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Reklame

P1030823 Alte Schriftreste an Häuserecken - früher florierte hier sicher einmal ein Laden. Ich liebe es, wenn solche Spuren selbst nach der Sanierung stehen bleiben. Sieht wunderschön aus. Wie einfach früher die Aufmerksamkeit zu erringen war. Allein der Hinweis, dass es hier Kaffee, Kakao und Tee in groß und klein gab, hatte Käufer angezogen, bzw. informiert. Heute muss da schon ein bisschen mehr kommen. Kaffee sollte am besten im Angebot sein, aus dem Hochland stammen, raffiniert veredelt und mit seltenen Bohnen versetzt sein und natürlich das Qualitätsversprechen des Herstellers erfüllen. Auch wenn es vielleicht gar nicht stimmt. Am Ende ist der beste Kaffee, den man kriegen kann, kompetenter Kaffee :-).

Reclame

Ich hatte einen Traum. Wahrscheinlich träumte ich ihn wegen des verstärkten Austausches in letzter Zeit über altmodische Werbung aus der Vergangenheit (und leider auch über verstaubte Werbung aus heutigen Tagen). Die gute alte Reclame, die ich als Kind heimlich im Westfernsehen konsumierte, übt immer noch eine starke Faszination auf mich aus. Da wäre z. B. das liebevoll animierte Bonduelle-Gemüse, das einen flotten Marsch trällerte. Oder Clementine. Clementine!!! Und Frauen, die ihre Hände ungefragt in eine Palmoliveessenz tunkten. Die Wäscheleine quer durch die ganze Republik, weil das Waschmittel so ergiebig war. Straßenpassanten mit riesigen Waschmittelboxen, auf denen eine monströse rote Schleife prangte. "Nur Küsse schmecken besser!" Besser als was? querbeet-gelesen.de weiß es übrigens, sie weigert sich aber hartnäckig, mit Eckes und mir darauf anzustoßen, nicht wahr, querbeet? Ach, die gute alte Reclame. Da wurden Schuppen mit einem Handwisch von samtenen Schultern entfernt und mit einem Flirtversuch verbunden. Gardinen mit Goldkante, die so schwer und füllig Fenster völlig überflüssig machten. Der Gilb bleckte schon die Zähne, während Meister Proper sich in klinisch weiß gekachelten Küchen spiegelte. Mein persönlicher Klassiker aber ist das Gutfriedwurst-Lied: "Gutfried-Wurst ist gut für mich, oh yeah, Gutti Gutti. Salami, Mortadella und Schinken Zervelat, Gutfried ist gut für mich, Gutfried ist gut für mich: Weniger Fett aber voller Geschmack!!!" Und plötzlich sitzt ein Huhn in der Küche. Aber jetzt bringe ich Toffifee ins Spiel. Da sah ich heute Morgen einen neuen unglaublich blöden Spot mit einer weiblichen Gesprächsrunde, die sich über das Know-how von Toffifee austauschte. Danach kam ein genauso blöder Spot mit Ferrero-Küsschen. Wah!!!! Und dann fiel er mir ein, mein Traum. Denn in ihm tauchte ein Ferrero-Küsschen auf, obwohl ich die überhaupt nicht mag. In meinem Traum hatte ich eine Frau kennen gelernt, die mich auf das miserable Verhältnis von Werbebotschaften und deren Wirklichkeit aufmerksam machen wollte. Vielleicht war sie von Foodwatch? Sie gab mir ein Ferrero-Küsschen und eine Lupe und ich sollte schauen, was sich im Kleingedruckten des Küsschens verbarg. Ich sehe es noch genau vor mir, wie ich im Traum die riesige Lupe über das kleine Schokoküsschen senke und plötzlich das Unerhörte entdecke: Da stand nämlich ganz ganz ganz klein, dass dieses vermeintliche Ferrero-Küsschen von H&M war! So eine Schummelei!!!! So was träume ich nun. Und esse liebe meine alten Knusperflocken.

Reparaturwerbung

Der Waschmaschinenreparateur unseres Vertrauens heißt Steffen Jakob, hier ist er. Jedes Jahr zu Weihnachten freuen wir uns wie Bolle, wenn Herr Jakobs Weihnachtspostkarte ins Haus flattert. Denn Herr Jakobs schöne Reime sind "Dichtertum im zarten Keime". Letztes Jahr erfreute er uns mit diesem Weihnachtsgedicht:

Lieber guter Weihnachtsmann

schau dir nur die Waschmaschine an.

Die Trommel will sich nicht mehr drehen,

danach muss man doch mal sehen.

Gern repariert Herr Jakob diesen Schaden -

wie gut, dass wir diese Karte haben!

Nun mag man von solchen Werbegedichten denken, was man will, hier passen sie. Ich empfinde diese Zeilen hochauthentisch. Ich liebe sie! Und sie wirken: Ich würde jederzeit wieder Herrn Jakob anrufen, wenn eines unserer Hausgeräte rumspinnt. Das liegt natürlich auch daran, dass Herr Jakob genauso rüberkommt wie seine Reime: Geradeaus, ehrlich, ohne SchickSchnack und immer mit einem Schmunzeln im Gesicht. Dieses Jahr haben wir dieses Gedicht bekommen:

Kommt die Weihnachtszeit heran,

fängt das Plätzchen-Backen an.

Ach herrje, du lieber Schreck,

beim Herd, da bleibt die Hitze weg.

Doch nicht lange nachgedacht,

ein Termin bei Herrn Jakob ist schnell gemacht.

Ich wünsche mir auch einen Kunden, für den ich mal ins Reime-Fach wechseln dürfte. Das macht nämlich Spaß. Und wo' s passt...