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Früher

Neulich war ich seit Jahren mal wieder in der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Ich hatte noch so meine Vorstellungen, aber jetzt, da ich groß und alt bin, erschien mir alles so klein! Riesige Straßenzüge aus meiner Erinnerung waren zu wenigen Metern zusammen geschmolzen. Dazu kommt, dass vieles inzwischen längst saniert, verbuntet oder schlichtweg abgerissen ist. Aber nicht alles, wie man hier sieht:

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P1050155Diese drei Kolleginnen hier standen an der Ecke des KäKo-Parkes. Als kleines Mädchen habe ich stets jeder einen Kuss auf den Schnabel gegeben, wenn mein Weg an ihnen vorbei führte. Übrigens standen sie ein paar Meter neben dem Intershop!

P1050171Auf dieser Mauer bin ich früher balanciert. Ich schwöre, es ist die gleiche Mauer wie früher, sie wurde nicht verändert. Manche Mauern dürfen ruhig bleiben – wenn sie niederschwellig sind:

P1050168Hier, in diesem Torbogen, habe ich meinen ersten Kuss bekommen. Da war er grau und bröcklig. Jetzt bekommt er ein neues Aussehen, ich glaube, er wird lila, jedenfalls gibt es schon viel lila an den Häusern neben ihm. Vielleicht aber wird er innen auch so grau wie außen:

P1050086Das war mein Schulweg bis zur zehnten Klasse, geradewegs durch den KäKo-Park:

P1050094Und an diesem Portal unserer Schule haben wir uns jeden Morgen getroffen und uns erzählt, was wir am Abend zuvor alles heimlich im Westfernsehen angesehen haben:

P1050112Unsere 60-Meter-Bahn neben der Schule ist zugewuchert. Auf die Plätze… fertig… los:

P1050110Nach der Schule ging’s ins “Mocca-Stübchen”, ein Eclair oder ein Türmchen essen. Heute heißt das “Mocca-Stübchen” “Müntzer Klause” und steht leer.

P1050116Das ist hinter dem Dom, hier war der Eingang zu meiner wöchentlichen Chorprobe, jeden Mittwoch:

P1050130Das war mein zweiter Schulweg – bis zur 12. Klasse: gleich nach dem Domplatz durch den “Düsterngraben”:

P1050165Und hier das imposante Tor meiner Abi-Schmiede:

P1050156Neben unserer Schule stand ein klitzekleines Haus, da war en Bäcker drin. Während einer Physikstunde wurde dieser Bäcker mit der Abrissbirne entfernt. Ich weiß noch, wie wir alle am Fenster klebten samt Lehrer und unserem Bäcker hinterher weinten. Damals blieb nur eine Hinterwand der Backstube stehen, noch mit Fliesen. Diese Wand steht heute noch genauso dort, kein neues Haus hat es hier hin geschafft:

P1050158Hier habe ich Fahrradfahren gelernt:

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Und hier habe ih Abiball gefeiert, mein Mathe-Abi geschrieben und als Kind Fasching gefeiert – mit Adi von “Mach’s mit, mach’s nach, mach’s besser” aus dem Fernsehen. Und einmal habe ich mit 14 oder 15 einen Geschichtenwettbewerb in der Schule gewonnen. Bei der Preisverleihung im Clubhaus hat mir Goijko Mitic eine Bonbonkette um den Hals gelegt. Das Bild war damals in der Zeitung und ich Esel habe es verloren. Aber jetzt ist nüscht mehr los:

P1050175Gleich über die Straße war die “Yvetta” – die Disse, in der wir glaubten, Cola mit Eierlikör schmeckt echt super. Da standen wir aufgebrezelt an dem roten Geländer (war es damals schon rot?) und warteten darauf, eingelassen zu werden:

P1050174Und hier ist es immer noch schön:

P1050154Und hier:

P1050150Und das hier:

P1050139Und das schöne alte Pflaster:

P1050117Es fällt einem so viel ein, wenn man die Wege der Kindheit entlang schleicht. Ein Zeichenlehrer, der mit dem Schlüsselbund geworfen hat und an der “Straße der Besten” hing. Ein cooler Chemielehrer, der mit uns einen Dia-Ton-Vortrag über Plaste und Elaste im VEB Schkopau produzierte. Das erste Treffen mit dem Apfelwein ausm Konsum. Das Sommerbad, in dem man immer aufgerissene Füße bekam. Das Tiergehege, in dessen Streichelzoo keine Ziege Bock auf Kontakt hatte. Ach ischluss jetzt mit dem Vergangenheitskram. Am Ende eines älteren Postes über die Schule meines Sohnes hatte ich mal eine Aufzählung gewagt, die ich so mit Kindheit und Schule verbinde, wer Lust hat, hier geht’s lang: http://text-burger.de/?p=1029.

