Schlagwort-Archive: Taxi

Nächtliches Taxigeplauder

Nachts unterwegs nach Hause von der rauschenden UV-Lesung im Rahmen der Buchmesse. Es fühlt sich an wie die kälteste Nacht des Jahres. Logischerweise hechte ich auf das erste Taxi zu, das am Horizont leuchtet. Taxi hält an, Tür geht auf, Taxifahrer bestürzt: "Ich nicht kann, gerade eben Auftrag angenommen." - "Ach so", sag ich. - Sagt er: "Nehm ich dich mit bis Ende Straße, guckst du, ob neues kommt." - Ich: "Echt!?" Im Taxi. Der Taxifahrer erzählt, dass er einmal einen Gast abholen musste, der im "Immer gut leben" war. (Anmerkung: Er meinte das: "Noch besser leben") "Was ist das für Name", denkt er laut. "Immer gut leben, funktioniert nicht, jedenfalls nich mit Glück. O. k., wir sind gesund und alles, aber Glück... nicht immer da. Wenn Glück kommt, muss man festhalten, weil sonst dauert Jahre, bis Glück kommt." - "Doof ist nur, dass man nicht immer weiß, ob es jetzt das Glück ist, was man festhalten soll", gebe ich zu bedenken. Als ich aussteige, wünsche ich ihm viel Glück. Nach fünf Minuten Fußmarsch auf verharschten, spiegelglatten Wegen, kommt das nächste Taxi. Diesmal ein älterer Herr. Im Radio läuft ein Schlager. In dem Lied geht es um Liebe. Irgendjemand will anfangen zu lieben oder immer noch lieben, wenn der Winter vorbei ist. Der Taxifahrer und ich gucken uns an. DA BRAUCHT MAN DIESEN WINTER GEDULD, sind wir uns einig. Ich kenne mich mit den Assoziationsketten der Taxifahrer nicht aus, aber sofort kommt er auf Japaner zu sprechen. Japaner seien sehr geduldig: "Die ham die Ruhe wech." Und wieder ein Assoziationssprung. "Japaner essen Kugelfische. Lebend. Da weiß der Kugelfisch noch nicht, dass er stirbt, da wird er schon gegessen. Aber irgendwann erwischt es einen. Weil die sind ja giftig." Das sagt der Taxifahrer ganz ohne Häme. So ist das eben, essen und gegessen werden, töten und getötet werden. Und zwischendurch warten wir, ob das Glück vorbei kommt.  

Auf ein Wort im letzten Jahresstückchen

Es ist die vorletzte Nacht des Jahres. Ich bin für die Straßenbahn, aber der Schnee, die Länge des Nachhauseweges und ein Rioja-Mützchen zwingen mich und meine Freundinnen in ein Taxi. Der Taxifahrer sieht normal aus und besitzt alles, was ein Taxifahrer braucht: Augen, Ohren, Hände... Wir hatten vorher wichtige Dinge besprochen: Viel Erfreuliches aber auch Arschlochdinge. In Anlehnung an letztere sinniert die Freundin im warmen Taxi, dass sie unlängst irgendwo gelesen hätte, das es sich auf der Rückbank eines Taxis besser weint als in der Straßenbahn. Wer das gesagt hätte, wüsste sie allerdings nicht mehr. "Das war Reich-Ranicki", meldet sich der Taxifahrer zu Wort. "Der", frage ich. "Nee, ne?" Wir fahren weiter, der Taxifahrer nestelt an seinem Handy. Dann reicht er sein Handy hinter. Wir sehen eine abfotografierte Zeitungsseite, da steht als Überschrift: "Kalenderspruch", dann folgt genau das Zitat mit der Taxirückbank und darunter steht: "Marcel Reich-Ranicki". O.k.! Der Taxifahrer strahlt über das ganze Gesicht: "Das weiß ich nämlich!" Das ist, was ich euch für das neue Jahr wünsche: Habt immer die richtigen Worte auf den Lippen. Oder meinetwegen im Handy. ALLES GUTE!!! Wir lesen uns.