Artikel-Schlagworte: „Zeit des mondes“

Leseempfehlung

Sonntag, 24. Juni 2012

„I look into the night. I see owls and bats that fly and flicker across the moon. Somewhere out there, Whisper the cat is slipping through the shadows. I close my eyes and it’s like those creatures are moving inside me, almost like I’m a kind of weird creature myself, a girl whose name is Mina but more than just a girl whose name is Mina.”

Mina liebt die Nacht und die Wörter. „Außergewöhnliche Aktivität: Schreibe ein Wort wiederholt auf – so lange, bis dieses Wort fast gänzlich seine Bedeutung verloren hat.“ – Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur, Frisur. F r i s u r – was ist denn das für ein komisches Wort, bedeutet es etwas?

Mina stellt in ihrem Tagebuch oft Aufgaben über außergewöhnliche Aktivitäten und merkt erstaunliche Tatsachen an. Denn Mina hat eine andere Sicht auf die Dinge. Kinder haben das sowieso, aber Mina ist ein besonderes Kind. Sie hat keine Handicaps oder so was, sie passt einfach nicht ins System. Sie erledigt ihre Hausaufgaben in einer Art, mit denen Lehrer und Mitschüler nichts anfangen können. Deswegen unterrichtet ihre Mutter sie zu Hause. Die Lehrer verstehen das verrückte Mädchen nicht. Vielleicht braucht Mina eine „Antimerkwürdigkeitsoperation“? In ihrem Tagebuch schreibt Mina von Freundschaft, Trauer, Liebe, von ihrem Vater, der früh gestorben ist, von ihren Schulerlebnissen, vom Warten auf den Frühling, von langen Spaziergängen, von der Nacht, von den Nachbarn.

Mina macht sich viele Gedanken, z. B: über moderne Kunst. Viele mögen sie nicht, weil sie mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Aber vielleicht soll sie ja gerade aussehen wie etwas, das in Wirklichkeit unsichtbar ist? Was wissen wir schon. Sie macht sich Gedanken über Staub. Staub kann man sehen. Vor allem, wenn er in einem Lichtkegel tanzt. Wer macht sich schon bewusst, dass dieser Staub aus tausenden winzigen kleinen Hautpartikeln besteht? Dort „wirbelt und tanzt und funkelt tote menschliche Haut.“ Klingt das morbide? Mina hat keine morbide Einstellung, sie findet große Worte über das Leben. So über das wohl magischste Ding des Universums: das Ei. Aus einem Ei entsteht alles. Jedes einzelne Ei ist selbst ein Universum. Alles ist in ihm angelegt: Knochen, Federn, Härchen… An einer anderen Stelle kommt dieses Universum zum Schweigen: in einem Gewölle. Die Käuze in Minas Haus fressen ganze Tiere und würgen ihre Reste als Gewölle heraus. Mina zerlegt dieses Gewölle mit großer Faszination. Alles ist drin: Knochen, Federn, Härchen…

Die Vögel haben die Dinos überlebt. Sie sind stark. „Wenn es einen Gott gibt, könnte es dann nicht sein, dass er die Vögel auserwählt hat, um für ihn zu sprechen?“ Ist es verwunderlich, dass Mina davon träumt, ein Vogel zu sein?

Außergewöhnliche Aktivität: Schreibe eine Geschichte über dich in der 3. Person!

Ich habe „Mina“ von David Almond auf der diesjährigen Liste des Deutschen Jugendliteraturpreises entdeckt. Ich kaufte es mir im Original – zu Übungszwecken. Vielleicht hat mich die poetische Schönheit dieses Buches deshalb noch mehr ergriffen. Ich kaufte noch mehr Bücher von David Almond. Sein erstes Kinderbuch heißt „Zeit des Mondes“. Während ich „My name is Mina“ las, verschwand mein ältester Sohn (Herr Urz) in den Seiten von „Zeit des Mondes“. „Mina“ wurde dieses Jahr bei uns veröffentlicht, „Zeit des Mondes“ bereits 1998. Aber Mina kommt bereits in „Zeit des Mondes“ vor. Dort geht es um den Jungen Michael, der mit seiner Familie in ein altes Haus in die Falconer Road zieht, die Straße, in der auch Mina wohnt. Er findet in der zerfallenden Garage des neuen Hauses eine Kreatur, eine wimmernde, dünne, stinkende Kreatur mit Spinnweben bedeckt. Es ist ein Engel. Michael und Mina bringen den Engel Skellig in Sicherheit. Skellig wird von ihnen und von den Käuzen gefüttert. Er hat den Atem eines Tieres. Michael hat eine kleine Schwester. Aber dem Baby geht es nicht gut. Es schwebt zwischen Tod und Leben. Ein bisschen wie Skellig. Am Ende wird alles gut. Und Michael hat Mina und Mina Michael. In dem neuesten Buch „Mina“ wechseln die beiden ihre ersten Worte erst auf den letzten Seiten des Buches, dann erst lernen sie sich kennen. Es sind die gleichen Sätze wie auf Seite 25 des älteren Buches „Zeit des Mondes“ von 1998. David Almond hat erst über zehn Jahre nach der Geschichte von Michael die Geschichte von Mina aufgeschrieben. Lesen kann man sie hintereinander weg, weil sie unglaublich schön sind.

„My name is Mina“ Delacorte Press, Random House Inc., 2010

“Mina” Ravensburger, 2011

“Zeit des Mondes” Ravensburger, 1998