Unser Schatz

Die Ferienzeit eignet sich bestens, alte Schätze hervor zu kramen. So haben wir unter anderem mal geschaut, was die Bierdeckelsammlung macht. Um gleich der Frage vorzugreifen: Ja, Herr Urz und Herr Schlönske sagen Bierdeckel zu Kronkorken, denn es sind ja Deckel, weil sie die Flasche verschließen. Ist doch logisch.

Und das ist unser Schatz, alles was die Leipziger Straßen so hergaben (Klick aufs Bild und es wird größer):

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Und jetzt mal in das Herz des rechten Deckel-Kreises hinein gezoomt: Seht ihr diesen einzigartigen Deckel mit dem Äffchen? (Klick aufs Bild und es wird größer) Was für eine Flasche muss das gewesen sein, die so einen Deckel hatte?! Gefunden hat ihn Ingrid, die ein rastloses Engagament in unsere illustren Sammlung steckt:

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Und wenn man so seinen Bierdeckelschatz durchsieht, entdeckt man mittendrin noch einen anderen Fund: wundervollste Knöpfe. Wie die da hinien geraten sind? Keine Ahnung.

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Vor allem der Knopf mit der Storchenfamilie:

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Die Entscheidung, was mit dem Schatz geschieht, steht noch aus. Eine Anregung hatte ich ja mal hier gepostet. Wäre zu überlegen.

Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 3

Im Januar gings los mit unserer Stadterkundungen. Wir wollten vor allem den Leipziger Osten ergründen und das haben wir auch getan. Nun, im grauen November startet unsere letzte Stadttour in diesem Jahr. Müssen wir dazu sagen, dass wir uns langsam heimisch fühlen, hier im Osten? Manche Ecken sind mittlerweile schon richtig vertraut geworden. Dieses Mal waren wir beinahe vier Stunden unterwegs und haben es bis nach Thekla hinaus geschafft.

Los gehts mit der Wintergartenstraße am Bahnhof, weiter in die Rosa-Luxemburgstraße. Am zerfallenden Bayrischen Hof steht die Dame auf dem Kopf:

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Ein schönes Haus, mittendrin, zum Teil blau verpackt:

P1030574Eine alte rostige Wasserpumpe überrascht uns mit einem Gesicht am Pumpenschwengel, erinnert ein bisschen an “Die Schöne und das Biest”, nur ohne Schöne:

P1030579P1030585Jetzt beginnt die Eisenbahnstraße mit einem fantastischen Häuserblick am Ende eines völlig leerstehenden Straßenzugs:

P1030588Hermann-Liebmann-Straße: Am Rand eines still gelegten Betriebsgelände der Deutschen Bahn steht dieses entzückende Pförtnerhäuschen:

P1030589Hier der direkte Blick für Neugierige, war bestimmt mal gemütlich:

P1030597  In den Betriebsschaukästen gibt es nichts mehr zu vermelden:

P1030591Links ist eigenwillig geknotete Elektrik. Das Kabel führt nach oben. Und wo das Kabel mündet, seht ihr auch: in der Lampe:

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Nach der großen Brücke, die über das DB-Schienennetz führt, fahren wir die ganze Maxim-Gorki-Straße entlang. An der Ecke Volksgartenstraße steht wieder eine Pumpe, diesmal nicht rostig und mit Vögelchen auf dem Dach.

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Ein Hinterhaus in der Ossietzkystraße:

P1030605Am Schönefelder Rathaus hängt eine Version der beiden alten Muppet-Show-Opas:

P1030613Links: Was ist denn nur mit der Sonne los? Ein bisschen Contenance bitteschön. Rechts:

P1030614Die Theklaer Straße immer weiter und immer weiter bringt uns in ländliches Gebiet:

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 Dann biegen wir ab und kommen zum Abtnaundorfer Park. Über den habe ich schon einmal berichtet: hier. Wir entdecken ein klitzekleines Gartenhaus mit einem Puppenbalkon. Zum Größenvergleich: Der Zaun war so groß wie ich, das Haus vielleicht 2,5 mal so groß wie ich.

