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Der Katzentisch

Ich habe ein neues Wort gelernt. Das Wort kannte ich nicht, was es bezeichnet jedoch sehr wohl: Lädt man sich Gäste ein, passen nicht immer alle an den großen Tisch. Es wird dann ein weiterer Tisch an den großen herangestellt. Meist ist er kleiner als der Haupttisch und für gewöhnlich müssen dort die Kinder sitzen oder die zu spät gekommenen Gäste. Es ist natürlich keine Strafe, am Katzentisch zu sitzen, aber besonders schön mag es nicht immer sein. Eine besonders schlechte Figur am Katzentisch machen diejenigen Menschen, die sich gerade auf dem Weg vom Kindsein ins Erwachsenenalter befinden. Lang aufgeschossen versuchen sie ihre lange Beine unter dem Katzentisch zu verstauen, starren stumm auf die weiße Tischdecke und langweilen sich zu Tode. Warum dieser Tisch nun gerade Katzentisch heißt, ist mir ein Rätsel. Als ob sich Katzen einem Extra-Tisch zuweisen lassen würden! Pfffhhh! Die Katzen, die ich kenne, würden den Katzentisch höflich ignorieren und sich mitten auf die Haupttafel legen. Aber zugegeben, Katzentisch klingt echt nett und ist ja auch nett gemeint. Schließlich soll keiner draußen bleiben müssen.

Großes Reinemachen

Putzsprache fand ich ja schon immer interessant! Ich hatte Ausführungen zum "Nebelfeuchten"-Mikrofaserputzlappen ja schon einmal hier gepostet. Da ging es um den Fachjargon der professionallen Putzkräfte. Auch die regionalen Ausläufer hinsichtlich des Feudels hatte ich hier schon abgehandelt. Hab ich was vergessen? Jawohl! Denn auch der private Hygienekosmos beschenkt uns mit wunderbaren Vokabeln. Ganz oben rangiert für mich das "Feucht-Aufnehmen". Das ist nämlich viel mehr als "besenrein", das ist richtig rein. In diesem Begriff steckt etwas Liebevolles. Da wird ein Lappen sanft über den Fußboden gewischt. Krümel werden mit dem Lappen zusammen auf ein Häufchen gestrichen und dann mit der Hand in einer eleganten Kreisbewegung "aufgenommen". Fertig. Bevor der Saubergeist jedoch mit dem "Feucht-Aufnehmen" beginnt, muss aufgeräumt werden, damit nichts im Weg liegt. Und das bedeutet für all den Krempel, dass er "staubfrei unter" kommt. Wenn etwas "staubfrei unter" ist, handelt es sich um den Gipfel der Ordnung. Ich konnte mich bisher nur an den schönen Wörtern erfreuen, Erfahrungsberichte mit feucht aufgenommenen Zimmern, in denen auch noch alles staubfrei unter ist, kann ich leider nicht liefern.

Wer spricht fließend bundesdeutsch?

Vor vielen Jahren, wahrscheinlich sind es neunzehn an der Zahl, klingelte der "Wessi-Student" von oben an unserer Studentenwohnung. Er fragte: "Eyh, kann ich mir mal einen Feudel von euch borgen." Ich war komplett ratlos. "Oder einen Hader?", versuchte es der Student noch einmal, woraufhin ich noch ratloser schaute. Es dauerte eine Weile, bis wir heraus fanden, dass er einen Scheuerlappen wollte. Damit in Zukunft keine Probleme mit Begriffen aus unterschiedlichen Bundesländern auftreten, hat die Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg einen "Atlas zur deutschen Alltagssprache" zusammen gestellt. Möchtet ihr bitte hier schauen. Wissenschaftler haben hier Sprachlandkarten zu Begriffen veröffentlicht.Wenn man den Begriff "gebratener Fleischklops" anklickt, sieht man, dass ich aus dem Land der Bulette komme, während sich der Norden fest in der Hand der Frikadelle befindet und das Schwabenländle vom Fleischküchle geprägt ist. Links im Menü kann man sich ganz bequem durch die erste, zweite, dritte... Runde klicken - oder ihr gebt einen bestimmten Begriff gleich in die Suchfunktion ein. Das Ganze ist bereits sehr umfangreich gediehen und jeder kann selbst an den Umfragen teilnehmen (gerade läuft die achte Runde). Dialekte sind ja stets ein willkommener Gesprächsstoff in geselligen Runden. Dank dieser Seite lässt es sich in Zukunft wundervoll gepflegt klugscheißen.

Auflösung des Gewinnspiels

Was ihr für nette Wörter kennt! Affenschaukel hab ich auch mal getragen, nachdem ich einsehen musste, dass meine Zöpfe nie so wie bei Pippi Langstrumpf abstehen würden. Kontor - ganz toll, da schwingt so was Ehrwürdiges mit und ich muss gleich an alte, geölte Holzladentischregaleinbauschränke mit ganz vielen Schublädchen denken - komische Assoziation. Schnullifax - wunderbar. Der Schwerenöter - seufz. Für die unterschiedlichen Bezeichnungen von Bonbons könnte ich ja mal einen eigenen Beitrag verfassen. Recht so, was gut schmeckt, hat mehrere Namen verdient. Habt vielen Dank für eure Wörter. Aber wer hat nun gewonnen? Hier ruhen all eure Namen, säuberlich auf Zettel geschrieben. Natürlich jeder nur einmal, auch wenn mehrfach kommentiert wurde. Und jetzt kommt die Gewinnerin (meine Güte ist das aufregend): Applaus! Applaus! Applaus! Carola und das PFRIEMELN haben gewonnen!!! Herzlichen Glückwunsch! So, liebe Carola, welches soll nun dein Herzbuch sein? Die Wörterfabrik, die dich mit wunderschönen Illustrationen mitnimmt in ein fremdes Land oder das Sprachbastelbuch, das dir gehörig den Sprachnerv verdrummelt? Sag es uns, du glückliche Gewinnerin 🙂 Das hat so einen Spaß gemacht, dass ich, glaube ich, bald wieder ein Gewinnspiel machen muss.

