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Und noch einmal in eigener Sache:

Heute, am 15. August, 14:00 Uhr, hat Bayern 2 mein erstes Kinderhörspiel gesendet. Es heißt "Weltverbesserer" und eine der Rollen spricht ChrisTine Urspruch, bekannt als "Sams" und "Alberich" aus dem Münsteraner Tatort. Sie macht das phänomenal, ich freu mich wie verrückt! Hier gehts zur Sendung Und hier ist der Podcast

Mein erstes Radio-Feature

Ich war auf Entdeckertour, habe Leute getroffen und Erinnerungen gesammelt, habe mit geschnitten, gesammelt, geschrieben, geschnipselt, hin- und her geschoben und jetzt ist es fertig: Mein erstes Radio-Feature. Es heißt "Industrieruinen - Faszination und Wehmut". Hauptdarsteller sind die leerstehenden Fabriken von Leipzig. Das Feature lief am 9. August 2014 auf MDR FIGARO. Dort kann man es ein Jahr lang nachhören und runterladen. Einfach hier klicken. P1040459

Für Tommi Bernhard

Meine Liebe zu Thomas Bernhard kam ziemlich spät.Vor drei Jahren schenkte mir eine Freundin "Holzfällen". Nicht, dass ich vorher schon was über Bernhard gehört hatte, aber als ich anfing zu lesen, war ich geschockt. Ich dachte: "So was kann ich unmöglich lesen!" Diese Bandwurm-Sätze. Diese Wiederholungen. Das Gemecker. Nein Danke. Jetzt aber habe ich verstanden. Das Radio hat mich mit Thomas Bernhard verkuppelt. Hin und wieder arbeite ich für MDR Figaro. Letzten Sommer musste ich die Bernhard-Sendungen für das ARD Radiofestival sendefertig machen: Bernhards Autobiographie. Die hat mich umgehauen! Erst einmal, weil sie auch soooo gute Leser an Bernhards Leben gesetzt haben. Bis auf Ulrich Matthes, dessen Lesestil mir nicht gefällt, sind diese Aufnahmen ein absoluter Hörgenuss. Wahrscheinlich versteht man die Bücher von Bernhard nicht, wenn man sein Leben nicht kennt. Als ich im Funkhaus mit der Tragik seines Daseins konfrontiert wurde, musste ich sogar... na ja... ein bisschen heulen. Aber, so grausame Episoden Bernhards Leben schrieb, es vermag Trost zu bieten. Wirklich. Finde ich. Die Liebe kam mit einer Erkenntnis. Einige der Sendungen waren 1-2 Minütchen zu lang. Es galt, diese heraus zu schneiden. Nun sind 2 Minuten bei Bernhard ein einziger Satz - wenn man Glück hat. Ich dachte also, kein Problem, da ein Sätzchen raus zu schnippeln. Aber weit gefehlt. Ich hing eine Ewigkeit über der Aufnahme nach der Suche einer geeigneten Stelle. Es funktionierte nicht. Jedes Mal, wenn ich einen Satz entfernte, stimmte der Text nicht mehr. Sein Rhythmus, seine Musikalität waren zerstört. Es war ganz deutlich zu hören. Verrückt. Und natürlich, Bernhard kommt von der Musik. Wäre er nicht von dieser "Fürchterlichkeit" Krankheit gepeinigt gewesen, wäre er Musiker oder Sänger geworden. So ließ er die Musik in sein Schreiben fließen. Selten habe ich so dicht gebaute, klingende Zeilen gelesen. Es ist ein wohldosiertes Verhältnis, dass wir miteinander pflegen. Nur wenige Seiten pro Tag. Am liebsten zu Hause, denn da kann ich laut lesen. Und das empfiehlt sich bei Bernhard, so hört man die Melodie. Ich mag sein Geschimpfe, seinen Schmerz, der wiederum ins Lächerliche übergeht in ganz feinsinnigen Etüden voller Balance. Das ist was ganz Besonderes. Es ist einzigartig. Die Gemütsschwankungen. Die Zwänge. Das Schimpfen. Das Hassen. Die Körperlichkeit. Das Sich-Beobachten. Alles das ist bei Thomas Bernhard unverwechselbar. Ich mag den alten Stinker.