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Bühnenschwund

P1040887Eine Treppe in der Pampa und sie führt ins Nirgendwo. Entdeckt habe ich sie im Berliner Schönholz. Später erfuhr ich, dass hier früher mal das Leben auf einer Freiluftbühne tobte. Dass Bühnen verrotten und Theater geschlossen werden, gehört leider nicht der Vergangenheit an, sondern scheint schale Zukunftsmusik zu sein. Ach ja.

Blicke von Bänken

Drüben bei Jochen hab ich die neue Serie entdeckt: "Blicke von Bänken". Das hab ich auch mal ausprobiert, ganz bewusst. Beim Sitzen auf einer Bank befindet man sich ja in einer guten Ausgangsposition: Man sieht den anderen zu. Ein bisschen wie Theater, noch dazu kostenlos. Ich habe eine Bank im städtischen Auwald gewählt, weil ich da grad unterwegs war. Und tatsächlich ist mir gleich was aufgefallen: Diese Bank befand sich in von Hochstimmung gefluteter Atmosphäre: P1040427P1040424 Der Blick nach vorn wie nach oben war weit, hell, blau und grün. Und diese Weite lässt offenbahr Gefühle zu.     P1040429P1040431 Denn um diese Bank herum fanden sich Spuren von Liebe. Man sieht es an den hinterlassenen Herzchen.  

Und auch die Bank von schräg gegenüber - einfach nur positiv.

P1040430Komisch nur, dass ich da ganz allein war. Alle anderen fuhren nur ihr Kinder und Fahrradhelme spazieren. Wahrscheinlich muss man auf dieser Bank vor allem sich selber mögen.

Die Bühne des Lebens

Ein Ausflug zur Freiluftbühne in der Provinz ist anders. Man steht neben Annika, Tommi und Pippi, während Garderobieren falsche Beine hinter die Bühne schleppen. Der dienstälteste Statist, der in dem Hinterteil eines Pferdekostüms steckt, erzählt die merkwürdigsten Geschichten – er ist bekannt dafür, seit Jahrzehnten. Dass er z. B. die beste Freundin von Helga Hahnemann war und damals ihre Grabrede hielt. Dass er öfter Auftritte in Paris hatte und noch in derselben Nacht zu seinen Statistenaufgaben zurückfliegen musste. Natürlich hat er bei Gret Palucca studiert – trotz seiner Gewichtsprobleme. Er ist ein berühmter Mann, das haben nur noch nicht alle gemerkt. Auch auf dem Rückweg im Zug schlurft ein Typ herein, dessen Geist offensichtlich in weite Gefilde zu mäandern weiß. Er wackelt die ganze Zeit mit dem Kopf und guckt ins Leere. „Haben Sie gewusst, dass die meisten Kinderschänder Deutschlands aus Schkeuditz stammen?“ – „Wie bitte?“ Alle Fahrgäste rutschen tiefer in die Bank. Die Aussage steht im Abteil und niemand fängt sie auf. Die beiden jungen Leute, die sich hinter mir über ihre internationalen Sprachcamps austauschen und an die der Einwurf gerichtet war, reden sich raus: Da solle man lieber noch mal recherchieren. Als die beiden im Gespräch schließlich den Wannsee erwähnen, ruft der verwirrte Mann: „Wannsee! Das gefällt mir! Leipzig, Halle – das gefällt mir nicht.“ Selten werden Meinungen so klar benannt. Als der Schaffner umständlich eine online-gekaufte Fahrkarte kontrolliert, faselt er etwas vom teuer gewordenen DHL-Porto. Jeder muss in seiner eigenen Welt leben. Irgendwann. Wir bestiegen an diesem Tag todesmutig die Seilbahn und schwebten sanft, aber verkrampft nach unten schauend, über den Harz: P1040072

Theaterverbote

Gestern im Theater gewesen: Figuren- und Objekttheater im Westflügel. Der Westflügel ist ein magischer Ort in Leipzig und auf jeden Fall außergewöhnlich in seinen Darbietungen. Auch die Eintrittskarte gehört wegen ihrer liebevollen Gestaltung zu den Dingen, die einen Platz in der heimischen Devotionalienkiste beanspruchen darf: Aber was fällt auf? Auch die Theatervorstellungen im Westflügel sind von Verboten beherrscht. Dabei sollte doch das Theater ein Ort sein, an dem Szenarien durchgespielt werden dürfen, die in der Realität gar nicht gehen! Ich trage mal zusammen, was im Zuschauerraum alles verboten ist: - Ich darf nicht den Taschenrechner raus holen und die Einnahmen und Ausgaben für den nächsten Monat durchrechnen. - Ich darf keine Gläser füllen, sondern nur leere mit hineinnehmen. - Ich darf nicht die Augen schließen und in höchster Verzückung ein Lied anstimmen. Das ist ganz schön viel. Und das Gemeine daran: Die Schauspieler dürfen alles! Pöh.