Schlagwort-Archive: Lost Places

Neulich im Auwald

Die kleine Hexe besaß ihr Häuschen mitten im dichten, dunklen Wald: P1050821Wenn die Hexe übermütig war, spielte sie Dornröschen und zauberte sich eine undurchdringliche Hecke vor das Küchenfenster: P1050804Aber eigentlich war die Hexe romantisch veranlagt: P1050812 Tagelang saß sie schmachtend auf der kleinen maroden Bank unter ihrem Lieblingsbaum und träumte von einem schönen, klugen Mann: P1050820 Vor lauter Träumerei ließ sie ihren Haushalt ein bisschen von der Leine. Aber eigentlich war Hausarbeit nichts für die Hexe, sie hatte ganz andere Ambitionen. P1050813 Am liebsten schlief sie unter freiem Himmel: P1050833Aber eines Tages war damit Schluss. Da tauchte nämlich ein Lindwurm auf. Der gab mächtig an mit seinen vielen Beinen: P1050828 Das ließ die Hexe kalt, sie war zufrieden mit ihren zwei Beinen. Aber manchmal wurde ihr die Warterei doch zu lang. Schwere Stimmungen plagten sie. Mitunter wurde sie so wütend, dass sie mit genau einem ihrer zwei Beine ihren Geräteschuppen in die Seitenlage beförderte: P1050831Doch eines Tages war etwas anders. Da prangte plötzlich ein Blutfleck auf der Wand - sehr gruslig: P1050834 Der Blutfleck war vom Froschkönig. Der war in der Nacht zuvor hier gelandet - böse Zungen behaupten, eine Prinzessin hätte ihn mit der Hand geworfen, ganz weit ins Nirgendwo hinein - aber gelandet war er nun hier, bei der Hexe. Und es war ein netter Froschkönig. P1050838 Er war geradewegs durch den Dachstuhl geplumpst. Dabei hatte er sich verletzt und den Blutfleck verursacht. P1050847"Schwamm drüber", sagte die kleine Hexe, lächelte still, machte den Blutfleck weg und heizte den Ofen an.

Mein erstes Radio-Feature

Ich war auf Entdeckertour, habe Leute getroffen und Erinnerungen gesammelt, habe mit geschnitten, gesammelt, geschrieben, geschnipselt, hin- und her geschoben und jetzt ist es fertig: Mein erstes Radio-Feature. Es heißt "Industrieruinen - Faszination und Wehmut". Hauptdarsteller sind die leerstehenden Fabriken von Leipzig. Das Feature lief am 9. August 2014 auf MDR FIGARO. Dort kann man es ein Jahr lang nachhören und runterladen. Einfach hier klicken. P1040459

Knuspriger Stadtrand

"Randlust" lautete das Titelthema der Novemberausgabe des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer. Darin wurde auch der Flughafen Mockau bebildert. Bezaubernd. Er wurde sofort Grund für einen Gruppenausflug dorthin: P10406361913 wurde der Flughafen Mockau eröffnet, als Luftschiffhafen und Fliegerstation. Die ganze Geschichte des Flughafens lässt sich ganz bequem auf Wikipedia nachlesen. Seit 1991 schläft das Gebäude. Wikipedia flüstert, dass hier ein Hotel entstehen soll. Eine schöne Empfangshalle mit schwarzem Marmorpfeilern ist noch da. Links und rechts gibt es diese großzügigen, runden Ausbuchtungen - wie gemacht für einen entspannten Morgenkaffee mit Blick auf die Einöde draußen. Nur damit das klar ist: Ich mag Einöde. P1040665 P1040664In der zweiten Etage führt eine süße kleine Wendeltreppe bis ganz nach oben in den Tower: P1040649 P1040650Und hier endet der Aufstieg in den Tower, also eigentlich ist es ein Towerchen: P1040656Tower von innen: P1040652Tower von außen: P1040659 P1040645P1040662 Fundstück: Eine Titelkopie eines Buches, verlegt von einem der schönsten Buchläden Leipzigs. Bei Klick aufs Bild, wird's größer. Vielleicht sucht ja jemand noch ein Weihnachtsgeschenk :-).       Jawohl! Hier klebte früher echt coole Tapete. Jemand hat sich nicht getraut, die Wandfarbe bis ganz runter zu streichen. Vielleicht entscheiden sich die Eigentümer ja für einen Erhalt der Blumen... zumindest als kleiner Sockel... untenrum... das wäre doch nett...

Stadttour Stötteritz

Ständig verschwinden Orte in der Stadt. Der Güterbahnhof in der Stötteritzer Straße ist dem Untergang geweiht, weil Stötteritz hier an den City-Tunnel angebunden wird. Während rund um den ehemaligen Bahnzustieg Neues entsteht, ist der alte Kern des Bahnhofs sich selbst überlassen. Und natürlich handelt es sich hier um gefährliches Gelände! Es kam dann auch ein Aufpasser angeradelt, der uns gleich mit der Bundespolizei drohte, die uns abholen würde. Das wollten wir der Bundespolizei aber nicht zumuten und so hielten wir uns nicht lange auf, auf dem ehemaligen Güterbahnhof Stötteritz. P1030991 P1030985 - Kopie              

Solche Lampen wie links zählen, glaube ich, zu den Design-Auslaufmodellen. Rechts habe ich einen schönen Pipanten am Fenster entdeckt.

