Artikel-Schlagworte: „Wildkräuter“

Neues von der vegetarischen Menükarte

Donnerstag, 7. Juli 2011

Heute: Gundermann! Ja, Gundermann!!!! Aber nicht der singende Braunkohlebaggerfahrer sondern dieses superbe Kraut hier. Gundermann oder Gundelrebe (Glechoma hederacea) ist ein Wahnsinnskraut, dass den hiesigen Auwald zusammen hält. Man kann ihn das ganze Jahr ernten und vielfältig anwenden. Da er sehr geschmacksintensiv ist und auch ein wenig bitter, empfiehlt es sich, ihn im Essen sehr sparsam anzuwenden. Bei uns hat er gestampft und mit Wickeln versehen schon arg geschundene Knie geheilt, denn Gundermann treibt den Unrat aus dem Körper.

Der Etymologie nach heißt die Pflanze EITER oder GESCHWÜR – reizend nicht wahr? Denn Gund war der gotische Name für Eiter. Wundheilung, Bronchialerkrankungen, Gift ausleiten – das kann er! Hier stehen interessante Dinge über das Kräuterchen, z. B. dass man mit ihm – in der Walpurgisnacht gepflückt – Hexen enttarnen kann. Das ist ja manchmal nützlich.

Andere Volksnamen für Gundermann lauten: Zauberpflanze, Blauhuder, Buldermann, Donnerrebe, Hederich, Engelskraut, Erdefeu, Efeu-Gundermann, Gewitterblume, Guck-durch den Zaun, Grundrebli, Gundelrebe, Gundelrebli, Gundelrieme, Gutermann, Heckenkieker, Heckenmädchen, Heilrauf, Heilreif, Huderich, Silberkraut, Soldatenpetersilie, Steinumwickler, Stinkender Abbatz, Totenkraut, Wildes Katzenkraut, Zickelskräutchen, Wald-Uschla… Donnerrebe, weil Gundermann eine Verbindung mit Thor habe, Zickelskräutchen verweist auf eine Verbindung mit den Göttinnen Artemis und Freya. Früher haben sich die Leute bei der Betitelung ihrer Pflanzen noch was einfallen lassen.

Ebenso schön finde ich die englischen Namen für die Gundelrebe: Ground Ivy, Alehoof, Haymaids, Lizzy-Run-Up-The-Hedge, Robin-Run-In-The-Hedge…

Übrigens kenne ich mindestens 20 Frauen, die bei Gundermann entzückt aufschreien :-)

Neues von der vegetarischen Menükarte

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Voila: der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris). Seine Blütezeit ist längst passé, aber sein Namensvetter hat gerade Hochsaison. Zur Zeit wünsche ich mir ja viele Frauenmäntel zum drunter verstecken, wenn das Wetter mal wieder die neuesten Launen präsentiert: blizzardartige Stürme, Schneemassen oder strömender Regen, der eben noch in der Luft herunterfällt, im nächsten Moment schon überall anfriert, wo es nur geht. Ätzend!!! Aber dieser Frauenmantel ist natürlich nicht zum Anziehen, obwohl er eindeutig zu den kleidsamen Dingen auf dieser Welt gehört.

Warum heißt der Frauenmantel Frauenmantel? Ihr müsst ihn mal vorsichtig an seiner Blattunterseite streicheln: Der ist weich! Ganz weich und sanft. Berrückend geradezu. Das könnte ein Grund sein für seinen Namen. Der Frauenmantel ist ein Kraut gegen Frauenleiden. Frauenleiden ist ein Wort, das ich echt blöd finde. Aber Frauenmantel hilft nun mal nach Geburten, in den Wechseljahren, bei Osteoporose und ist außerdem entzündungshemmend, blutreinigend, harntreibend, magenstärkend… Er kehrt sozusagen alle Leiden unter das Mäntelchen des Vergessens.

Typisch für den Frauenmantel sind die Tautropfen, die sich in seiner Blattmitte sammeln. Auf die Schläfen getupft sollen sie ungemein beruhigend wirken. Und richtig schön sieht’ s außerdem aus. Viele nannten den Frauenmantel aus ersichtlichem Grund: Perlkraut.

Dieses Exemplar habe ich übrigens hier entdeckt: Der Connewitzer Stadtgarten ist ein Projekt des Ökolöwen Umweltbund Leipzig e.V. Frauenmantel wächst aber auch hinten im Auwald. Wir haben uns schon miteinander bekannt gemacht. Es dauert noch mindestens 6 Monate, bis wieder welcher wächst. So lange müssen wir mit anderen Mänteln vorlieb nehmen.

Das Franzosenblümchen

Sonntag, 5. September 2010

Einleitung: Dieses Jahr hat mich die Kräuterei gepackt. Angefixt wurde ich von ihr, das war im Frühling bei einem Netzwerk-Treffen. In meiner Nähe gefunden habe ich dann diese Kräuterhexe, die mich mit Wissen rund um die heimische Flora versorgt. Wo ich jahrelang völlig gleichgültig an Wegesrändern vorbei schlich, kann ich jetzt mit dem Finger auf  allerlei Gewächs zeigen und sagen: Du bist das und das, und dich kann man sogar essen. Das färbt auch auf die kleinere Etage ab. Früher murmelte Herr Schlönske auf dem Fahrradkindersitz hinter mir immer nur: VW, Ford, VW, BMW, Opel… weil er sonst nichts anderes entdecken konnte. Jetzt höre ich: VW, Ford, VW, wilde Möhren, BMW, Opel. Viele Kräuter und Blumen tragen wundervolle Namen und haben außerdem noch eine Geschichte. Ich finde, das kann man ruhig hin nund wieder aussprechen. Die Kategorie “Vegetarisches” wird sich in Zukunft darum kümmern.

Heute: Das Franzosenblümchen:

Der kleine Korbblütler stammt von den Knopfkräutern ab. Knopfkräuter, sprecht es laut vor euch hin – klingt putzig, oder? Franzosenblümchen (oder Franzosenkraut) heißt es, weil es sich in unserem Lande stark verbreitete, als Napoleon just seinen Feldzügen nacheiferte. Überall, wo Franzosen auftauchten, spross das Franzosenkraut, so dachten sich das die Leute damals. Sonst erinnert nur das Völkerschlachtdenkmal an Napoleons Niederlage, die in der großen Schlacht von 1813 auch eine Niederlage der Sachsen war. Aber für das Franzosenkraut konnte Napoleon wirklich nichts. Es stammt nämlich aus Kolumbien und spendet dort als Gewürz der Hühnersuppe Ajiaco ihren typischen Geschmack. Klein und unauffällig wächst es inzwischen in ganz Europa unkrautartig still vor sich hin, sogar zwischen Leipziger Pflastersteinen.