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Auch das ist Weihnachten

Mitten in der Woche, morgens 9 Uhr, der Markt ist menschenleer: Eine Kita-Gruppe steht auf der kleinen Bühne des Hallenser Weihnachtsmarktes, merkwürdig heraus geputzt. Die Kinder tragen Papierservietten mit Lochmuster auf den Köpfen, die Servietten hängen mit allen vier Ecken uninspiriert am Kopf herunter, das erinnert ein bisschen an die Großmutter von Rotkäppchen. Neben den Kindern produziert sich ein unterkühlter Weihnachtsmann, der sie altersgerecht begrüßt mit: "Schön, dass ihr so zahlreich erschienen seid". Vor der Bühne stehen nur Eltern (wie gesagt, sonst menschenleer) mit superauflösenden Fotoapparaten. Kameras thronen auf Stativen. Tablets werden in die Luft gehalten. So singen die Kinder frierend im Blitzlichtgewitter. Die Eltern knipsen wie die Weltmeister und hauchen sich zwischendurch in die kalten Hände. Dann ist alles ganz schnell vorbei. Auch das ist Weihnachten.

Senftenberger Weihnachtsstimmung

Arbeitsbedingt fahre ich derzeit ein bisschen durch die Gegend, heute nach Senftenberg. Die Zugfahrt führte durch Gegenden, in denen die Zeit still zu stehen schien. An den Bahngleisen lag ein totes Wildschwein. In Senftenberg habe ich das erste Mal Weihnachtsstimmung gespürt. Auf der dortigen Festung, im Schloss, waren die Damen des örtlichen Heimatvereins damit beschäftigt, 50 Weihnachtsbäume zu schmücken, das tun sie hier nämlich seit 30 Jahren: P1040693Überall im Museum verstreut standen Kisten voller Weihnachtsschmuck und es duftete betörend nach Tannenwald. Jeder der 50 Bäume wird komplett anders aussehen und jedes Jahr kommt außerdem eine neue Schmückung dazu - das ist dann der Baum des Jahres. Unter den Frauen herrschte eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Das war irgendwie schön und irgnedwie unwirklich. Lustig war: Senftenberg gehört zum Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Und was kommt aus dem Spreewald? Richtig: Die Spreewaldgurke. Deshalb hängt man sie hier auch an den Weihnachtsbaum: P1040704Sie ist doch süß, oder? Hier noch eine nette Senftenberger Hausgemeinschaft, die aus den Fenstern winkt - irgendwo zwischen Markt, Festung, Senftenberger See und Wendischer Kirche: P1040699 P1040702

Pia Ziefle ist mein Blogwichtel

Texttreff Blogwichteln 2011 Vorweihnachtszeit ist auch Blogwichtelzeit. Letztes Jahr bewichtelte mich Annette Lindstädt mit einer Ode an den sächsischen Dialekt. Das geschah im Rahmen der Texttreff-Blogwichtelaktion. Auch dieses Jahr bebloggen sich die wortstarken Frauen gegenseitig. Die Beiträge kann man auf dem TT-Blog verfolgen, der steht in meiner Blogroll. In diesem Jahr freue ich mich besonders über den Wichtel, der mir per Los zugeteilt wurde. Es ist die Schriftstellerin Pia Ziefle, deren unglaublich schön erzähltes Romandebut "Suna" ich im März  hier besprochen habe. Pia hat einen Moment beschrieben, der in einem wunderbaren Wort gipfelt:   Augenklavier "Kommst du", sagt das Kind, und legt sich die Regenhose über den Arm, denn das ist Vorschrift im Kindergarten, Regenhose bei Regen, und auch bei Sonnenschein, denn es könnte ja Regen geben. Zumindest "in Reichweite haben" sagt das Kind, "in Reichweite" klingt doch nicht schlecht. Für den Fall dass, sagt man hier, und das ist ein vollständiger Satz, ist das eigentlich Süd-Deutsch? "Kommst du", sagt das Kind und schiebt die Brotdose in den Kindergartenrucksack, die Brotdose nie neben den Tee, der noch warm ist und das Brot bis zur Vesperzeit handwarm werden lässt, so dass das (verbotene) Nutella davonfließt und (erlaubte) Gurke so labberig wird. "Ich komm gleich", sage ich aus dem Bad, den Ventilator übertönend, und denke mir dabei, der war aber schonmal leiser, muss ich nachher bei den Stadtwerken vorbeigehen, die sind bei uns zuständig für die Ventilatoren in den Badezimmern und Gästetoiletten der Reihenhäuser unserer Straße. "Was machst du da drin?", fragt das Kind, und klopft an die offenstehende Tür, weil es so gern "Herein!" hören will und sowieso bei jeder Gelegenheit anfängt zu spielen. "Herein!", sage ich, und es klingt etwas verzerrt, weil ich versuche, mich unfallfrei rasch zu schminken, obwohl ich die Jacke schon anhabe, die dick ist, weil draußen nur noch 2 Grad sind. "Oh", sagt das Kind, als ich fertig bin und vorsichtig in den Spiegel blinzle, "oh, bist du fertig mit dem Augenklavier?" "Augenglasur!" sagt da das Kind, als ich es ungläubig anschaue, und ja! da wird mir klar, was es meint, natürlich, Augenklavier, das ist Wimperntusche, denn Tusche wie Glasur wie Klavier - und geklimpert wird schließlich mit beidem. Pia Ziefle

Frohe Weihnachten

Liebe Alle, die sich hierher verirren: Ich wünsche euch ein gesegnetes Fest und ein 2012, das echt knorke ist! Was Weihnachten bedeutet, muss ja jeder für sich selbst herausfinden. Es hat was, dieses Weihnachten. Ich merke schon wieder seit etwas zwei Tage, dass ich milde werde 🙂 Weihnachten ist positiv. Es ist Freude, Neuanfang und auch Traurigkeit. Letzteres kann man deutlich in mancher Weihnachtsmusik hören. Ich schenke euch heute eine Strophe aus einem meiner Lieblingsweihnachtslieder "Wie soll ich dich empfangen", weil sie so schön und tief ist:

Ich lag in schweren Banden,

du kommst und machst mich los;

ich stand in Spott und Schanden,

du kommst und machst mich groß

und hebst mich hoch zu Ehren

und schenkst mir großes Gut,

das sich nicht lässt verzehren,

wie irdisch Reichtum tut.