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Schienenbauteile in Hülle und Fülle. Schwellen-Berge. Und jede Schwelle hatte eine eigene Nummer. O. k. alle haben wir nicht kontrolliert.

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Wie man links sieht, lässt es sich auch auf einer riesigen Baustelle entspannt grillen! Was die Bundespolizei dazu sagt, würde mich ja interessieren :-). Rechts ein knorriger, undurchdringlicher Stahlwall. Den kann niemand mehr entwirren. Bei Klick aufs Bild, wirds größer.

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"Tut." Wollte mal jemand sagen und hat einfach die Information überklebt. Es blieb aber das einzige "Tut", das uns begegnete. Rechts - voila, meine Fundstücke des Tages. Herr Schlönske war besonders neidisch auf die große Mutter.

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An der Oststraße, vor der Kleingartensiedlung "Nachtigall" steht dieses kurz vor dem Einsturz befindliche Haus. Früher hätte es eine Villa Kunterbunt sein können!

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Auf dem linken Bild kann man problemlos in die ehemalige Privatsphäre des Hauses hineinschauen. Das Haus magert bis aufs Skelett ab, es hat sämtlichen Schmuck verloren. Haltlos pendelt die Tür über dem Abgrund.

P1040018 P1040022                 Und noch ein paar Details: Links oben eine der wunderschönen alten Gartentüren mit diesem geschmiedeten Sonnenmuster - herrlich (Wie gesagt: Bei Klick aufs Bild, wirds größer.)! Rechts eine alte Garage, in der eine alte Plattensammlung ihr Grab fand. Ich glaube allerdings, dass die Platten nicht zur Ruhe kommen, so lieblos, wie sie hier im Dreck liegen. Klarer Fall von untoter Musik! Links unten ein Teil der schönen alten Bahn-Anlage in Stötteritz. Rechts unten: klarer Fall von: "Hier gibts Broiler!" Das sieht aus wie Broiler und nicht wie Hähnchen, wenn ihr versteht, was ich meine. P1030999 P1040020     P1040003 P1040007        

Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 3

Im Januar gings los mit unserer Stadterkundungen. Wir wollten vor allem den Leipziger Osten ergründen und das haben wir auch getan. Nun, im grauen November startet unsere letzte Stadttour in diesem Jahr. Müssen wir dazu sagen, dass wir uns langsam heimisch fühlen, hier im Osten? Manche Ecken sind mittlerweile schon richtig vertraut geworden. Dieses Mal waren wir beinahe vier Stunden unterwegs und haben es bis nach Thekla hinaus geschafft.

Los gehts mit der Wintergartenstraße am Bahnhof, weiter in die Rosa-Luxemburgstraße. Am zerfallenden Bayrischen Hof steht die Dame auf dem Kopf:

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Ein schönes Haus, mittendrin, zum Teil blau verpackt:

P1030574Eine alte rostige Wasserpumpe überrascht uns mit einem Gesicht am Pumpenschwengel, erinnert ein bisschen an "Die Schöne und das Biest", nur ohne Schöne:

P1030579P1030585Jetzt beginnt die Eisenbahnstraße mit einem fantastischen Häuserblick am Ende eines völlig leerstehenden Straßenzugs:

P1030588Hermann-Liebmann-Straße: Am Rand eines still gelegten Betriebsgelände der Deutschen Bahn steht dieses entzückende Pförtnerhäuschen:

P1030589Hier der direkte Blick für Neugierige, war bestimmt mal gemütlich:

P1030597  In den Betriebsschaukästen gibt es nichts mehr zu vermelden:

P1030591Links ist eigenwillig geknotete Elektrik. Das Kabel führt nach oben. Und wo das Kabel mündet, seht ihr auch: in der Lampe:

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Nach der großen Brücke, die über das DB-Schienennetz führt, fahren wir die ganze Maxim-Gorki-Straße entlang. An der Ecke Volksgartenstraße steht wieder eine Pumpe, diesmal nicht rostig und mit Vögelchen auf dem Dach. P1030602         Ein Hinterhaus in der Ossietzkystraße:

P1030605Am Schönefelder Rathaus hängt eine Version der beiden alten Muppet-Show-Opas:

P1030613Links: Was ist denn nur mit der Sonne los? Ein bisschen Contenance bitteschön. Rechts:

P1030614Die Theklaer Straße immer weiter und immer weiter bringt uns in ländliches Gebiet:

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 Dann biegen wir ab und kommen zum Abtnaundorfer Park. Über den habe ich schon einmal berichtet: hier. Wir entdecken ein klitzekleines Gartenhaus mit einem Puppenbalkon. Zum Größenvergleich: Der Zaun war so groß wie ich, das Haus vielleicht 2,5 mal so groß wie ich.

