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Photoautomat

Jeder Leipziger muss irgendwann über den Photoautomaten an der Feinkost bloggen. Bin ich also schon lange überfällig. Weil ich Freitagnacht mit vier Freundinnen dort drinnen steckte, hol ich das jetzt mal nach.

Dieser Automat zählt zu den echten Schnäppchen der Stadt – und es geht grausam zu. Für nur zwei Euro wird man in der dunklen Kabine vier Mal erschossen. Das Abbild kommt gevierteilt aus dem Schlitz. Die Fotos sind schwarz/weiß, gut oder böse.

Das Gefühl des Ausgeliefertsein erfordert Geduld. Man muss immer anstehen, denn das Ding ist beliebt. Jedes Mal, wenn ich dort vorbei fahre, stehen Menschen aus aller Welt davor und warten auf ihre Schnappschüsse. Es dauert Stundenminuten, bis die Fotos herauskommen. In der Zwischenzeit waren schon die nächsten Opfer drin und warten jetzt auch. Sie lauern auf den Gesichtsausdruck der anderen, die ihren Fotostreifen aus dem Schlitz fischen. Verlegenes Lachen. Auf den Fotos sieht man aus, als tanze man geradewegs aus einem Stummfilm auf die Karl-Liebknecht-Straße. Glücklicherweise hat die Besetzungsliste der Südvorstadt immer freie Plätze für neue Akteure.

Auch sonst wirken diese Fotos wie aus der Zeit gefallen. Sie lassen sich nirgends speichern, digitalisieren oder brennen. Sie liegen zu Hause erst mal ganz klassisch an den Orten herum, wo sich Schlüssel, Flyer, Pflaster, alte Brotbüchsen, Telefone und Taschentücher stapeln.  Am Ende kommt es noch so weit, dass sie in Tagebücher geklebt werden. „Liebes Tagebuch, heute war ich in Leipzig unterwegs und da…“