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Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 3

Im Januar gings los mit unserer Stadterkundungen. Wir wollten vor allem den Leipziger Osten ergründen und das haben wir auch getan. Nun, im grauen November startet unsere letzte Stadttour in diesem Jahr. Müssen wir dazu sagen, dass wir uns langsam heimisch fühlen, hier im Osten? Manche Ecken sind mittlerweile schon richtig vertraut geworden. Dieses Mal waren wir beinahe vier Stunden unterwegs und haben es bis nach Thekla hinaus geschafft.

Los gehts mit der Wintergartenstraße am Bahnhof, weiter in die Rosa-Luxemburgstraße. Am zerfallenden Bayrischen Hof steht die Dame auf dem Kopf:

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Ein schönes Haus, mittendrin, zum Teil blau verpackt:

P1030574Eine alte rostige Wasserpumpe überrascht uns mit einem Gesicht am Pumpenschwengel, erinnert ein bisschen an "Die Schöne und das Biest", nur ohne Schöne:

P1030579P1030585Jetzt beginnt die Eisenbahnstraße mit einem fantastischen Häuserblick am Ende eines völlig leerstehenden Straßenzugs:

P1030588Hermann-Liebmann-Straße: Am Rand eines still gelegten Betriebsgelände der Deutschen Bahn steht dieses entzückende Pförtnerhäuschen:

P1030589Hier der direkte Blick für Neugierige, war bestimmt mal gemütlich:

P1030597  In den Betriebsschaukästen gibt es nichts mehr zu vermelden:

P1030591Links ist eigenwillig geknotete Elektrik. Das Kabel führt nach oben. Und wo das Kabel mündet, seht ihr auch: in der Lampe:

  P1030598P1030600              

Nach der großen Brücke, die über das DB-Schienennetz führt, fahren wir die ganze Maxim-Gorki-Straße entlang. An der Ecke Volksgartenstraße steht wieder eine Pumpe, diesmal nicht rostig und mit Vögelchen auf dem Dach. P1030602         Ein Hinterhaus in der Ossietzkystraße:

P1030605Am Schönefelder Rathaus hängt eine Version der beiden alten Muppet-Show-Opas:

P1030613Links: Was ist denn nur mit der Sonne los? Ein bisschen Contenance bitteschön. Rechts:

P1030614Die Theklaer Straße immer weiter und immer weiter bringt uns in ländliches Gebiet:

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 Dann biegen wir ab und kommen zum Abtnaundorfer Park. Über den habe ich schon einmal berichtet: hier. Wir entdecken ein klitzekleines Gartenhaus mit einem Puppenbalkon. Zum Größenvergleich: Der Zaun war so groß wie ich, das Haus vielleicht 2,5 mal so groß wie ich.

P1030619Dann gehts die Gorki-Straße zurück zum Stannebein-Platz:

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An diesem Platz steht diese Bank-Installation, in die Sätze geschrieben sind. Sie haben mit Friedrich Wilhelm Stannebein (1816-1894) zu tun. Stannebein betrieb in Schönefeld eine Mühle und einen Kaffee-, Milch- und Kuchengarten. Er war Mitbegründer des „Allgemeinen Turnvereins zu Schönefeld“ und der Turner-Krankenkasse. Er war ein guter Mensch und half den Armen. Aufgrund seiner Arbeit als Windmüller befasste er sich intensiv mit der Wetterbeobachtung. Bald war er darin ein echter Profi und veröffentlichte die Wettervorhersagen in den Nachrichten. Bis zur nächsten Stadttour 2013 Judith und Ingrid

