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Bärchen-Revue: die Tiller-Teddys

P1040032 Das ladenlose Schaufenster in der Scharnhorststraße zeigt neuen Inhalt. Diesmal tut eine Teddy-Reihe so, als wären sie die Tiller-Girls aus den 20er Jahren. Alle schön in einer Reihe und gleich schwenken sie die Beinchen hoch, und zwar synchron. Was den Revue-Bärchis allerdings für ihre Show fehlt, ist eine schwarze Netzstrumpfhose. Aber Schwamm drüber. Die Katz in der Mitte ist der Solist, klar. Sie kann ganz bestimmt steppen, auch wenn es eigentlich heißt: Da steppt der Bär. Heißt ja nicht, dass Katzen dann nicht steppen können. Wer genug Zeit mitbringt, kann sich mal eine Stunde vor das Schaufenster stellen und warten. Vielleicht gehen die Beinchen der Tiller-Teddys dann irgendwann hoch. Teddys sollte man nicht unterschätzen.

Königspudel in Winterlaune

Das einsame Schaufenster in der Scharnhorststraße ist mittlerweile zur Blog-Berühmtheit geworden. Zuletzt hatte es sich dem Hundescheißchen gewidmet: hier. Rechts in den Kategorien unter Schaufenster sind alle Fensterinhalte zu sehen, auch jenes, das wir selbst gestaltet haben. Inzwischen sind in der Ausstellungsfläche die Produzenten des Scheißchens in den Mittelpunkt gerückt: P1030757 Ich finde, es ist diesmal eine nette Momentaufnahme geworden. Eine Anordnung von nostalgischen Devotionalien: Plastic-Königspudel, Puppe in altmodischer Strumpi, Strechcat, veraltetes Lehrmittel... A propose Plastic-Pudel: Zu DDR-Zeiten, in denen jene Pudel aus dem Bild oben hergestellt worden sind, sagte niemand Plastic, denn dies galt als westlich-schnöder Begriff. Es hieß früher schlicht und einfach Plaste. Plaste und Elaste aus dem VEB Schkopau - bitte hier entlang zur dazugehörigen Leuchtreklame. Ich erinnere mich an meine Schulzeit. Da fertigten wir im Chemieunterricht einen Dia-Ton-Vortrag über den Einsatz von Plaste und Elaste im Reichsbahnausbesserungswerk als Projektarbeit. Heute falzen die Schüler in der Projektwoche Harry Potter aus alten Zeitungen.

Das Schaufenster zitiert

Es gibt mal wieder Neuigkeiten vom unkommerziellen Schaufenster in der Scharnhorststraße. Ich gebe ja zu, dass ich ein bisschen gebockt habe. Herr Schlönske, Herr Urz und ich hatten im März ein eigenes Schaufenster mit Schrott-Fundstücken kreiert: hier. Die Schaufensterbesitzer fanden das glaube ich nicht so richtig toll. Sie haben zwar nichts gesagt, unsere Sachen aber gleich zwei Wochen nach dem Aufbau wieder heraus genommen mit der Begründung, dass ja jedes Jahr ein Frühlingsschaufenster rein muss. Mhhhhh, das hätten sie ja auch vorher sagen können. So ist das, wenn die Zeit noch nicht reif für das eigene Kunstkonzept ist. Pöh. War ich also gnatzig. Habe ich das Frühlingsschaufenster ignoriert. Das nächste auch... Ach Quatsch, eigentlich lag meine fehlende Berichterstattung eher daran, dass es einfach nicht so viel zu sehen gab. Nur diese Plastikblumen, die mit den Köpfen wackeln. Die stehen auch in anderen Schaufenstern. Aber jetzt: Trotzdem die neue Gestaltung recht übersichtlich ist, habe ich ein interessantes Element erspäht: Die Deko zitiert den Gehweg. Denn die Hundekäcki im Kunstrasen rechts gehört doch eigentlich auf den Gehweg. Oder? Das Gute daran: Diese Art von Zitat geht dem Urheber buchstäblich am A* vorbei. Hundekacke nervt mich aber doch irgendwie. Muss ich zugeben. Über dampfende Scheißhaufen steigen zu müssen, ekelt mich. Und was ich ganz besonders bescheuert finde ist, dass es jetzt diese Tüteninvasion gibt. Kleine dunkelgraue, ein bisschen silbrig glänzende Tütchen, mit Kackhaufen gefüllt und oben zugeknotet. Die liegen jetzt überall an den Straßenrändern und in den Büschem. So verrottet das doch ewig nich, das Zeug! Sogar im Auwald hängen die Kacketüten rechts und links an den Wiesen-Bärenklau-Stengeln und Brennesseln. Einmal fand ich sogar zwei Kacketüten auf meinem Fensterbrett, hatte wohl jemand hoch geschleudert. Verstehe ich nicht. Wieso stopft jemand die Exkremente seines Hundes umständlich in eine Tüte und lässt dann die Tüte liegen? Verstehe ich nicht. Vielleicht kann mich jemand aufklären? Ich habe ja nur einen Kater...