P1030619Dann gehts die Gorki-Straße zurück zum Stannebein-Platz:

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An diesem Platz steht diese Bank-Installation, in die Sätze geschrieben sind. Sie haben mit Friedrich Wilhelm Stannebein (1816-1894) zu tun. Stannebein betrieb in Schönefeld eine Mühle und einen Kaffee-, Milch- und Kuchengarten. Er war Mitbegründer des „Allgemeinen Turnvereins zu Schönefeld“ und der Turner-Krankenkasse. Er war ein guter Mensch und half den Armen. Aufgrund seiner Arbeit als Windmüller befasste er sich intensiv mit der Wetterbeobachtung. Bald war er darin ein echter Profi und veröffentlichte die Wettervorhersagen in den Nachrichten. Bis zur nächsten Stadttour 2013 Judith und Ingrid

„Geschichten hinter vergessenen Mauern“

Der Leipziger Dok-Film "Geschichten hinter vergessenen Mauern" hatte am Wochenende Premiere: Im Sowjetischen Pavillon auf der Alten Messe!!! Durch das Crowdfunding mit VisionBakery (siehe hier) konnten die Filmemacher um Enno Seifried ihren Film einem großen Publikum zeigen. Dass die Premiere schließlich in einem der Lost Places aus dem Film stattfand, haben 356 Unterstützer möglich gemacht. Ich denke, mindestens die Hälfte des Publikums waren Geocacher. Vor mir trugen die Zuschauer Jacken mit Aufschriften wie "Lost Places" oder "Rottenplaces" - die kannten sich aus und schmachten leere Fabriken nicht nur aus dem vorbeifahrenden Regionalexpress an - wie ich. Während des Films murmelte es in den Reihen kennerhaft: "Ach, das ist in der xxx-Straße.", "Das wird bald saniert.", "Da war ich auch schon.", "Da hab ich mal den xxx getroffen." Letztens meinte jemand: Ruinen fotografiert ja heutzutage jeder. Mag sein, dass die Faszination an dem vielleicht größten Leerstand jahrhundertealter Industriearchitektur um sich greift. Aber irgendwas muss dran sein. In dem Film wurden Zeitzeugen, Investoren, Visionäre und Politiker interviewt. Und jeder beteuerte seine Wehmut. Aber es gibt verschiedene Wehmüte. Die ehemaligen Mitarbeiter des alten Astoria-Hotels, die immer noch in breit angelegten Astorianer-Treffen zusammen finden, wollen das "Früher" wieder haben. "Wenn das Astoria irgendwann wieder eröffnet, bin ich bei der ersten Silvester-Feier mit dabei", sagte eine der Ehemaligen. Ein früherer Koch erzählte von Potemkinschen Dörfern, die hier zu DDR-Zeiten für Funktionäre erbaut wurden. Die Fotografen, Geocacher, Musiker und Sprayer dagegen mögen ihre Lost Places, so wie sie sind, eben lost. Geht es darum, diese Orte wieder her zu stellen? In einer anschließenden Diskussion erzählt Ingrid, dass sie sich bei bei solchen Bildern immer vorstellen muss, wie es früher dort ausgesehen hat, als Leute dort gearbeitet haben. Das geht mir überhaupt nicht so. Ich will die Spuren der Zeit sehen. Was genau die Faszination an morbiden Gemäuern ausmacht, konnte ich noch nie auf den Punkt bringen. Einer der Fotografen im Film sagte: Für ihn sei es so eine Art Märchen, ein verwunschener Ort. In keinem Reiseführer zu finden. Geheimnisvoll. Illegal. Das gefällt mir. Der Film zeigt atemberaubende genauso wie traurige Einstellungen von Orten, die dem Untergang geweiht sind. Clemens Meyer hat einen großartigen Auftritt. Andreas Keller vom Centraltheater kriecht bis in den Waschraum des alten Postbahnhofs in Schönefeld, Rückenbürste und Seifenbeutel hängen noch da, die Gleise aber sind schon verschwunden. Natur greift um sich. Man sieht die Anfänge des leidigen City-Tunnels, der bereits 1913 in Teilen fertig gestellt wurde und unter Leipzig einsam herum steht, ungenutzt. Genauso wie die ehemaligen Lagerräume für Obst und Gemüse unter dem Bowlingcenter, die eher an Hannibal Lector erinnern, wie einer der Geocacher bemerkt. "Geschichten hinter vergessenen Mauern" ist ein toller Film. Ein paar kleine Kritikpunkte hätte ich trotzdem: Manchmal passt die Musik nicht zu den Bildern. Die Tonqualität mancher Gespräche lässt zu wünschen übrig. Die Erzählerin spricht zu schnell, die Textstruktur gefällt mir nicht. Der Film könnte ruhig eine Viertelstunde kürzer sein. Aber das ist meine Auffassung, sehen andere vielleicht nicht so. Ich bin froh, dass es diesen Film gibt. Und jetzt noch ein paar Bilder vom sowjetischen Pavillon: