Der kleine Herr Urz und ich stehen am Kassenhäuschen des Schwimmbads. Für uns beide kostet der Besuch hier ganze 6 Euro!!! “Geht doch”, sagt Herr Urz. Sage ich: “Das ist viel Geld!” Poltert die Kassiererin aus ihrem Guckfenster los: “Für manche ist das alles!”
Da holt er Herr Urz aus. Er beugt sich ein wenig herunter, um besser in das Kassenhäuschen zu gucken und beginnt: “Stimmt, ja, ne, bei Jesus, da war das nämlich so…die arme alte Frau hat ganz wenig Geld gegeben und Jesus, ne, der hat gesagt, das das ganz viel Geld ist, ne, weil, also da kamen die Römer, ne, und die haben gemeckert, das war doch so wenig, was die alte Frau gegeben hat, aber Jesus, ne, der hat gesagt, es war alles, was die alte Frau hatte und deswegen, ne, war es viel mehr, als alle Reichen…”
Herr Urz spricht stur ins Kassenhäuschen, er konzentriert sich, um nicht den Faden zu verlieren. Wir sind keine Kirchgänger, aber Herr Urz liebt Geschichten aus der Bibel. Das kann man allerdings nicht von der Frau im Kassenhäuschen behaupten. Die Gute ist völlig überfordert. Schon bei dem Wort Jesus wirft sie mir einen angstvollen Blick zu. Dann kann man zusehen, wie sie sich windet. Sie rutscht auf dem Stuhl hin und her, lächelt gespielt spöttisch, versucht andauernd, Herr Urz zu unterbrechen. Das Ganze ist ihr unangenehm. Warum lehnt sie sich nicht einfach zurück und lauscht, was der Junge zu erzählen hat? Niemand steht hinter uns an, er ist Zeit. Warum lässt sie sich nicht darauf ein?
Not quite like Beethoven hat hier neulich von der Leistung des Zuhörens geschrieben, wenn auch über eine völlig andere Situation. Aber Zuhören ist wirklich eine Leistung. Und zwar so zuhören, dass man hinterher mit dem Gehörten etwas anfangen kann. Ich merk es auch an mir, es fällt oft schwer, sich spontan auf jemand einzulassen und: Einfach mal die Fresse zu halten.