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Situationskomik

Ein Tag in der Toskana-Therme bringt merkwürdige Momente mit sich. Da sitzt man bis zum Hals in einem Whirlpool-Kochtopf im Kreis mit lauter älteren Leuten. Bärtige Gesichter und wild bewachsene Nacken: links von mir ein einzelner Mann, rechts von mir ein stummes Paar. Alle schauen mit hängenden Wangen in die Mitte. Das Wasser sprudelt wie wild und brandet Tropfen in die regungslosen Gesichter. Dampf steigt auf. Da kommt mir das Bild der Japan-Makaken in den Sinn. Die Schnee-Affen sitzen in den eiskalten Bergen von Honshu im warmen Thermalwasser und starren genauso in die Landschaft, während der Schnee im Haupthaar gefriert. Ich kriege den Lachanfall meines Lebens. Weil das Wasser so laut brodelt, ist mein Gegacker nicht zu hören. Mein lachverzerrtes Gesicht dagegen ist deutlich sichtbar. Ich muss so sehr lachen, dass auch meine Begleitung angesteckt wird, obwohl sie von meinen Assoziationen nichts weiß. Wir sitzen noch mehr bebend als vom Whirlwasser ohnehin schon durch geschüttelt und lachen und lachen. Die Makaken neben uns tun so, als wäre nichts passiert. Irgendwann sehen sich die beiden gegenüber sitzenden Männer  an. An dem Blick lässt sich beim besten Willen nicht ablesen, was sie von der Situation halten. P.S. Ein bisschen Dr. Klöbner und Herr Müller-Lüderscheid und eine Ente, die endlich zu Wasser gelassen werden soll, stecken auch in dieser Situation. Hihi, was für ein Spaß.

Fauler Sommernachmittag – weil er so selten ist

Die Sonne lacht, das Herze auch. Im Liegestuhl auf dem Balkon flezend driften die Gedanken einmal hoch an den blauen Himmel und zurück. Nebenan aus dem Arbeitszimmer schwingt Gabby Pahinui seine Ukulele und singt Ka Loke und Hi'Ilawe und Ka Mele Oku'U Pu'Uwai und verschluckt sich dabei andauernd. Seit dem Film "The Descendants" schwöre ich auf hawaiianische Musik zur Entspannung. Dabei genehmige ich mir flott die Kolumne von Stefan Schwarz im neuen Gastro-Kreuzer und muss kichern. Ich muss lauter kichern. "Warum lachst du", fragen Herr Urz und Herr Schlönske. - "Versteht ihr nicht", sage ich und lese weiter. Wieder muss ich lachen, diesmal noch lauter. "Zeig mal, warum lachst du", fragen sie wieder, diesmal fordernder. Sie wollen mitlachen. Aber ich kann und will ihnen nicht den Zusammenhang zwischen Kohl essen, draußen rauchen und Gruppenverhalten erklären. Nö. Aber, das ist ja gut am Lachen, dass man damit nicht allein bleibt. Allein lacht doch nur der Teufel. Seufzend lehne ich mich noch weiter in den Liegestuhl, wenn er alt ist, funktioniert das - wegen des ausgeleierten Gewebes. Es knäckert leise im Gebälk, der Himmel schwummert. Ich muss an eine Bekannte denken, die unlängst am Spielplatz ihr übrig gebliebenes Dienstbrot auspackte und mit der Entschuldigung hinein biss: "'Ich hab Hunger, muss mal meine Schicht-Knifte essen." Ha, ha, Knifte, was für ein Wort für eine geschmierte Stulle. Aber wenn sie so kompakt und schnurgerade geschnitten ist, passt es. Knifte. Aber das schönste Wort für eine Stulle, die am Tag nicht aufgegessen wurde und abends aus der Brotbüchse geholt wird, heißt HASENBROT. Ich weiß noch, wie zu Hause das Mädchen von unten immer Hasenbrot auf dem Hof bekam. Dann bog nämlich ihr Opa mit dem Fahrrad um die Ecke und der hatte seine Schicht-Stullen nie aufgegessen, denn immer holte er diese große Aluminium-Brotbüchse raus und da drin lag - noch mal in Butterpapier eingeschlagen - ein zusammen geklapptes Brot. Mit Leberkäse drauf. Und so sorgsam geschnitten und geschmiert, dass keine einzige Wurstecke hervorlugte. Was war ich neidisch. Ich glaube, ich muss mir erst einmal etwas zu Essen holen.

Schimpf mal wieder

So, jetzt sag ich ma was! Schimpfen ist manchmal genauso wichtig wie Lachen. Lachen kann Kranke gesunden und macht schlank. Weiß ich. Aber Schimpfen und Fluchen sind auch wichtig für das seelische Gleichgewicht. Und übrigens ist das Schimpfen auch in seiner Wirkung auf die Physis dem Lachen ziemlich ähnlich. Der englische Physiologe Richard Dearnborn veröffentlichte 1900 folgende minutiöse Zeilen über die Physiognomie des Lachens. Da hat einer mal richtig hin geschaut, wenn andere gelacht haben. Und da merkt man es: Der Körper reagiert beim Lachen ähnlich wie beim Schimpfen: "Beim Lachen und mehr oder weniger beim Lächeln gibt es klonische Spasmen des Zwerchfells (wenn man vor Wut Schnappatmung kriegt), gewöhnlich etwa 18 an der Zahl, und eine Kontraktion der meisten Gesichtsmuskeln. Der obere Teil des Mundes und die Mundwinkel werden nach oben gezogen (oder beim Schimpfen eben nach unten). Das obere Augenlid wird hoch gehoben (Nachtigall, ick hör dir trapsen), wie in einem gewissen Maß auch die Brauen, die Haut über der mittleren Fläche des Stirnbeins und die Oberlippe, während die Haut an den äußeren Augenwinkeln sich charakteristisch runzelt (Schimpffältchen). Die Nüstern sind mäßig erweitert und nach oben gezogen (ein Pony?), die Zunge ist etwas gestreckt (bäh), und die Wangen sind gebläht. Bei Personen mit stark entwickelten Ohrmuschelmuskeln (!) tendieren die Ohrmuscheln nach vorn. Der Unterkiefer vibriert (Filmschauspielerinnen fangen dann an zu heulen) oder ist zurück gezogen, und der Kopf wird bei starkem Gelächter zurück geworfen, der Oberkörper streckt sich und neigt sich sogar zurück, bis Ermattung und Schmerz im Zwerchfell und der Bauchmuskulatur den Körper zur Entlastung deutlich beugen lassen (kummer- und schimpfgebeugt sozusagen). Das ganze arterielle Gefäßsystem weitet sich, so dass durch die Wirkung der Hautkapillaren Erröten des Gesichts und des Halses (WUT!!!) und manchmal auch der Kopfhaut und der Hände eintritt. Aus demselben Grund treten die Augen oft etwas hervor (große Wut!!!) , und die Tränendrüse tritt in Aktion, aber gewöhnlich nur so weit, dass die Augen glänzen, oft jedoch auch so stark, dass die Tränen ihre Kanäle ganz überschwemmen (es ist eben zum Heulen)." Damit das mit dem Schimpfen gut klappt, benötigt die große Klappe ein möglichst breit gefächertes Vokabular. Mal schimpft sie mehr in Richtung Hackfresse, dann eher in der Tonart Kackbratze und manchmal meckert sie sogar in der Nulpen-Liga. Herr Urz hatte in seiner letzten Geolino einen Schimpfwortgenerator beiliegen. Tolle Sache das! Man dreht an drei kleinen Rädchen und kommt so auf 134 Schimpfwörter à la Siffiger Sabberhaufen, käsige Pupsschwarte oder hohler Schrumpfrüssel. Das inspiriert doch zu eigenen Schöpfungen. Wie steht es mit "Gondel der Dummheit" oder mit "Popelflöte". Vorschläge werden wohlwollend honoriert.