Stadtausflug Leipziger Osten, Teil 2

Unser erster Stadtausflug in den Leipziger Osten (hier) liegt eine Weile zurück, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und deshalb jetzt der Bericht von unserer Tour: Täubchenweg - Breite Straße - Herrmann-Liebmann-Straße - Mariannenpark - Liebmann-Straße zurück - Wurzener Straße - Torgauer-Straße - Dresdner-Straße - insgesamt mal eben so nach Sellerhausen und zurück. Höhepunkt war eindeutig der Plausch mit Jonas und Yassin. Unser erstes Lieblingshaus, altrosa mit bröckelndem Putz: Urban Gardening mitten in der Stadt: Die Initiative Querbeet eröffnete gerade einen offenen Garten mit einer Fläche von ca. 5000 m² in der Hermann-Liebmann-Str. 17-19. Hier werden nach den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft Nutzpflanzen angebaut -von Bürgern für Bürger: Ein verlassenes Schlösschen mit Balkönchen und Bäumchen, Prinzesschen war ausgeflogen:                   Wer sagt, dass eine Straßenabsperrung keine Halterung für Blumenkästen sein kann? Auch wenn das vermooste Leben in den Blumenkästen sich selbst überlassen wurde: Natürlich ist der Leipziger Osten wild und gefährlich: Wunderschöner Mariannenpark (entstanden um 1913, nachzulesen hier).  Während wir ein Sonnenbad auf der Bank (rechts auf dem ersten der vier Park-Bilder) nehmen, beobachten wir zwei Jungs, die ein altes, rosafarbenes Laptop immer wieder die Treppen hinunterschmeißen und darauf herumtrampeln. Als wir wenig später auf dem Weg zu unseren Fahrrädern vorbei müssen, ruft der eine munter: "Hallo!" Wir halloen zurück. Der eine erklärt: "Ich lasse gerade meine Wut ab. Ich hab Wut auf meine Lehrer. Wir haben nämlich ein Mädchen mit ADHS in der Klasse, die darf alles machen, sogar in der Stunde telefonieren. Ich hab auch ADHS und ich darf nichts." Wir bekunden unser Empören über diese Ungerechtigkeit. Die beiden heißen Jonas (ca. 11) und Yassin (ca. 9). Als wir uns mit "Ingrid und Judith" vorstellen, sagt Jonas: "Cool!" Jonas erzählt viel. Dass er eine blöde Schwester von sechs Jahren hat, die ihn immer ärgert und voll geizig ist. Sie will ihm kein Geld von ihrem Ersparten borgen, damit er seine Tabletop-Figuren-Sammlung erweitern kann. Er hätte da nämlich Uruk-hai und Höhlentrolle von "Herr der Ringe" im Auge. Yassins Schwester ist auch blöd. Wir geben zu, dass Geschwister ganz schön nerven können, aber ganz ohne wär' s ja auch langweilig. Jonas gibt uns Recht. Jonas nimmt keine Medizin gegen ADHS, er reagiert sich oft mit einem Stressball ab. Seine Mutter hat gesagt, man muss ein Kind nicht mit Medizin vollpumpen. Sie hat ihn auf die Georg-Schumann-Mittelschule geschickt, weil das die beste in Leipzig ist, wie sie sagt. "Dabei gehen da voll viele Assis hin", weiß Jonas zu berichten, "Das geht ja gar nicht. Da kommen welche und hauen deinen Kopf einfach so gegen die Wand." Jonas hat sich heimlich ein TS bei Security besorgt, das ist wohl eine Art Schlagstock mit Teleskopstange. Damit wehrt er sich, wenn es hart auf hart kommt. Nun sind Ingrid und ich ein bisschen erschrocken und wir raten Jonas, bloß vorsichtig mit dem Ding zu sein. Ist er, beteuert er. Die beiden wünschen uns noch einen schönen Tag und winken uns hinterher. Wir tun dasselbe.                                 Zur Erinnerung habe ich zwei Tasten aus dem rosa Laptop mit nach Hause genommen: Auf der reichhaltigen Wiese fand sich etwas Kohlrabiähnliches, in das wir todesmutig hineinbissen. Falls es in Zukunft keinen weiteren Blogeintrag gibt, ist uns die Pflanze schlecht bekommen. Zur Warnung bilde ich sie schon mal vorsorglich ab:               Impressionen zwischen Monika und Eierkuchen:               Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich mit Olav Petersen vom Saegewerkatelier über das alte Viadukt von 1875. Schon damals stand fest, dass es 2012 still gelegt wird. Petersen erzählte damals von seiner Vision, den Viadukt in einen kilometerlangen Radweg zu verwandeln - einfach Schienen runter und Beton drauf. So könnte der Leipziger Osten unmittelbaren Anschluss an das Zentrum bekommen. Mittlerweile ist auch hier die Rede vom Parkbogen Ost, eine Art High Lane Park, der sich an den Stadtteilen Reudnitz, Anger-Crottendorf, Stötteritz und Sellerhausen entlang schlängelt:

Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 1

Immer im eigenen Stadtteil versauern, ist doof. Deshalb lautet einer der Vorsätze für 2012: Flanieren, und zwar in fremden Stadtteilen. Die Bürgersteige sollen durch unsere Sohlen schreien! So machte sich unsere flanierwillige Dreiermeute auf in den Leipziger Osten, mit dessen Ruf es ja nicht zum Besten steht. Nun erst recht. Unser Trip war saublöd geplant, denn es gab kalten nassen Schneeregen von oben im 45-Grad-Winkel direkt ins Gesicht und in jede Lücke, die unsere Schals frei ließen. In diesem Dilemma kippte uns die Straßenbahn Nummer 8 auf die Eisenbahnstraße und wir versuchten, wenigstens für eine Stunde das Beste daraus zu machen. Land und Leute zu treffen war natürlich vergebens, denn bei diesem Wetter waren nur Verrückte wie wir unterwegs. Trotzdem, auf dem harten Weg zum Torgauer Platz gab es zwischen ca. 30 Dönerläden und erstaunlich vielen grünen Ecken ein paar Entdeckungen, auf welche die Südvorstadt wohl noch lange warten muss: So z. B. der Laden des freundlichsten Verkäufers der Stadt (ehrlich!): Hier waren mindestens 20 verschiedene Biersorten in den Regalen nach Marke geordnet und als nach vorn ausladendes Dreieck gestellt. Großartig anzusehen. Ein Mekka für Kronkorkensammler, wie Herr Urz und Herr Schlönske welche sind. Jede einzelne Zahnpastatube wurde hier liebevoll mit achtsamen Abstand drapiert. Sehr zu empfehlen ist der Eisenbahnladen auf der Eisenbahnstraße. Im Schaufenster steht eine Modelleisenbahnlandschaft... der pure Wahnsinn. Wir haben erst nach fünf Minuten Daraufstarren die etwa 0,5 cm großen Schimpansen entdeckt, die sich an einer Brücke entlang hangelten. Sogar der Tod leibhaftig stand auf einem der grünen Hügel. Geht hin und schauts euch an! Und jetzt noch ein paar Momente:

Die optimale Bank für alle, die allein bleiben wollen. Wo gibt es schon so viel Individualismus?

Auffällig: Liebevoller Umgang mit leeren Bierflaschen.

Hier wurde nicht etwa Holi (indisches Frühlingsfest der Farben) gefeiert, hier hat sich ein Hauswandverschönerer mit der Farbe verkalkuliert.

Ein Aldi mit einer berrückenden Fassade. Einkaufen mit Stil.

Kunst!

Noch mal Kunst!

Irgendwie auch Kunst.

Der Potsdamer Platz des Leipziger Ostens!

Wenn das Wetter sich bessert, wird der Osten intensiver unter die Lupe genommen.