Schaufensterzeit – diesmal unser eigenes!

Monatelang haben Herr Urz, Herr Schlönske und meine Wenigkeit Leipzigs Straßen und Baustellenrandgebiete von rostigem Metall, Drähten, Pipanten und anderen Fundstücken befreit.  Wir haben echte Schätze gesammelt. Lange Zeit lagen sie in den Ecken unserer Wohnung herum, bis wir die Idee hatten: Jetzt sind unsere Fundstücke im Frühlingsschaufenster der Scharnhorststraße zu bestaunen. In dem einzig unkommerziellen Schaufenster der Stadt, das in den nächsten Wochen wohl seine ungewöhnlichste Gestaltung präsentiert!   Unseren gefundenen Teddybären-Waisen wurde eine Schaukel aus Drahtschlingen gebaut, in der Mitte befindet sich eine Schrottcollage und rechts sind besonders wuchtige Einzelstücke drapiert, deren richtige Anordnung fast zu einem handfesten Streit zwischen Urz und Schlönske eskalierte. Im Vorfeld haben wir bei Anders Anziehen den Künstler Stephan Brenn entdeckt, der auch auf olles Metall steht. Herr Urz war begeistert von seinen Drahtprojektionen und Drahtzeichnungen. Wir haben Stephan Brenn deshalb als Inspirationsquelle auf unserem Infopaper unten angegeben.                

Und so sieht es aus, wenn Herr Urz und Herr Schlönske aus dem Schaufenster heraus schauen.

Schaufenster, die fünfte

Is wirklich wahr: Seit fast einem Jahr nun habe ich nicht mehr über das kleine Schaufenster aus der Scharnhorststraße berichtet. Das lag schlicht daran, dass sich dort nicht viel getan hat - einen einsamen Plastikpudel wollte ich meinen Lesern nicht zumuten. Zur Zeit aber gibt es wieder was zu sehen, diesmal sehr gnomwichteligwaldschratig: Inzwischen habe ich dem Alternativ-Schaufenster eine eigene Kategorie (siehe nebenan im Menü) gewidmet. Ich finde, ein unabhängiges Schaufenster ist vom gleichen Schlag wie eingestrickte Fahrradständer (Guerilla-Stricken) - und daher unersetzlich für ein Stadtbild. Im Hause Text-Burger reift außerdem eine Idee heran: Herr Urz und ich planen eine Installtion (!), die wir genau in diesem Schaufenster ausstellen wollen. Ha! Aber bis dahin braucht es noch ne Weile.

Schaufenster, die Dritte

Ich habe euch ja schon zwei Mal das kleine, unbekannte Schaufenster vorgestellt: hier und hier. Jetzt bin ich hinter sein Geheimnis gekommen. Das Schaufenster gehört Herrn Schröter, er ist der Vermieter des Hauses in der Scharnhorststraße 8. Leider wollte sich Herr Schröter nicht fotografieren lassen, aber er erklärt mir freundlich und bestimmt den Sinn seines Fensters: "Schaufenster sind immer kommerziell.", sagt er. "Sie sollen zum Kaufen verführen. Unseres nicht." Der Laden hinter dem Schaufenster wird schon lange als Abstellfläche benutzt. Für die Gestaltung des Schaufensters aber kann man sich mit einer Idee bewerben. Franziska und Juliane hatten damit gerade Erfolg. Das ist Juliane. Wie ihre Mitstreiterin Franziska studiert sie Kunstpädagogik und war auf der Suche nach einem außerschulischem Projekt. Gemeinsam mit Kindern wollten sie das Schaufenster neu gestalten. Gefunden haben sie dafür die beiden Schwestern Emma und Kristin:

Und das neue Schaufenster sieht so aus:

Es stellt einen Planeten dar und heißt "Um kurz nach halb zwölf". Was das bedeutet, muss jeder für sich herausfinden. Denn das hier ist "Kommunikation", wie Herr Schröter sagt. "Wir wollen nix verkaufen, sondern zum Nachdenken anregen oder einfach nur Freude machen. Es gibt ja sonst nicht so viel auf der Scharnhorststraße zu sehen." Basta. Dann mal los.

Und jetzt wäre zu überlegen, ob ich mich an die Gestaltung des nächsten Schaufensters im Frühling mache???