Das Text-Burger-Gewinnspiel!

Das muss jetzt mal gemacht werden: Das erste Text-Burger-Gewinnspiel. Los gehts. Wörter sind was Feines. Aber viele Wörter sind bedroht. Dabei ist es so einfach, ihnen zu helfen. Man muss sie einfach nur benutzen. Ich mag Wörter, die nicht mehr so häufig im Gebrauch sind. Zum Beispiel das Wort Pelerine (hier eine entzückende Zeichnung dazu). Obwohl kaum noch jemand dieses Plastik-Umhang-Dings besitzt, klingt Pelerine doch umwerfend schön. Als ich einmal Buchstabler-Kinder aus meinem Kurs fragte, welches Wort sie schöner finden: Pelerine oder Regenjacke, da waren die sich alle einig: Sie wählten die Pelerine ab. Warum? Versteh ich nicht. Vielleicht bin ich hoffnungslos altmodisch. Ach Quatsch, bin ich doch nicht. Ich mag ja auch die neuen Wörter. Gerade läuft das Voting für das neuste Jugendwort des Jahres. Bis Ende Oktober könnt ihr hier abstimmen (ich finde ja Karussellfleisch ganz reizend). Neue Wörter sind prima. Deswegen muss man die alten ja nicht gleich auf den Müll werfen. Es gibt noch so viele Wörter, die aus meiner Sicht bleiben müssen: Obacht, schnabulieren, Strolch, Müßiggang, Unhold... Auf www.bedrohte-Woerter.de stehen viele dahinsiechende Wörter. Rettet sie! Nehmt sie in den Mund! Noch mehr schöne Wörter gehen auf der Wortweide spazieren, gesellt euch dazu. So, nu gehört ja zu einem Gewinnspiel noch was dazu. Was ich jetzt von euch wissen will, ist euer schönstes Wort, dem das Vergessen droht. Für welches Wort wollt ihr euch bemühen? Bitte kommentiert dazu. Am 23. September werde ich unter den Kommentaren die/den Gewinner/in auslosen - streng nach Vorschrift mit Augen zu. Und was gibts zu gewinnen? Natürlich ein Buch. Mit Wörtern. Über Wörter. Von diesen zwei Werken darf sich die/der Gewinner/in eines aussuchen: Das Buch über die Wörterfabrik habe ich schon einmal hier erwähnt. Bei dem Sprachbastelbuch handelt es sich um einen Klassiker von 1975. Damit lernt man z. B. spielend japanische Zungenbrecher. Das kann man gut brauchen. Die/der Gewinner/in darf sich von diesen beiden Büchern eines aussuchen und bekommt es von mir zugeschickt. Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Kostbare Wörter

Wörter sind auch meine Freunde. Und in dem Land, von dem in diesem Buch die Rede ist, muss man jedes Wort erst kaufen und herunter schlucken, um es aussprechen zu können. Die Wörter sind teuer! Nur wenige können sich so viele Wörter leisten, wie sie brauchen. Manchmal findet man Wörter im Müll, aber nur Unnütze wie Hundekacke. Es gibt auch einen Wörter-Sonderverkauf. Dort kann man viele überflüssige Wörter kaufen wie Zierhasel. Manchmal aber fliegen Wörter durch die Luft und die Kinder fangen sie mit ihren Schmetterlingsnetzen. Der kleine Paul hat Glück und fängt drei. Paul ist in Marie verliebt. Aber das kann er ihr nicht sagen, weil ihm die Worte fehlen. Dazu kommt, dass  Paul einen Nebenbuhler hat - mit extrem reichen Eltern. Der macht Marie einen wortreichen Antrag, da ist alles drin: Heiraten, Zukunft, Liebe. "Das hat sicher ein Vermögen gekostet", denkt Paul. Ob er mit seinen drei gefangenen, völlig unzusammenhängenden Wörtern dagegen ankommt? Wieso bitteschön ist mir diese Idee nicht eingefallen???!!! Die große Wörterfabrik" gehört zu meinen Lieblingsbüchern in diesem Frühling. Am Anfang verbreitet es düstere Stimmung, ein bisschen Weltuntergang. Aber am Ende siegt die Liebe, das kann ich schon mal sagen. Der kleine Herr Schlönske ist begeistert und überlegt tagelang hin und her, welche Wörter er sich kaufen würde, auf jeden Fall : Kann ich was trinken Dankeschön Auto Fisch... Welche drei Wörter würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen? Agnès de Lestrade, Valerie Docampo: Die Wörterfabrik, Verlag mixtvision

Schwarze Schafe, irgendwie

Ich beschäftige mich zur Zeit mit Übungen zum Thema: Wie man mit Vorschulkindern das Lesen und Schreiben vorbereitet. Praktisch ist es, wenn man da einen kleinen Herrn Schlönske als Versuchskaninchen daheim hat. Ich:  "Hör genau hin, ich sag dir jetzt drei Wörter. Aber eines passt nicht dazu: zahm - Zahn - Zähne. Welches Wort gehört da nicht hin?" Herr Schlönske schreit grinsend: "Tomate!!!"