P1030619Dann gehts die Gorki-Straße zurück zum Stannebein-Platz:

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An diesem Platz steht diese Bank-Installation, in die Sätze geschrieben sind. Sie haben mit Friedrich Wilhelm Stannebein (1816-1894) zu tun. Stannebein betrieb in Schönefeld eine Mühle und einen Kaffee-, Milch- und Kuchengarten. Er war Mitbegründer des „Allgemeinen Turnvereins zu Schönefeld“ und der Turner-Krankenkasse. Er war ein guter Mensch und half den Armen. Aufgrund seiner Arbeit als Windmüller befasste er sich intensiv mit der Wetterbeobachtung. Bald war er darin ein echter Profi und veröffentlichte die Wettervorhersagen in den Nachrichten.

Bis zur nächsten Stadttour 2013

Judith und Ingrid

Tief im Leipziger Westen

Der Leipziger Westen ist ein Klein-Berlin (von einem Berlin, wie ich es früher kannte, soll sich ja geändert haben) und bildet etliche Leute. Es ist schön da, experimentell, unfertig und lässig. Eigentlich darf man als Südvorstädter ja gar nicht so oft dahin, sonst kommt dieses Gentrifidingsbums ins Spiel. Aber wenn’ s nun mal so schön ist. Und hey, ich habe nur Ingrid besucht. Die wohnt nämlich dort. Und so haben wir eine sonntägliche klitzekleine Stadtwanderung durch den Leipziger Westen unternommen und einiges gesehen rund um die Georg-Schwarz-Straße.

Schöne Immobilien, die untere würde ich sofort nehmen:

P1030296P1030313Vergessenes in verwaisten Kellern und Waschhäusern:

P1030299  Das Waschhaus weckt bei mir Kindheitserinnerungen. In unserem Waschhaus waren manche Hausfrauen aus dem Haus regelmäßig zu Gange: mit kurzen Kittelschürzen und riesigen Gummistiefeln standen sie in dem dampfendem Raum und rührten mit Stöcken in der Koschwäsche. Gespült wurde die Wäsche in riesigen Zinkwannen.

Es gibt auch ländliche Gegenden:

P1030312Und in Sachen Kinderaufbewahrung nutzen die Westkultürler mangels Kita-Plätzen auch unkonventionelle Methoden:

P1030316Am Ende standen wir noch vor dem Capa-Haus (Hintergrund hier). Ein Bäumchen wächst aus ihm:

P1030317Und es hat sich mal wieder der kleine “Schüsselkopf” verewigt, ich nenn das Grafitti so. In diesem Post auf dem letzten Bild kann man ihn in groß sehen: http://text-burger.de/?p=1234.

P1030318 Und das hier ist mein melancholisches Lieblingsbild. Verlassene Häuser, aneinander gereihte Hinterhöfe, verwahrlost – genau richtig für schwere Stimmungen.

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Stadtausflug Leipziger Osten, Teil 2

Unser erster Stadtausflug in den Leipziger Osten (hier) liegt eine Weile zurück, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und deshalb jetzt der Bericht von unserer Tour: Täubchenweg – Breite Straße – Herrmann-Liebmann-Straße – Mariannenpark – Liebmann-Straße zurück – Wurzener Straße – Torgauer-Straße – Dresdner-Straße – insgesamt mal eben so nach Sellerhausen und zurück. Höhepunkt war eindeutig der Plausch mit Jonas und Yassin.

Unser erstes Lieblingshaus, altrosa mit bröckelndem Putz:

Urban Gardening mitten in der Stadt: Die Initiative Querbeet eröffnete gerade einen offenen Garten mit einer Fläche von ca. 5000 m² in der Hermann-Liebmann-Str. 17-19. Hier werden nach den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft Nutzpflanzen angebaut -von Bürgern für Bürger:

Ein verlassenes Schlösschen mit Balkönchen und Bäumchen, Prinzesschen war ausgeflogen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer sagt, dass eine Straßenabsperrung keine Halterung für Blumenkästen sein kann? Auch wenn das vermooste Leben in den Blumenkästen sich selbst überlassen wurde:

Natürlich ist der Leipziger Osten wild und gefährlich:

Wunderschöner Mariannenpark (entstanden um 1913, nachzulesen hier).  Während wir ein Sonnenbad auf der Bank (rechts auf dem ersten der vier Park-Bilder) nehmen, beobachten wir zwei Jungs, die ein altes, rosafarbenes Laptop immer wieder die Treppen hinunterschmeißen und darauf herumtrampeln. Als wir wenig später auf dem Weg zu unseren Fahrrädern vorbei müssen, ruft der eine munter: “Hallo!” Wir halloen zurück. Der eine erklärt:

“Ich lasse gerade meine Wut ab. Ich hab Wut auf meine Lehrer. Wir haben nämlich ein Mädchen mit ADHS in der Klasse, die darf alles machen, sogar in der Stunde telefonieren. Ich hab auch ADHS und ich darf nichts.”

Wir bekunden unser Empören über diese Ungerechtigkeit. Die beiden heißen Jonas (ca. 11) und Yassin (ca. 9). Als wir uns mit “Ingrid und Judith” vorstellen, sagt Jonas: “Cool!”

Jonas erzählt viel. Dass er eine blöde Schwester von sechs Jahren hat, die ihn immer ärgert und voll geizig ist. Sie will ihm kein Geld von ihrem Ersparten borgen, damit er seine Tabletop-Figuren-Sammlung erweitern kann. Er hätte da nämlich Uruk-hai und Höhlentrolle von “Herr der Ringe” im Auge. Yassins Schwester ist auch blöd. Wir geben zu, dass Geschwister ganz schön nerven können, aber ganz ohne wär’ s ja auch langweilig. Jonas gibt uns Recht.

Jonas nimmt keine Medizin gegen ADHS, er reagiert sich oft mit einem Stressball ab. Seine Mutter hat gesagt, man muss ein Kind nicht mit Medizin vollpumpen. Sie hat ihn auf die Georg-Schumann-Mittelschule geschickt, weil das die beste in Leipzig ist, wie sie sagt. “Dabei gehen da voll viele Assis hin”, weiß Jonas zu berichten, “Das geht ja gar nicht. Da kommen welche und hauen deinen Kopf einfach so gegen die Wand.”

Jonas hat sich heimlich ein TS bei Security besorgt, das ist wohl eine Art Schlagstock mit Teleskopstange. Damit wehrt er sich, wenn es hart auf hart kommt. Nun sind Ingrid und ich ein bisschen erschrocken und wir raten Jonas, bloß vorsichtig mit dem Ding zu sein. Ist er, beteuert er.

Die beiden wünschen uns noch einen schönen Tag und winken uns hinterher. Wir tun dasselbe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Erinnerung habe ich zwei Tasten aus dem rosa Laptop mit nach Hause genommen:

Auf der reichhaltigen Wiese fand sich etwas Kohlrabiähnliches, in das wir todesmutig hineinbissen. Falls es in Zukunft keinen weiteren Blogeintrag gibt, ist uns die Pflanze schlecht bekommen. Zur Warnung bilde ich sie schon mal vorsorglich ab:

 

 

 

 

 

 

 

Impressionen zwischen Monika und Eierkuchen:

 

 

 

 

 

 

 

Vor ein paar Jahren unterhielt ich mich mit Olav Petersen vom Saegewerkatelier über das alte Viadukt von 1875. Schon damals stand fest, dass es 2012 still gelegt wird. Petersen erzählte damals von seiner Vision, den Viadukt in einen kilometerlangen Radweg zu verwandeln – einfach Schienen runter und Beton drauf. So könnte der Leipziger Osten unmittelbaren Anschluss an das Zentrum bekommen. Mittlerweile ist auch hier die Rede vom Parkbogen Ost, eine Art High Lane Park, der sich an den Stadtteilen Reudnitz, Anger-Crottendorf, Stötteritz und Sellerhausen entlang schlängelt:

Stadtausflug: Leipziger Osten, Teil 1

Immer im eigenen Stadtteil versauern, ist doof. Deshalb lautet einer der Vorsätze für 2012: Flanieren, und zwar in fremden Stadtteilen. Die Bürgersteige sollen durch unsere Sohlen schreien!

