern, empfiehlt sich ein Besuch an dem Ort, wo sie stehen geblieben zu sein scheint. Plötzlich versteht man einige Dinge ein bisschen besser.

Schaufenster, die Dritte

Ich habe euch ja schon zwei Mal das kleine, unbekannte Schaufenster vorgestellt: hier und hier. Jetzt bin ich hinter sein Geheimnis gekommen. Das Schaufenster gehört Herrn Schröter, er ist der Vermieter des Hauses in der Scharnhorststraße 8. Leider wollte sich Herr Schröter nicht fotografieren lassen, aber er erklärt mir freundlich und bestimmt den Sinn seines Fensters: "Schaufenster sind immer kommerziell.", sagt er. "Sie sollen zum Kaufen verführen. Unseres nicht." Der Laden hinter dem Schaufenster wird schon lange als Abstellfläche benutzt. Für die Gestaltung des Schaufensters aber kann man sich mit einer Idee bewerben. Franziska und Juliane hatten damit gerade Erfolg. Das ist Juliane. Wie ihre Mitstreiterin Franziska studiert sie Kunstpädagogik und war auf der Suche nach einem außerschulischem Projekt. Gemeinsam mit Kindern wollten sie das Schaufenster neu gestalten. Gefunden haben sie dafür die beiden Schwestern Emma und Kristin:

Und das neue Schaufenster sieht so aus:

Es stellt einen Planeten dar und heißt "Um kurz nach halb zwölf". Was das bedeutet, muss jeder für sich herausfinden. Denn das hier ist "Kommunikation", wie Herr Schröter sagt. "Wir wollen nix verkaufen, sondern zum Nachdenken anregen oder einfach nur Freude machen. Es gibt ja sonst nicht so viel auf der Scharnhorststraße zu sehen." Basta. Dann mal los.

Und jetzt wäre zu überlegen, ob ich mich an die Gestaltung des nächsten Schaufensters im Frühling mache???