So machte sich unsere flanierwillige Dreiermeute auf in den Leipziger Osten, mit dessen Ruf es ja nicht zum Besten steht. Nun erst recht. Unser Trip war saublöd geplant, denn es gab kalten nassen Schneeregen von oben im 45-Grad-Winkel direkt ins Gesicht und in jede Lücke, die unsere Schals frei ließen. In diesem Dilemma kippte uns die Straßenbahn Nummer 8 auf die Eisenbahnstraße und wir versuchten, wenigstens für eine Stunde das Beste daraus zu machen. Land und Leute zu treffen war natürlich vergebens, denn bei diesem Wetter waren nur Verrückte wie wir unterwegs. Trotzdem, auf dem harten Weg zum Torgauer Platz gab es zwischen ca. 30 Dönerläden und erstaunlich vielen grünen Ecken ein paar Entdeckungen, auf welche die Südvorstadt wohl noch lange warten muss:

So z. B. der Laden des freundlichsten Verkäufers der Stadt (ehrlich!): Hier waren mindestens 20 verschiedene Biersorten in den Regalen nach Marke geordnet und als nach vorn ausladendes Dreieck gestellt. Großartig anzusehen. Ein Mekka für Kronkorkensammler, wie Herr Urz und Herr Schlönske welche sind. Jede einzelne Zahnpastatube wurde hier liebevoll mit achtsamen Abstand drapiert.

Sehr zu empfehlen ist der Eisenbahnladen auf der Eisenbahnstraße. Im Schaufenster steht eine Modelleisenbahnlandschaft… der pure Wahnsinn. Wir haben erst nach fünf Minuten Daraufstarren die etwa 0,5 cm großen Schimpansen entdeckt, die sich an einer Brücke entlang hangelten. Sogar der Tod leibhaftig stand auf einem der grünen Hügel. Geht hin und schauts euch an!

Und jetzt noch ein paar Momente:

Die optimale Bank für alle, die allein bleiben wollen. Wo gibt es schon so viel Individualismus?

Auffällig: Liebevoller Umgang mit leeren Bierflaschen.

Hier wurde nicht etwa Holi (indisches Frühlingsfest der Farben) gefeiert, hier hat sich ein Hauswandverschönerer mit der Farbe verkalkuliert.

Ein Aldi mit einer berrückenden Fassade. Einkaufen mit Stil.

Kunst!

Noch mal Kunst!

Irgendwie auch Kunst.

Der Potsdamer Platz des Leipziger Ostens!

Wenn das Wetter sich bessert, wird der Osten intensiver unter die Lupe genommen.

Leipzig-Jubiläum

Im Oktober feiere ich mein 20-jähriges Leipzig-Jubiläum. Damals sah diese Stadt noch so anders aus. Ich zwängte mich durch schmale Klofenster in Abrisshäusern, um Teil der Jugendbewegung zu sein. Jedenfalls tat ich so und ich war glücklich dabei. Meine Lage war prekär und erforderte etliche Besichtigungstermine im Bafög-Amt. Ich wohnte ohne Ofen und konnte im Winter das Eis von der Wand hacken. Natürlich war das alles so halbseiden illegal, der Mieter vom Mieter vom Mieter vom Mieter… Drinnen wie draußen bröckelte das Haus, in der Nebenwohnung rauschte das Wasser wegen der ständigen Wasserrohrbrüche, Ratten und Penner gaben sich die Klinke in die Hand. Abends lag die Küchendecke auf dem Fußboden und wir hörten smells like teen spirit. Überlebt haben wir alle und viel Spaß dabei gehabt. Auch an der Sprache auf Leipzigs grauen Straßen. Zum ersten Mal passierte es mir an der Kasse im Geschäft. “Ham Sie manschema noch’n Pfennich?” Hm, dachte ich. Ja, manchmal habe ich sicher einen Pfennig, aber wie ist es mit gerade eben jetzt? Bei den Sachsen ist alles “manschema” und das ist irgendwie angenehm unaufdringlich und unhektisch. Nicht “sofort”, sondern “manschema”. Mit etwas Glück wurde man von Alteingesessenen als “meine gutste Gute” betitelt. Hand aufs Herz, wie oft im Leben wird man so nett genannt?

Jetzt lebe ich immer noch hier und zwar gerne. Auch wenn das heutige Leipzig nicht mehr viel mit dem von damals zu tun hat.